14.05.2019 - 17:44 Uhr
BärnauOberpfalz

Rente als "Cappuccino-Modell"

Seine Erfahrungen aus 25 Jahren Rentenberatung kumuliert der Vortrag von Diözesansekretär und Rentenberater Markus Nickl zum Thema Rente. Damit möchte er vor allem zum Gespräch anregen und die Menschen für das Thema sensibilisieren.

Referent Markus Nickl erklärt den Zuhörerinnen und Zuhörern die Rentenformel.
von Redaktion ONETZProfil
Organisator Markus Fichtner (rechts) bedankt sich bei Referent Markus Nickl für seinen Vortrag.

"Für meine Rente sehe ich schwarz" lautete das Thema des Vortrags von Diözesansekretär Markus Nickl im Rahmen der Katholischen Erwachsenenbildung im Pfarrheim. Als sich der Diözesansekretär vor rund 25 Jahren mit der Kontenklärung seiner eigenen Rente auseinandergesetzt hat, nachdem er nach seiner Bundeswehr-Zeit zurück in Deutschland war, stockte ihm kurzzeitig der Atem. Die Zeit, die er beim Bund verbrachte, sollte ihm nicht auf seine Beitragsjahre angerechnet werden. Länger als ein halbes Jahr habe es gedauert, bis er alle erforderlichen Nachweise eingeholt hatte, um sich seine Wehr-Zeit doch noch anrechnen zu lassen, erinnert er sich.

Und Nickl appellierte an Zuhörer: "Jedes Jahr zählt für die Rente". Denn mindestens 35 Beitragsjahre müssen Arbeitnehmer sammeln, um als langjähriger Versicherter zu gelten. Er forderte deshalb auf, sich besser schon mit der eigenen Rente zu befassen, lange bevor deren Antragstellung unmittelbar bevorsteht. Denn Rentner können auch Zeiten der Kindererziehung, Ausbildungszeiten oder Wehr- und Zivildienst bei der Rentenversicherung als beitragspflichtige Zeiten geltend machen. "Wovon leben die Menschen im Alter?", fragte der Referent in die Runde. Und hatte eine Aufstellung des statistischen Bundesamts dabei. Diese zeigte, dass von den Männern ab 65 Jahren rund 54 Prozent alleine von der gesetzlichen Rente leben, von den Frauen rund 65 Prozent. Daneben waren andere Alterssicherungssysteme, Erwerbstätigkeit, private Vorsorge sowie Grundsicherung bzw. Sozialhilfe oder sonstige Einkommen aufgeführt.

458 Euro für Frauen

"Armut ist weiblich", so Nickl, und verdeutlichte das mit einem Vergleich der durchschnittlichen Rentenzahlbeträge aus dem Jahr 2012 aus der Oberpfalz. Die Zahlen des Landkreises Tirschenreuth zeigten, dass Männer dort mit durchschnittlich 977 Euro Rente im Monat auskommen müssen - Frauen hingegen haben im Schnitt nur 458 Euro zur Verfügung.

Weiter erläuterte der Referent das Thema Krankenversicherung in der Rente sowie "individuelle Altersrente" und erklärte, dass es möglich sei, aus allen Altersrenten eine prozentuale Teilrente von eins bis 99 Prozent zu beantragen. Wer jemanden ab Pflegegrad zwei pflegt oder im Rahmen der Flexirente mehr als 6300 Euro verdient, für den könne die Beantragung einer individuellen Altersrente interessant sein.

Rentenmodell der KAB

Zum Ende des Vortrags informierte Nickl über das Rentenmodell der Katholischen Verbände, die sogenannte "Sockelrente". Sie garantiere eine Mindestsicherung - unabhängig von der individuellen Erwerbsbiografie und ohne Bedarfsprüfung. Die Höhe der Sockelrente - für alle im Rentenalter und bei Erwerbsminderung - betrage laut Nickl 515 Euro monatlich, exklusive Kosten für das Wohnen. Finanziert werde sie aus Beiträgen auf die Summe aller positiven Einkünfte und durch Steuermittel. Im sogenannten "Cappuccino-Modell" wurde der Aufbau des Rentenmodells der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) anhand der drei verschiedenen Schichten verdeutlicht: Der Espresso, ganz unten in der Tasse, stehe symbolisch für die Sockelrente und diene dazu, das Existenzminimum zu sichern. Die zweite Schicht, der Milchkaffee, stehe für die Erwerbstätigenversicherung und die dritte Schicht, der Milchschaum, verdeutliche die betriebliche und private Altersvorsorge. Für Nickl ist es das "Gegenmodell" zur gesetzlichen Rente - und eine gute Alternative für die zukünftige Alterssicherung.

"Ich möchte Sie dazu ermutigen, als Familie in Kontakt zu bleiben - führen Sie Gespräche, klären Sie Ihr Rentenkonto und überlegen Sie sich, ob Sie Puffer angelegt haben", so Nickl am Ende seines Vortrags.

INFO:

Was ist die Kontenklärung?

Die Kontenklärung ist ein Dienst der Deutschen Rentenversicherung. Versicherte können dort eine Klärung ihres Rentenkontos beantragen, um Einsicht in ihre rentenrechtlich relevanten Daten, welche bei der Rentenversicherung gespeichert sind, zu erhalten. Sollten Zeiten fehlen, können sich die Versicherungsnehmenden um Klärung ihres Kontos kümmern und erforderliche Nachweise frühzeitig einholen. (Quelle: Deutsche Rentenversicherung) (sfo)

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