Bärnau
27.12.2024 - 14:12 Uhr
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Neues Konzept und Personal für das Knopfmuseum Bärnau

Das Deutsche Knopfmuseum in Bärnau wird organisatorisch und konzeptionell auf neue Füße gestellt. Dabei nimmt der Geschichtspark-Trägerverein Via Carolina – Goldene Straße die Hauptrolle ein. Im Stadtrat sorgt das für Diskussionen.

Das Deutsche Knopfmuseum in Bärnau wird ab 2025 vom Verein Via Carolina – Goldene Straße mit organisiert. Dafür wird auch neues Personal gesucht. Bild: Susanne Forster
Das Deutsche Knopfmuseum in Bärnau wird ab 2025 vom Verein Via Carolina – Goldene Straße mit organisiert. Dafür wird auch neues Personal gesucht.

Das Knopfmuseum in Bärnau war Thema in der letzten Stadtratssitzung des Jahres 2024. Es soll neu organisiert und mit einem neuen Konzept ausgestattet werden. Dafür hat die Stadt eine Zusammenarbeit mit dem zweiten Bärnauer Museum im Sinn.

Beim Knopfmuseum gab es 2024 laut Stadt einige Änderungen: Leiterin Andrea Bäuml verabschiedete sich zum 31. August, und auch Mitarbeiterin Birgit Fischer hört Ende des Jahres auf eigenen Wunsch auf. Die dritte Mitarbeiterin im Museumsteam, Brigitte Ries, sei weiterhin im Dienst und werde zu den Öffnungszeiten die Museumsgäste betreuen. Doch sei die Knopfstadt in naher Zukunft auf neue Kräfte für das Museum angewiesen – und möchte es in diesem Zug organisatorisch neu aufstellen. Sie strebe dafür eine Zusammenarbeit mit dem Geschichtspark an.

Marketing im Blick

„Nach interner Beratung haben wir Ja gesagt“, erklärte Václav Vrbík, der Geschäftsführer des Geschichtsparks-Trägervereins Via Carolina – Goldene Straße, in der Stadtratssitzung. Und verkündete zugleich, dass er nicht mehr beim Verein angestellt ist, sondern als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter des Innovativen Lernortes (ILO) der OTH Amberg Weiden in Bärnau. Als Geschäftsleiter von Via Carolina sei er weiterhin aktiv, aber ehrenamtlich.

Völlig unabhängig vom ILO ist zwar das Knopfmuseum zu sehen – hat durch Václav Vrbík aber dennoch einen Berührungspunkt. „Das Knopfmuseum soll perspektivisch direkt über den Verein Via Carolina laufen“, erklärte Vrbík in der Sitzung weiter. Die Stadt hatte beim Verein angefragt, ob er neben der Leitung des Geschichtsparks künftig auch die organisatorische Leitung des Knopfmuseums übernehmen und es auch marketingtechnisch auf solide Beine stellen könnte. Dafür habe er ein positives Signal gesendet.

Zwei neue Stellen

Für diese neue Aufgabe wolle man ab 2025 zwei neue Stellen im Bereich Tourismus und Marketing schaffen. Der Einsatzbereich wäre im Bereich Deutsches Knopfmuseum und Tourismus der Stadt Bärnau vorgesehen. Die neue Tourismusfachkraft solle dann mindestens einen Tag pro Woche vor Ort im Knopfmuseum sein. „Bei positivem Beschluss gäbe es ein Dreier-Paket für Bärnau: zwei neue Stellen für Tourismus und Marketing plus mich als Geschäftsführer mit langjähriger Erfahrung im Fachbereich“, fasste Vrbík zusammen. Der hatte auch schon seine Pläne für das Knopfmuseum dabei.

Unter anderem wolle man die Öffnungszeiten entsprechend der Besucherpräferenzen anpassen sowie ein Neukonzept fürs Knopfmuseum entwickeln, das 2026 umgesetzt werden würde. Das schließe auch die bestehenden Internetseiten des Museums ein, die möglicherweise neu gestaltet werden sollen. Großes Anliegen von Vrbík sei es, lokale Kulturanbieter mit ins Boot zu holen. Dafür hat er unter anderem die Bärnauer Freilichtbühne, das Ackerbürgerhaus und das Bärnauer Schlosstheater im Sinn. „Wir können unsere Kräfte bündeln und gemeinsam Kultur-Kombi-Pakete schnüren.“

Vrbík stellte auch Ideen für neue Veranstaltungsformate vor. Unter anderem denke er an Workshops und Rundgänge durch das Museum mit Einbezug von QR-Codes für das Mobiltelefon. Auch die Etablierung eines Online-Knopf-Archivs habe Vrbík auf lange Sicht im Sinn.

Einige Stadträte äußern Bedenken

Bürgermeister Alfred Stier erkundigte sich, ob durch den Wechsel der Knopfmuseums-Leitung künftig auch Fördermittelakquise auf der Agenda stehe. Vrbík meinte dazu: „Wir sind ziemlich erfahren, was das angeht.“ Auch wollte der Rathauschef wissen, ob sich die neue Kraft für das Marketing auch der Einwohnerakquise widmen könnte – in Verbindung mit der Vermarktung des Museums. Vrbík zeigte sich zuversichtlich, dass auch Bärnau als Ort mit vermarktet werden könnte.

