Der Wind trägt an diesem Tag vom Marktplatz Blasmusikklänge in den Geschichtspark Bärnau-Tachov. Auf einer kleinen Wiese am Fuße einer Turmhügelburg vermischen sie sich dort mit dem metallischen Klang von Schwertern. Roland Warzecha und Cornelius Berthold kämpfen scheinbar erbittert miteinander. Eine Gruppe Männer und Frauen in mittelalterlicher Kleidung steht in etwas Abstand bei den Männern und verfolgt ganz genau jede Bewegung der beiden Schwertkämpfer.
Die beiden Akteure mit den Schwertern scheinen fast zu schweben. Sie tänzeln. Was Warzecha und Berthold hier zeigen, ist die hohe Kampfkunst, wie sie schon vor über 1000 Jahren praktiziert wurde. Die zwei Männer leiten an diesem Tag ein Schwertkampf-Seminar im Geschichtspark.
Diesmal sind acht Teilnehmer gekommen. Eine schöne Gruppe, die Leiter Warzecha in die Grundbegriffe und den Umgang mit Schwert und Wikingerschild sowie "Buckler", dem kleinen Rundschild, einführt. Zwei Tage, Samstag und Sonntag, dauert das Seminar. Am Sonntagnachmittag spüren die Teilnehmer, wie schwer ein Schwert werden kann bei Dauergebrauch. Schmerzhafter Muskelkater meldet sich an. Warzecha schlägt vor, die Trockenübungen ohne Gegner mit dem kleinen und wesentlich leichteren Dolch zu üben. Aber das wollen die Teilnehmer nicht. Sehr ernsthaft sind sie bei der Sache. Für ein Seminar mit Roland Warzecha kommen sie aus Schwäbisch Gmünd, Hamburg und München nach Bärnau.
Dabei ist auch Julia Gräf. Schon zum zweiten Mal nimmt die Museumspädagogin am Geschichtspark Bärnau an so einem Lehrgang teil. Das Ganze klappe schon wesentlich besser als beim ersten Mal, urteilt sie. Aber Roland Warzecha, ein Perfektionist, ist noch nicht zufrieden. Auch jene, die das zweite Seminar als Aufbaukurs nutzen, werden ständig verbessert. Besonders auf die Körperhaltung legt der Meister großen Wert, lässt einige Übungen wiederholen.
Auch Mia Fischer ist mit Begeisterung dabei. Sie ist die zweite Frau im Seminar, die sich für Kampfkunst interessiert. Die 29-jährige Kinderkrankenschwester aus Schwäbisch Gmünd gehört einer Schwertkampfgruppe in ihrer Heimat an und hat dort Warzecha kennengelernt. "Er hat mir Bärnau schmackhaft gemacht, und es ist wirklich großartig hier", schwärmt sie vom Seminar und dem Ambiente im Geschichtspark.
Es gibt dabei nicht nur praktische Übungen. Warzecha berichtet auch von der Geschichte des Schwertkampfs, der im 12. Jahrhundert als sportliche Ertüchtigung galt. Es habe damals bereits Schulen gegeben. Vor allem Studenten, aber auch Kleriker hätten dieser Freizeitbeschäftigung ausgiebig gefrönt. Damals sei der Zweikampf sogar Bestand von gerichtlichen Beschlüssen gewesen. "Konnte man sich nicht einigen, wurde das Schwert als Gottesurteil gerichtlich eingesetzt", so der Meister. Einige Zuhörer erschaudern.
Und das ist durchaus gewollt. Das Motto im Geschichtspark lautet schließlich "Living History": Hier soll Geschichte lebendig werden. Anders als auf Mittelaltermärkten möchte man in der Einrichtung ein realistisches Abbild damaligen Lebens vermitteln. Und dafür nehmen viele Leute weite Anfahrtswege in Kauf.






















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