06.07.2018 - 14:01 Uhr
BärnauOberpfalz

Slawen, die Techniker des Mittelalters

Die Slawen brachten neue Handwerkstechnik in die Region. Im Bärnauer Freilandmuseum werden sie nachempfunden.

In der vorderen Grube gewinnt man hier gerade Pech, in der hinteren brennt man Keramik.
von Autor MOHProfil

Ortsnamen wie Schirmitz, Köblitz oder Trausnitz weisen darauf hin: Einst war unsere Region von Slawen besiedelt. Sicherlich stecken in den Bewohnern der heutigen Oberpfalz noch immer slawische Gene. Soweit weiß das jedes Schulkind. Was wenig bekannt ist: Die Slawen brachten auch viele Handwerkstechniken mit. Beim „Slawentag“ im Geschichtspark Bärnau werden sie gezeigt.

Zunächst erklärt jedoch Stefan Wolters, der wissenschaftliche Leiter des Geschichtsparks: „,Slawen’ ist eine römische Bezeichnung. Sie selbst haben sich nie so genannt, sondern ,Wenden’.“ Der Begriff steckt noch heute in den Ortsnamen von Windischeschenbach, Windischbergerdorf oder dem norddeutschen Wendland.

Es waren aber keine wendischen Kleinbauern, die zuerst in Richtung Regensburg und von da aus ab dem Jahr 700 nach Christus nach Norden zogen. „Es ist wohl eine slawische Oberschicht eingereist“, sagt Wolters. Das zeigen Funde von Waffen, teuren Glasperlen und feinem Leinen.

Alte und neue Religion

Die neuen Siedler brachten ihre Religion mit. Das wird auf dem slawischen Kultplatz im Geschichtspark verdeutlicht. Wolters betont: „Bis ins elfte Jahrhundert war das Christentum hier noch nicht gefestigt.“ Das brachte die christlichen Landesherren aus Franken auf den Plan. Sie richteten Ministerialsitze ein. Von dort aus christianisierten sie die Region. Eine Kirche und eine Burg aus Holz sollen diesen Aspekt im Geschichtspark dokumentieren.

Die Slawen führten darüber hinaus fortschrittliche Technologien in der neuen Heimat ein. Beim Aktionstag im Geschichtspark wurden diese nachempfunden. Ein nach alten Quellen aufgebauter Kalkbrennofen wurde angeschürt. „Aus zwei Tonnen Kalkstein gewinnen wir in drei Tagen 1,7 Tonnen Branntkalk“, stellt der wissenschaftliche Leiter des Geschichtsparks heraus. Damit das funktioniert, muss der Ofen rund um die Uhr überwacht und nachgeschürt werden. Die Temperatur muss konstant bei 1200 Grad Celsius liegen. Außerdem sind 15 Ster Holz nötig. Die Technik der slawischen Öfen war die Grundlage der späteren Oberpfälzer Kalkbrennöfen.

Färben und brennen

Die Slawen beherrschten zudem Färbetechniken „Sie hatten eine Vorliebe für Rot“, sagt Wolters. Den entsprechenden Farbstoff extrahierten sie aus einer Färbepflanze. Den Stoff, der gefärbt werden sollte, tauchten sie einfach in die rote Brühe. Gebrauchskeramiken brannten die Slawen im sogenannten Grubenbrand. Dabei wurden die Werkstücke in einer Grube mit brennendem Holz überdeckt.

Auf ähnlich simple Weise erzeugten die Slawen Pech aus Birken- oder Buchenholz. „Wir können es direkt nachmachen“, merkt Wolters freudig an. Durch die Hitze des Feuers läuft aus dem Holz das Pech heraus, das man in einem Gefäß auffängt. Das Pech verwendete man früher als Klebstoff, zum Imprägnieren und zum Abdichten.

Färberin Susan Sümer aus München zeigt, wie die Slawen Stoffe gefärbt haben.

Da geht es heiß her: Im Kalkbrennofen herrschen durchgehend 1200 Grad Celsius.

Archäologe Stefan Wolters sorgt dafür, dass im Geschichtspark alles authentisch ist.

Info:

Das Kalkbrennen

Beim Kalkbrennen, wie es die Slawen anwandten, werden Kalksteinbrocken außen in einem Meiler um den Brennraum herum angeordnet. Beim Brennvorgang zerfällt das Calciumcarbonat, also der Kalk, in Calciumoxid („Branntkalk“) und Kohlendioxid. Der Branntkalk wird direkt auf der Baustelle in Löschgruben mit Wasser versetzt. Dadurch bildet sich unter starker Wärmeentwicklung Calciumhydroxid („Löschkalk“). Mit Sand vermischt erhält man Kalkmörtel. Härtet dieser aus, reagiert das Kohlendioxid in der Luft mit dem Calciumhydroxid. Es entsteht Kalk und Wasser. Deswegen wurden früher Neubauten schnell feucht. Sie wurden mit Koksöfen getrocknet, die wiederum das Kohlendioxid für die Reaktion lieferten.

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