Anna Schwamberger (SPD/Grüne) fragte: „Wo genau soll organisatorisch das Museum angesiedelt werden?“ Sie brachte Bedenken zum Ausdruck, dass der Geschichtspark finanziell nicht immerzu auf soliden Beinen stehe. „Das Stadtmarketing können wir selbst machen. Ich halte es nicht für sinnvoll, das auszulagern“, meinte Schwamberger. Vaclav Vrbík antwortete: „Organisatorisch würde der Betrieb, die Verwaltung und die Leitung des Knopfmuseums im Rahmen des Vereins Via Carolina laufen."

"Wer garantiert, dass das Knopfmuseum auch weiterhin mit Herzblut betrieben wird? Gibt es einen Ansprechpartner vor Ort?", wollte Hubert Häring (CFWG) wissen. Vrbík verwies darauf, dass dies künftig er und die eigentliche Museumsleitung seien. Wie er auf Nachfrage informierte, sind derzeit zwei neue Vollzeitstellen ausgeschrieben: Der Verein Via Carolina sucht ab Februar einen Leiter für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sowie einen Manager für Tourismus und Events. Die Kosten für die Stellen trage der Verein, und sie seien auch anteilig über die Stadt finanziert.

"Historische Chance"

Aus Sicht Stiers sei die Neuorganisation des Knopfmuseums eine "historische Chance". Beide Institutionen – Knopfmuseum und Geschichtspark – würden profitieren und gemeinsam zur Bevölkerungsakquise beitragen. Laut Stier seien zuletzt 2000 Besucher jährlich in das Knopfmuseum gekommen. Es müsse versucht werden, "maximal professionell die Besucherzahlen in die Höhe zu bekommen. Wir müssen eine Leitung organisieren“. Dafür rechne er jährlich mit bis zu 25.000 Euro an Mehrausgaben.

Hubert Häring erkundigte sich in diesem Zug nach den Besucherzahlen im Geschichtspark. Vrbík wusste, dass rund 15.000 Menschen im Jahr 2024 den Park besuchten. Gottfried Beer (SPD/Grüne) erklärte, dass er keine Schnittmenge zwischen dem Knopfmuseum und dem Geschichtspark sehe. Er befürchte, dass die organisatorische Zusammenlegung nur aus Marketinggründen passiere.

Schließlich stimmte der Stadtrat mit 11:5 für die neue Organisationsform. Mit Nein stimmten Gottfried Beer, Hubert Häring, Rudolf Schmid, Markus Fichtner und Anna Schwamberger. Letztere betonte, dass es keine Abstimmung für oder gegen das Museum sei – für sie bedeute ihre Nein-Stimme eine Stimme gegen das Vorgehen im Stadtrat.

Hintergrund:

Deutsches Knopfmuseum Bärnau

  • Wurde 1975 nach dem Aufbau einer Privatsammlung durch Rudolf Jäpel in der Bahnhofstraße in Bärnau zunächst in kleinem Rahmen eröffnet.
  • Ab 1982 begann Marcel Herman mit seiner Frau Edith, die Sammlung neu zu ordnen und aufzubauen. Es folgte die Gründung des Deutschen Knopfmuseums und am 1. März 1983 wurde es in dem Gebäude der früheren Knopffachschule in der Tachauer Straße eröffnet.
  • Da um 1987 das bisherige Gebäude nicht mehr den Anforderungen eines modernen Museums entsprach, sollte es in das damals sanierungsbedürftige Kommunbrauhaus umziehen. Der Stadtrat entschied sich später dafür, nach der Sanierung das Deutsche Knopfmuseum dauerhaft dort unterzubringen.
  • Im Juli 1995 startete die Sanierung. Sie wurde im Jahr 1998 abgeschlossen. Seit 1998 befindet sich in der ehemaligen Braustätte das Deutsche Knopfmuseum. Ausgestellt sind Knöpfe jeder Art, aus verschiedensten Materialien und aus vier Jahrhunderten. Außerdem kann man nacherleben, wie die Knöpfe hergestellt wurden.

Quellen: Deutsches Knopfmuseum und Stadt Bärnau

Hintergrund:

Zur Person: Vaclav Vrbík

  • 43 Jahre, lebt im tschechischen Tlučná, nahe Pilsen.
  • Besuchte die Westböhmische Universität in Pilsen (Abschluss als Mgr.), das Business Institute in Prag (Abschluss als MBA) und besuchte Zertifizierungskurse im Bereich Kulturmanagement.
  • Ist aktuell ehrenamtlicher Geschäftsführer des Geschichtspark-Trägervereins Via Carolina – Goldene Straße. Der im Jahr 2010 gegründete Verein widmet sich dem kulturellen, touristischen und pädagogischen Austausch zwischen den bayerischen und tschechischen Nachbarregionen.
  • Außerdem ist er Leiter des „Innovativen Lernorts“ Bärnau (ILO) der OTH Amberg-Weiden und seit Oktober 2024 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der OTH Amberg-Weiden.
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