13.05.2022 - 14:51 Uhr
BärnauOberpfalz

Podiumsdiskussion in Bärnau: Deutsch-tschechische Zusammenarbeit weiter stärken

Partnerschaftlich arbeiten Orte aus Tschechien und der Oberpfalz zusammen. Darunter auch die Stadt Bärnau und der Markt Floß. Bei einer Podiumsdiskussion in Bärnau ging es um die Entwicklung der Beziehungen und künftige Vorhaben.

von Susanne Forster Kontakt Profil

Jan Opl, Bürgermeister der tschechischen Gemeinde Tlučná und Tachovs Bürgermeister Ladislav Macák pflegen freundschaftliche Kontakte in der nördlichen Oberpfalz. Opls Kommune ist seit 2019 Partnerstadt des Marktes Floß. Auch die Stadt Bärnau hat 2019 die Partnerschaftsurkunde mit dem tschechischen Tachov unterzeichnet. Bei der Podiumsdiskussion "Gemeinsam sind wir stark - Potenziale grenzüberschreitender kommunaler Partnerschaften" in einem Gebäude des Geschichtsparks Bärnau-Tachov trafen sich die beiden tschechischen Rathauschefs mit Robert Lindner, Bürgermeister des Marktes Floß und Alfred Stier, Bürgermeister der Stadt Bärnau.

Skilanglauf und Geschichtspark

Auf Nachfrage von Moderator Jürgen Herda zu den Anfängen der Partnerschaft Bärnaus mit Tachov nannte Stier das Skilanglaufzentrum Silberhütte mit den grenzüberschreitenden Loipen. Der Skisport habe die partnerschaftliche Beziehung angeschoben, meinte er. Auch der Geschichtspark sei "Bestandsfaktor" für die Zusammenarbeit zwischen Menschen beider Länder. "Er lebt vor, wie grenzüberschreitende Projekte ablaufen können", so Stier. Auch an das zweisprachige Theaterstück, das vor einigen Jahren beim Historischen Marktspectaculum gezeigt wurde, erinnerten sich noch heute viele Menschen. Das Fest wäre "ohne die tschechischen Akteure undenkbar", ergänzte er. Ähnlich sah es auch Ladislav Macák. Die Gemeinde Tachov veranstalte schon lange historische Feiern. Als in den 90er Jahren die Knopfstadt zum ersten Mal das Historische Fest ausrichten wollte, habe man Bärnau Tipps gegeben. Stier sprach von einer wachsenden Zahl an Geschichtspark-Fans aus der Großgemeinde Bärnau und darüber hinaus - auch über die Landesgrenze.

Was Opl und seine Gemeinde seit Beginn der Zusammenarbeit begeistere, sei ein Getränk aus Floß. "Die Flosser haben die Menschen aus Tlučná gewonnen, als sie ihr gutes Bier mitgebracht haben", erinnerte er sich. Auch der Flosser Bürgermeister Robert Lindner wusste noch von ersten geselligen Zusammenkünften. Wie man junge Leute für eine Partnerschaft begeistern könne, fragte Moderator Herda die Runde. Opl erzählte, tschechische Jugendliche hätten bei einer Sportveranstaltungen erste Kontakte mit deutschen Kindern geknüpft. Er findet die Schulzusammenarbeit einen guten Ansatz und glaubt, dass auch bei Treffen der Ortsfeuerwehren junge Menschen zusammenfinden könnten. Auch Macák erinnerte sich an die Zusammenarbeit der Schulen, die nun nach Corona wieder ins Rollen käme.

Feste und Fußballspiele

Er sprach auch von früheren Veranstaltungen auf der Silberhütte - jetzt sei die Zeit, gemeinschaftliche Freizeitaktivitäten für die Jugend wieder zu aufzunehmen, damit Kinder und Jugendliche Kontakte knüpfen können. Auf die Frage, wie eine Städtepartnerschaft wieder belebt werden könne, nannte Opl deutsch-tschechische Treffen oder ein Fußballspiel zwischen Spielern beider Orte. Alfred Stier wollte gleich Nägel mit Köpfen machen und schlug ein deutsch-tschechisches Fest im Juni vor.

Sprachbarriere kaum ein Problem

Auch die wirtschaftlichen Beziehungen waren Thema. So wurde das Oberzentrum Waldsassen-Cheb und die Ansiedlung eines BMW-Standortes in Grenznähe angesprochen. Beides seien wichtige Elemente der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit. In Sachen Arbeitsplätzen wusste Stier, dass rund 6000 Menschen aus Tschechien im Stiftland einen Arbeitsplatz haben. Bei der Zusammenarbeit sei die Sprachbarriere zwar vorhanden, die könne jedoch größtenteils mit Englisch überwunden werden.

Robert Lindner bedauerte, dass in Schulen zu wenig zur tschechischen Sprachausbildung unternommen werde. Laut Macák sei in den Tachover Grundschulen Deutsch ein Pflichtfach. Opl ergänzte, dass viele Leute in Tschechien Deutsch lernen - etwa, weil sie dadurch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten.

Hintergrund:

Kommunale Partnerschaften

  • Eine Partnerschaft zwischen Städten oder Gemeinden zielt auf kulturellen oder wirtschaftlichen Austausch ab.
  • 1921 ist erstmals eine Städtepartnerschaft geschlossen worden – zunächst adoptierte das englische Keighley (West Yorkshire) das französische Poix-du-Nord. 1986 wurde die Partnerschaft offiziell eingetragen.
  • 1925 schlossen Kiel und Sonderburg in Dänemark eine Partnerschaft – die erste, an der eine deutsche Stadt beteiligt war.
  • Heute haben mehrere tausend Gemeinden und Städte in Deutschland eine partnerschaftliche Verbindung zu Orten im In- und Ausland (Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung/KommunalWiki).
 
 

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