Bärnau
27.06.2025 - 14:12 Uhr
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Neue Zukunft für den Grenzlandturm bei Bärnau: Privater Investor will ihn sanieren

Dr. Richard Hausmann hat Großes vor: Er will den Grenzlandturm bei Bärnau kaufen und umfassend sanieren. Bei einem Besuch in der Knopfstadt sprach der ehemalige Siemens-China-Chef von Siemens über seine Pläne für das Wahrzeichen.

Der Grenzlandturm bei Bärnau ist markant: Er steht symbolisch für die dort verlaufende Landesgrenze, ist im Winter bei Raureif ein beliebtes Fotomotiv – und fester Bestandteil des Stadtlogos sowie der Namenstafeln der Stadtratsmitglieder. Nun soll das Wahrzeichen der Stadt Bärnau eine neue Zukunft bekommen: Der frühere Siemens-China-Chef Dr. Richard Hausmann hat großes Interesse am Erwerb des Wahrzeichens.

Aber von vorne: Weil der historische Turm samt Anbau baufällig ist und viel Geld dafür in die Hand genommen werden müsste, ist er seit einigen Jahren ungenutzt. Früher konnte man im Grenzlandturm auf Anfrage sogar übernachten – heute haben nur Spezialisten Zugang zum Gebäude. Zum Beispiel Restaurator Johann Geitner. Er fertigte vor rund zwei Jahren ein Gutachten zum Grenzlandturm an und stellte starke Feuchtigkeit in der Bausubstanz und dringenden Sanierungsbedarf fest.

In den Turm „verguckt“

Das Gutachten gab die Stadt damals in Auftrag, da sie das historische Gemäuer sanieren wollte. Auch gibt es einen positiven Stadtratsbeschluss zur Sanierung, die bislang jedoch nicht umgesetzt wurde. Das sei laut Stier unter anderem der eingeschränkten finanziellen Handlungsfähigkeit der Stadt zuzuschreiben. Doch das könnte sich bald ändern. Dr. Hausmann aus Erlangen will den Grenzlandturm kaufen und umfassend sanieren. Sein Vorhaben stellte er vor Kurzem dem Stadtrat vor. „Ich bin durch meinen ehemaligen Religionslehrer auf den Turm aufmerksam geworden, er veröffentlichte ein Foto auf Facebook“, schilderte Hausmann dem Gremium. Es folgte eine Vor-Ort-Besichtigung, gemeinsam mit seiner Frau. Ruckzuck sei es um beide geschehen gewesen – „wir haben uns in den Grenzlandturm verguckt“, beschrieb der Kaufinteressent den ersten Eindruck. Daraufhin habe er einen Brief an die Stadt geschrieben, dass er bei der Sanierung des Turms behilflich sein könnte und man sei ins Gespräch gekommen.

Physiker mit Faible für Historisches

Bei seinem Besuch im Stadtrat nutzte er die Gelegenheit, sich und sein Vorhaben vorzustellen. „Ich bin promovierter Physiker und arbeitete lange im Gesundheitssektor. Ich war bei Siemens tätig und hatte verschiedene Positionen in Deutschland und China, wo ich CEO und Präsident war und auch sechs Jahre lebte. Danach war ich einige Jahre in den USA und Chef eines anderen Unternehmens, und zuletzt vier Jahre Leiter einer Firma in Schweden.“ Seit zwei Jahren sei er pensioniert, aber noch als Aufsichtsratsmitglied mehrerer Firmen im Gesundheitssektor aktiv. Doch nicht nur über seine berufliche Laufbahn sprach er, sondern auch über seine Motivation: „Vor circa 25 Jahren habe ich auch ein denkmalgeschütztes Haus in Erlangen gekauft, das damals in desolatem Zustand war. Wir haben es mit viel Aufwand und in Zusammenarbeit mit einem guten Architekten renoviert und komplett restauriert und den Keller entfeuchtet. Dafür haben wir den Denkmalpreis des Bezirks Mittelfranken bekommen.“ Dr. Hausmann ist laut eigener Aussage also ein Experte für die Restaurierung maroder Häuser.

„Mir gefallen alte Dinge. Fast mein ganzes Leben war ich in der Welt der neuen Technik unterwegs, aber alte Dinge gefallen mir einfach besser. Und der Grenzlandturm hat mir wirklich gut gefallen“, sagte er dem Gremium. Dass die Stadt aufgeschlossen gegenüber seinem Kaufinteresse sei, habe ihn sehr gefreut. Auch ein Gespräch mit einem Architekten habe er schon geführt und erste Skizzen anfertigen lassen. „Der Architekt meinte zwar, es sei komplex, aber machbar.“ Denn Dr. Hausmann und Frau würden den Turm nicht nur sanieren, sondern auch in ihm wohnen wollen. „Dafür müssten wir an die Wasser- und Stromversorgung angeschlossen werden“, erklärte er den Stadträten. Ansonsten würde er baulich nicht großartig viel am Turm verändern wollen. Für sein Vorhaben rechne er mit Kosten von insgesamt 350.000 Euro.

