16.04.2021 - 17:47 Uhr
BärnauOberpfalz

Schimmernde Schätze im Deutschen Knopfmuseum Bärnau: Die Makassar-Schale

Die Knopfstadt Bärnau kann auf eine fast 150-jährige Knopftradition zurückblicken. In den Hochzeiten gab es in Bärnau über 32 Knopffabriken. Ein besonderer Rohstoff für die Knopfherstellung ist Thema in der neuen Museumsgeschichte.

Durch ihre Größe eignet sich die Makassar-Schale auch wunderbar für die Verarbeitung zu Kunstgegenständen. Hier wurde eine Szenerie mit einem Elefanten, umgeben von verschiedenen Pflanzen, geschliffen.
von Redaktion ONETZProfil

Noch heute, wenn man in Bärnau den Boden aufgräbt, findet man immer wieder Spuren der Knopfindustrie: Muschelstücke in vielen Größen und Varianten. Perlmutter war allgegenwärtig, und Vereinsabzeichen, Nachttischlampen und vieles mehr aus diesem Material zeugen davon. Mit der Gründung der ersten Knopffabriken ab 1895 begann auch die Herstellung der Knöpfe per Hand. Aus der harten Muschelschale frästen die „Knopferer“ die runden Knöpfe. Das mehrmalige Schleifen sorgte für den unverwechselbaren Glanz der Perlmutterknöpfe. Heute versucht man, diesen Schimmer aus Kunststoffen nachzuahmen, aber das Original hat bisher niemand erreicht. In der Museumsgeschichten-Serie wird diese Besonderheit beleuchtet.

Das Qualitätsmerkmal für Perlmutter ist seine Reinheit. Die reinweiße Muschelschale kommt besonders bei Südseemuscheln vor. Eine herausragende Reinheit bietet die sogenannte Makassar-Schale. Dieses Perlmutter wird aus der „Pinctada maxima“, der silber- oder goldlippigen Perlmuschel, gewonnen. Ihre Schalen wachsen zu einem Durchmesser von 20 bis 30 Zentimeter heran und sind so auch für größere Knöpfe oder Kunstobjekte verwendbar. Ihr Vorkommen erstreckt sich über die Gewässer nördlich und westlich von Australien. Durch die Reinheit wird die besondere Farbbrillanz möglich. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Je nach Qualität ist die Makassar drei bis fünf Mal so teuer wie andere Muschelsorten. Die Bezeichnung Makassar stammt von dem gleichnamigen Hafen auf der indonesischen Insel Sulawesi.

Entstehung der Schale

Aber wie entsteht eigentlich diese schimmernde Schale? Die Muschel bildet zum Schutz ihres Weichkörpers eine harte Panzerung. Sie besteht aus zwei Klappen, die sich durch Schließmuskel fest verschließen lassen. Der sogenannte Mantel, eine Hautfalte der Muschel, produziert die Schale. Schicht für Schicht entsteht so aus Kaliumcarbonat (Kalk) und Conchyn (sozusagen dem Kitt) die Muschelschale. Sie besteht aus drei Teilen: Dem äußeren Periostracum, der Prismenschicht und ganz innen bildet sich die Perlmuttschicht. Um also das schimmernde Perlmutter zu erhalten, müssen die äußeren Schichten abgeschliffen werden.

Der größte Teil des Perlmutters wird in Zuchtstationen produziert. Der hohe Bedarf an dem Naturmaterial belastet die natürlichen Vorkommen der Muscheln. Außerdem können so die Kosten gesenkt werden. Verschiedene Muschelarten erzeugen ganz unterschiedliche Farbspektren. So zeigt die Tahitimuschel eher einen schimmernden silbergrauen Ton. Die Irismuschel bildet eine regenbogenfarbene Schale. Sie ist vom Aussterben bedroht.

Nachfrage gesunken

Seit der Einführung von Knöpfen aus Kunststoff in den 1970er Jahren ist die Nachfrage nach Knöpfen aus echtem Perlmutter gesunken. Das neue Material bot die Möglichkeit, ganz vielfältige Farben und Formen zu gestalten. Außerdem ist sind die Produktionskosten geringer. Es entstanden auch Perlmutter-Imitate aus Kunststoff, die aber nur unzureichend das Original ersetzen können. Für hochwertige Mode wird bis heute das reine Naturmaterial benutzt. Auch im Zuge der Plastikvermeidung wird es wieder mehr nachgefragt. Feinste Knöpfe aus Makassar, anderen Muscheln, Schnecken und vielen anderen Materialien sind im Deutschen Knopfmuseum Bärnau zu sehen.

Serie "Museumsgeschichten": Sieg mit Heugabeln und Dreschflegeln

Kemnath
Museumsleiterin Andrea Bäuml zeigt eine Makassarschale. Der einzigartige Glanz wird erst durch die Bearbeitung richtig sichtbar.
Dieser Knopf aus Makassar-Schale zeigt den besonderen Schimmer des Naturmaterials.
Die innerste Schicht der Muschel besteht aus dem begehrten Perlmutter. Durch die dünnen Schichten der Schalen bricht sich das Licht und sorgt für den unverwechselbaren Schimmer.
Hintergrund:

Serie "Museumsgeschichten"

  • In der Serie "Museumsgeschichten" werden besondere Ausstellungsstücke aus zwölf Museen im Kreis Tirschenreuth vorgestellt.
  • 2020 haben sich zwölf Museen im Kreis Tirschenreuth zusammengeschlossen, um fortan gemeinsam als "das Zwoelfer" aufzutreten.
  • Alle Informationen zu den Museen von „das Zwoelfer“ gibt es unter www.daszwoelfer.de. Dort bieten die Einrichtungen auch während des Lockdowns viele virtuelle Einblicke.

 

 

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