18.02.2021 - 13:37 Uhr
KemnathOberpfalz

Serie "Museumsgeschichten": Sieg mit Heugabeln und Dreschflegeln

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Vor mehr als 200 Jahren war auch die Region um Kastl bei Kemnath Kriegsschauplatz. Ein besonderes Museumsstück erinnert noch heute an die Wirren des Ersten Koalitionskrieges zwischen Frankreich und Österreich.

Der Tambourstab, der im Museum Kemnath ausgestellt ist, erinnert an die Schlacht bei Kastl.
von Bernhard PiegsaProfil

Die Franzosen kommen! In den politisch und militärisch aufgewühlten Zeiten vor 225 Jahren war dies eine Schreckensbotschaft. Es war die Zeit des Ersten Koalitionskriegs zwischen dem republikanischen Frankreich, das seine Heere in Marsch gesetzt hatte, um Europa eine neue Ordnung in seinem Sinne aufzuerlegen, und einer Allianz konservativ-monarchistischer Mächte unter Führung Österreichs, auf deren Seite sich Bayern gestellt hatte.

Im Sommer 1796 tobte der Krieg auch in der Oberpfalz, Gerüchte über „schlechte Handlungen“ und „Gewalttätigkeiten“ der französischen Eindringlinge machten die Runde. Entsprechend angespannt war die Stimmung, als die Kastler und Kemnather am Nachmittag des 25. August 1796 vernahmen, dass Kirchenthumbach, Eschenbach und Speinshart bereits in die Hand der „gottlosen republikanischen Umstürzler“ und „Königsmörder“ gefallen seien.

„Alt und Jung freute sich, gegen die Neufranken, die vorgeblichen Retter der Menschheit, ziehen zu dürfen“, schilderte Zeitzeuge Michael Pöllath die Kriegsbegeisterung, die sich ausbreitete, als der Kemnather Landrichter Max von Gravenreuth am Abend des 25. August die Mobilmachung verkündete: „Jeder waffenfähige Mann“ sei berufen, unverzüglich „mit Waffen, welche ihm nur immer zu Gebote stünden“, in Kemnath zu erscheinen. Chronist Pöllath verhehlte aber nicht, dass Courage und Kampfeslust noch durch tüchtiges Mutantrinken gefestigt werden mussten.

Schreck zum Frühstück

Wie dem auch sei: Mit dem Landrichter an der Spitze zogen am Morgen des 26. August rund 400 Mann unter der demonstrativen Losung „Gott und Maria“ auf Kastl los. Dort hatte tatsächlich ein französischer Truppenteil gleicher Stärke Station gemacht und tat sich im Pfarrhof an Brot und Bier gütlich, als ein Trommelwirbel die frühstückenden Soldaten aufschreckte: Ihr Tambour hatte den herannahenden „Kemnather Haufen“ erblickt und Alarm geschlagen.

Gegen die Bürger und Bauern, von denen die meisten nur mit abenteuerlichstem „Kampfgerät“ wie Spießen, Säbeln, Heugabeln, Sensen oder Dreschflegeln bewaffnet waren, schienen die modern bewaffneten Infanteristen alle Trümpfe in der Hand zu haben. Doch die Franzosen waren irritiert: Max von Gravenreuth trug eine Uniform preußischen Zuschnitts, und das neutrale Preußen war aus französischer Sicht kein Feindstaat. Auch als die Kemnather das Missverständnis aufklärten, verharrten die von jungen, offenbar wenig erfahrenen Offizieren geführten Franzosen in unschlüssiger Passivität. Einige ließen sich sogar ihre Waffen entreißen.

Plötzlich aber löste sich aus einem französischen Gewehr ein Schuss, der den Showdown am Kastler Berg in ein „grauses Hauen, Schlagen, Stechen und Schießen“ (Pöllath) umschlagen ließ. Im Gerangel „Mann gegen Mann“ fanden die französischen „Kriegsprofis“ aus ihrer Zaghaftigkeit nicht mehr zu professioneller Kampftechnik zurück, ihre Offiziere fielen oder flohen, und nach einer blutigen halben Stunde hatte der Wagemut der Kemnather „Amateure“ die Schlacht entschieden. Als die Franzosen kopflos die Flucht ergriffen, hatten 23 ihrer Kameraden und 15 Oberpfälzer den Tod gefunden.

Tambourstab blieb als Trophäe

An das sinnlose Scharmützel auf der Kastler „Baumannschmiedgarten“-Flur und seine 38 Opfer erinnert heute noch ein Gedenkstein an der Kastler Schulstraße – und der 1,41 Meter lange Dirigentenstab des französischen Tambourmajors. Ihn hatte der Kemnather Wirt und Schlachtteilnehmer Johann Friedrich Forster als „Kriegsbeute“ in seinem „Apfelwirtshaus“, dem Gasthof „Reichsapfel“ am Cammerloherplatz, in Verwahrung genommen.

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Kemnath

In den Knauf der „Trophäe“ ließ er eingravieren: „Friederich Forster Wirth hat diesen Stab in der Ataque mit den Franzosen den 26. august 1796 erobert und zu einen ebigen Denckzeugen in Apfelwirtshaus bleiben soll.“ Chronist Michael Pöllath merkte 1845 an, dass der zur „rühmlichen Kriegsbeute“ überhöhte Stab noch Jahrzehnte später „an der Spitze der Musik bei feierlichen Aufzügen geschwungen“ worden sei. 2001 übergaben ihn die nunmehrigen Eigentümer Walter und Werner Mayerhofer auf Vermittlung des Kemnather Ehrenbürgers Max Ponnath als Dauerleihgabe an den Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis (HAK). Im zweiten Stock des Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums in der Fronveste wird er seither ausgestellt.

Weitere Informationen gibt es im Internet auf der Homepage von "das zwoelfer" sowie auf Facebook und Instagram.

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