Stier: "Extremer Glücksfall"

Er kündigte an, noch in diesem Jahr mit der Sanierung beginnen zu wollen, sollte sein Antrag vom Stadtrat freigegeben werden. Eine Entscheidung für oder gegen das Kaufgesuch des Investors steht bislang noch aus – unter anderem, da der Kaufvertrag noch gemeinsam mit der Stadt und einem Notar erarbeitet und dem Gremium vorgelegt werden soll. Auch die technische Erschließung soll laut Stier Bestandteil des Kaufvertrags werden: Eine Stromanbindung sei über eine Abzweigung möglich, die Wasserversorgung könnte über eine bestehende Leitung vom Hochbehälter Bärnau, nahe Hermannsreuth, erfolgen. Auf Nachfrage bei Bauhofleiter Christian Gleißner habe die Bevölkerung aber nicht damit zu rechnen, einen Teil der Kosten mittragen zu müssen – die Erschließungskosten seien Sache des Investors.

Bürgermeister Stier bezeichnete das Interesse von Dr. Hausmann als „extremen Glücksfall“. Er lobte den Unternehmer als „Mann für Details“ und „idealen Kandidaten“, dem die behutsame Sanierung und nachhaltige Nutzung des Denkmals zuzutrauen sei. „Hausmann hat der Herrgott geschickt“, so Stier wörtlich. Er meinte: „Aus meiner Sicht sollten wir das Vorhaben von Dr. Hausmann maximal unterstützen.“ Auch der Stadtrat zeigte sich durchweg positiv: Hubert Häring (CFWG) betonte die Bedeutung des Turms als identitätsstiftendes Symbol – er präge das Stadtbild und finde sich in offiziellen Dokumenten wie Briefköpfen und im Stadtlogo wieder. Er und seine Fraktion begrüßten es generell, dass ein privater Investor bereit sei, das Denkmal zu erhalten.

Stadträte reagieren positiv

Auch Dritter Bürgermeister Gottfried Beer (SPD) unterstrich die emotionale Aufladung des Bauwerks: „Der Grenzlandturm ist Symbol für die Grenzlage und Einzigartigkeit unserer Stadt.“ Zugleich plädierte er dafür, den Turm für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten – etwa bei Veranstaltungen wie dem Bergfest. Er regte zudem an, eine dauerhafte Informationsmöglichkeit zur Geschichte des Turms bereitzustellen. Anna Schwamberger (Grüne) meinte: „Ich bin begeistert.“ Angesichts knapper Haushaltsmittel sei es unrealistisch, dass die Stadt selbst die Sanierung stemmen könne. Und auch Zweiter Bürgermeister Michael Schedl (CSU) sah das Vorhaben positiv. Er sprach offen aus: „Die Stadt habe viele Aufgaben, und die Sanierung des Turm habe nunmal nicht erste Priorität.“ Umso positiver sei es, dass sich nun eine Lösung abzeichne.

Ein zentrales Anliegen bleibt die Wahrung des öffentlichen Charakters, wie sich in der Debatte abzeichnete. Dr. Hausmann versicherte, dass sich durch den Kauf am Stadtlogo nichts ändern würde – der Turm dürfte weiterhin symbolisch präsent bleiben. Bürgermeister Alfred Stier plädierte dafür, alle Rechte zur Nutzung der Außenansicht des Wahrzeichens, etwa für das Stadtlogo oder Publikationen, unentgeltlich und dauerhaft – auch geltend für etwaige Rechtsnachfolger von Dr. Hausmann – an die Stadt übertragen werden sollen, sollte der Kaufvertrag zustande kommen.

Hintergrund:

Das ist Dr. Richard Hausmann

  • Privates: 64 Jahre, lebt in Erlangen mit seiner Frau, hat zwei Söhne und zwei Enkelkinder. Stammt aus der Oberpfalz – er ist in der Nähe von Amberg geboren und ging in Amberg zur Schule. Ist promovierter Physiker.
  • Berufliches: Er arbeitete lange bei Siemens in Deutschland und China, war sechs Jahre lang Präsident von Siemens in China und lebte auch dort. Danach wechselte er als Leiter zu einer Firma in den USA. Danach wurde er Chef einer Firma in Schweden. Alle Unternehmen, die er leitete, sind dem Gesundheitssektor zugehörig. Mittlerweile ist er pensioniert, aber noch als Aufsichtsratsmitglied in mehreren Firmen in der Gesundheitsbranche aktiv.
  • Hobbys: Sammelt alte VW-Käfer und betreibt sogar ein eigenes privates VW-Museum in Baiersdorf (Mittelfranken). Hat eine Vorliebe für denkmalgeschützte Häuser. Er sanierte gemeinsam mit seiner Frau und einem Architekten ein marodes Haus in Erlangen. Dafür wurde das Paar sogar mit dem Denkmalpreis ausgezeichnet. Nun möchte er auch den baufälligen Grenzlandturm bei Bärnau kaufen und umfassend sanieren.
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