16.11.2020 - 11:17 Uhr
BärnauOberpfalz

Plattform für Bio-Qualität auch aus dem Landkreis Tirschenreuth

Seit 2019 gibt es die Online-Plattform "Regiothek.de". Darauf präsentieren sich Öko-Betriebe mit ihren regionalen Lieferketten. Bisher ist die Oberpfalz auf dieser Karte nur spärlich vertreten. Aber das soll sich ändern.

Zum Auftakt ihrer Kooperation trafen sich die Projektmanagerinnen Barbara Ströll, Lisa Hertel (unten von links) und Cornelia Strigl (oben Mitte) mit dem Regiothek-Gründer Alexander Treml (oben links) und Bürgermeister Robert Lindner (unten rechts) bei Gerald Meierhöfer (oben rechts) an der Gailertsreuther Mühle in Floß.
von Externer BeitragProfil

Die Regiothek ist online auch für Direktvermarkter, Bäcker, Metzger, Gastronomen und kleine Lebensmittelläden in der nördlichen Oberpfalz da. Die Projektmanagerinnen der Öko-Modellregionen Stiftland, Naturparkland Oberpfälzer Wald und Amberg-Sulzbach/Stadt Amberg machen es möglich. Sie unterstützen Bio-Betriebe, die sich dort präsentieren möchten. Bei einem Besuch in der Gailertsreuther Mühle, die bereits gut vernetzt ist, stellten sie die Vorzüge dieses besonderen Schaufensters dar.

Lieferwege auf einen Blick

„Mit der Regiothek werden erstmals die regionalen Lieferketten sichtbar. Ich kann dort den Weg vom Korn des Bauern bis zum Brot des Bäckers nachvollziehen“, stellte Lisa Hertel von der Modellregion Stiftland fest. Die Internet-Plattform diene der Vernetzung von Bauern mit Lebensmittelhandwerkern, Handel und Konsumenten. Das bisher Einzigartige sei die Transparenz: Die Betriebe legten ihre Lieferbeziehungen offen, so dass die Wege der Waren auf einer Landkarte sichtbar werden. So könne jeder Interessent die Regionalität der Lebensmittel auf einen Blick nachvollziehen.

Barbara Ströll von der Modellregion Amberg-Sulzbach/Amberg) erklärte, warum sie sich mit ihren Kolleginnen für diese Zusammenarbeit engagiert: „Wir möchten Bio-Bauern, Metzger und Bäcker, die Bio aus unserer Region verarbeiten, dabei unterstützen, weitere Partner und Kunden zu gewinnen." Wenn die Lieferketten für jeden sichtbar seien, könnten Konsumenten, Lebensmittelhandwerk und Küchenleiter leichter dort anknüpfen. Auch für die Gastronomie sei es interessant, die Zusammenarbeit mit örtlichen Lieferanten übersichtlich darzustellen.

Zielvorgabe für alle bayerischen Öko-Modellregionen sei es, bis zum Jahr 2030 einen Anteil von 30 Prozent Ökolandbau zu erreichen. „Wir hoffen, dass wir mit der Regiothek dafür Impulse setzen können", unterstrich Barbara Ströll. "Alle, die mehr Ökolandbau vor ihrer Haustüre möchten, können diese Entwicklung fördern, indem sie beim Bäcker und Metzger einkaufen und nach ,Bio‘ aus der Region fragen."

Die Projektmanagerinnen erstellen für geeignete Betriebe Profile, mit denen sie sich auf der Plattform darstellen. Viele Anbieter in den Landkreisen Neustadt/WN und Amberg-Sulzbach haben bereits bei Infoabenden Interesse bekundet. Eine Veranstaltung im Stiftland musste wegen Corona abgesagt werden. Dennoch wird intensiv am lokalen Netzwerk gearbeitet, wurde beim Treffen in Floß deutlich.

Oberpfälzer Öko-Netzwerker

Derzeit ist die Gailertsreuther Mühle der größte Stern auf der Regiothek-Landkarte der Oberpfalz. Als getreideverarbeitender Betrieb ist die Bio-Mühle ein zentraler Knotenpunkt im Netzwerk der regionalen Lebensmittelwirtschaft. Aktuell ist eine Auswahl von neun Höfen sichtbar, welche die Mühle mit Getreide beliefern. Erkennbar ist auch, dass vier Oberpfälzer Bäckereien mit dem Mehl aus der Region backen.

Als Dienstleister bereitet die Mühle zum Beispiel das Getreide vom Bio-Hof Walz aus Amberg-Schäflohe auf. Auch Familie Walz legt den größten Teil ihrer Lieferbeziehungen auf der Internet-Plattform offen. Man sieht, dass der Betrieb seine Produkte im eigenen Hofladen und über diverse Naturkostläden verkauft und dass sein Emmer-Mehl von einer Nürnberger Bio-Bäckerei verbacken wird.

Oberpfälzer Gastronomie und Einzelhandel sind auf der Regiothek-Karte bisher nur als Verkaufsstellen oder Abnehmer der Bauern oder der Mühle sichtbar. Mit jedem weiteren Betrieb, der mitmacht, wird das regionale Netzwerk dichter. Vor allem Direktvermarkter haben Interesse angemeldet.  „Leider erschwert uns Corona gerade die weitere Kontaktaufnahme", bedauerte der Gründer der Plattform, Alexander Treml. Aktuell helfen er und seine Kollegen interessierten Gastronomen bei der Einrichtung der „Genuss-Vermittlung“. Dieses Vorbestellsystem soll Betrieben auch im Lockdown helfen. 

Hintergrund:

Öko-Flächen verdreifachen

Mit dem Programm "BioRegio 2030" setzt das Ministerium für Ernährung. Landwirtschaft und Forsten das Vorgängermodell 2020 fort. Ziel ist es, dass 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Bayern im Jahr 2030 ökologisch bewirtschaftet werden. Derzeit sind es rund 377.000 Hektar, wie der Homepage des Ministeriums zu entnehmen ist. Gleichzeitig setzt das Landesprogramm auf eine Stärkung von Absatz und Nachfrage. Um diese Ziele zu erreichen, gelten folgende Schwerpunkte:

  • Bewerbung des Bayerischen Biosiegels
  • Verbesserter Austausch zwischen allen Akteuren auf dem Öko-Markt
  • Unterstützung der Öko-Modellregionen
  • Verstärkter Einsatz von regionalen Bio-Lebensmitteln in der Außer-Haus-Verpflegung
  • Umstellung von Staatsgütern auf ökologische Wirtschaftsweise
  • Errichtung eines Praxis-Forschungsbetriebsnetzes für den Ökolandbau
  • Vermittlung der Inhalte des Ökolandbaus in der Ausbildung der grünen Berufe sowie der Berufe des Lebensmittel- und Ernährungshandwerks

Mit der Regiothek werden erstmals die regionalen Lieferketten sichtbar. Ich kann dort den Weg vom Korn des Bauern bis zum Brot des Bäckers nachvollziehen.

Projektmanagerin Lisa Hertel

Hier geht es zum Regiothek-Angebot

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