13.09.2019 - 14:54 Uhr
BärnauOberpfalz

Singende Theaterprofis begeistern Zuschauer

Wenn das Schwein grunzt wie Pavarotti, dann sitzt man wahrscheinlich im Publikum der Kompanie "Theater für die Jugend". Mit zwei tiefsinnigen und urkomischen Aufführungen waren die Profischauspieler mit "Aufs Land" zu Gast im Bärnauer Land.

von Redaktion ONETZProfil

"Let's go crazy", hieß es vergangenes Wochenende im Café "Brot&Zeit" des Geschichtspark Bärnau-Tachov. Wie Zombies schritten die Künstler auf die kleine Bühne, schnitten Grimassen, die Gliedmaßen zuckten wie ferngesteuert. Urplötzlich wechselte die Stimmung von verstört zu expressiv, als die Gruppe zu singen begann. Zu jazzigen Klängen begeisterte das Sextett von der ersten Sekunde an das Publikum. Es war weder zu überhören, noch zu übersehen, dass es sich bei den singenden Schauspielern um Profis handelte. Durch die ausdrucksstarke Mimik und Gestik nahmen die Darsteller ihr Publikum emotional mit und versprühten den Flair von gekonnter Schauspielkunst, gemixt mit Gesang.

Die Zuschauer erlebten ein Konzert mit dem Titel "Land Über", angekündigt als "Liebeserklärung an das Dorf". Das Stück ist eine Konzertrevue, die sich mit dem Thema Angst auseinandersetzt. Dorfklischees und Stadtstereotype werdemn ausgehandelt, so manche Trash-TV-Sendung durch den Kakao gezogen und auch die Liebe spielte eine wesentliche Rolle. Die verschiedenen Charaktere bildeten eine Dorfgemeinschaft, die außer dem gemeinsamen Wohnort nicht viel gemein hatte. Mit dabei sind Romantikerinnen (Claudia Roick), scharfe Kritikerinnen der "Schwesternschaft" (Katja Klemt), unscheinbare Mitbürger (Antje Hobucher), "hantige" Wirtsherren-Töchter (Anna März), die sich verleiben wollen, studierte Kunstsänger (Werner Schwarz) und schamlose Bauern (Mario Eick).

In ihrem Programm beschreibt sich die Kompanie als "einmalige Live-Jukebox" und verspricht damit nicht zu viel. Von Klassikern wie "Über sieben Brücken musst du gehn" oder "Kriminaltango" über "Don't let me be misunderstood" bis hin zu eigenen Kompositionen bieten sie ein breitgefächertes Repertoire. Jedes Lied behandelt ein Thema, das die Dorfbewohner beschäftigt, etwa die Kriminalitätsrate, die Traditionsverbundenheit oder die Vorbehalte gegenüber Stadtmenschen. Der Franzose Jules Feuillet sang das "Rote Pferd" in seiner Muttersprache. Und als Werner Schwarz alias "Winfried, der Kunstsänger" mit Schweinenase- und Ohren die Bühne betrat, konnte Anna März alias "Babsi" nur sagen: "Wenn das Schwein wie Pavarotti grunzt".

Bereits am Samstagabend begeisterte das Ensemble "Theater für die Jugend aus Burghausen mit dem Stück "Brust oder Keule", das Regisseur selbst verfasste. Der Auftritt musste wetterbedingt in das Museumscafé verlegt werden und wurde deshalb zum Improvisationsstück erklärt. Die Schauspieler machten einen Tisch zur Bühne, der teilweise mit drei Szenen gleichzeitig bespielt wurde. Im Stück geht es um die französische Küche, die der Sternekoch "Paul Mabuse" (Mario Eick) in Perfektion beherrscht. "Jacque Frikatel" (Jules Feuillet), Inhaber einer Schnellimbisskette, wittert eine Chance, sein Fast-Food-Imperium im ganzen Land zu verbreiten, und sorgt mit einer intriganten Aktion beinahe für ein Desaster. Verwickelt sind auch Restaurantkritikerin Charlene Duchemin und ihre Tochter "Bobby" (Anna März), die in die Fußstapfen der Mutter treten soll, aber lieber von einer Karriere als Komödiantin träumt.

Tosenden Applaus gab es vom Bärnauer Publikum für beide Stücke. Etwas schade war die überschaubare Besucherzahl an beiden Abenden, was dem regnerischen Wetter geschuldet war. Das Ensemble, das sich zum Teil schon seit 20 Jahren kennt, ist "gut eingespielt", macht vom Aufbau und Abbau der Bühne, dem Bühnenbau, den Requisiten, den Kostümen und der Werbung alles selbst. Mit insgesamt sechs selbst geschriebenen Stücken tourten sie durch Süddeutschland - Bärnau war die vorletzte Station.

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