22.10.2019 - 15:55 Uhr
BärnauOberpfalz

Mit Speer Jagd auf Plastikfische

Nichts konnte das Fest am wohl bisher schönsten Herbstsonntag im Geschichtspark Bärnau-Tachov trüben: Die sonntägliche Veranstaltung kam bestens an, so dass Veranstalter wie Gäste mehr als zufrieden sein können.

von Ulla Britta BaumerProfil

Gut für die Veranstalter und Gäste gleichermaßen: Das wunderschöne Wetter lockte am Sonntag Besucher in Scharen aus dem Landkreis Tirschenreuth, weit darüber hinaus und aus dem Nachbarland in den Geschichtspark Bärnau-Tachov. Aus Tschechien tummelte sich eine große Schar Kinder im Park, eine mit dem Bus angereiste Schulklasse.

Plastikfisch als Beute

Überhaupt waren es wieder die kleinen und großen Familien, die sich unter der warmen Herbstsonne gern mit ihren Kindern im "Mittelalter" tummelten. Vor allem die Buben fanden es sehr spannend, wie vor einigen Hundert Jahren Fische gefangen wurden. Die Kinder wollten unbedingt auch einmal den Speer halten und damit eine Karausche oder einen Nerfling aus dem Teich im Park fangen. Archäologe Stefan Wolters gewährte ihnen diesen Wunsch gern. Natürlich handelte es sich bei der Beute nur um einen Plastikfisch. Denn einen echten Fisch, klärte er die interessierten Gäste auf, dürfe man aus Tierschutzgründen nicht mehr mit einem Speer fangen.

Delikate Fischburger

Wolters und die Darsteller des Parks zeigten den Gästen, wie mit unterschiedlichen Speerspitzen große Fische wie Waller und Forellen gefangen wurden. An einer Aufhängevorrichtung hingen echte Fische. "Weißfische", so Wolters, "waren früher eine Delikatesse und wurden zu Fischburger verarbeitet. Heute werden sie wegen ihrer vielen Gräten von den Verbrauchern verschmäht." Besagte Fischburger seien sehr lecker, wusste Wolters. "Wir haben uns hier im Park einmal welche gemacht."

Wühlen im Blätterberg

Nicht zum Einsatz kommen konnte das aus Leinen geknüpfte Fischernetz. Das hatten am frühen Morgen versehentlich die Schafe zerrissen. Dafür konnte man zuschauen, wie es wieder per Hand geflickt wird, ganz nach mittelalterlichem Vorbild. Wolters erzählte, dass auch die Reuse und natürlich auch eine Angel früher zum Einsatz gekommen seien. Zwar war die Fischerei im Mittelalter der Hauptakt des Sonntags, aber am Herbstfest gab es weit mehr zu Erleben. Die Kinder wühlten eifrig im Blätterberg, wo Kastanien versteckt waren. Wer fündig wurde, durfte aus seiner Beute nette Spielsachen basteln. Kräuterführerin Andrea Wolf zeigte aber auch, was man aus Kastanien alles herstellen kann zum alltäglichen Gebrauch in der Hausapotheke.

Mit Meißel und Hammer

Die Baustelle der Reisestation von Kaiser Karl IV. war wieder der Renner schlechthin. Viele Besucher schauten fasziniert zu, wie die Handwerker riesige Granitblöcke in Handarbeit in der Mitte mit Meisel und Hammer spalteten. Als der Steinbrocken in zwei exakt gleich große Teile zerbrach, wurde den geschickten Handwerkern für ihren Kraftakt applaudiert. Die interessierten Gäste erfuhren, wie selbst hergestellter Kalk zur Weiterverarbeitung gelöscht wurde, um damit den Mörtel für den Bau der Burgmauern zu bekommen. Die kleinen Besucher wollten die Parktiere mit Gras füttern, was die gemütlichen weißen Schafe gern in Anspruch nahmen.

Leben im Mittelalter

Wer mehr über das Leben im Mittelalter erfahren wollte, konnte an die Türen des Hüttendorfes klopfen, wo die Darsteller wohnen. Sie berichteten gerne ausführlich über ihr "zweites Leben" als Mittelaltermenschen, dem sie mindestens ein Wochenende im Monat im Geschichtspark frönen. Alles in allem darf sich das Herbstfest am vergangenen Wochenende in die gelungenen wie erfolgreichen Geschichtspark-Veranstaltungen einreihen, denn auch die kulinarischen Angebote wie Räucherfisch am Stecken oder Schwammerlbrühe mit Dotsch brauchten sich gewiss nicht zu verstecken und fanden viele Abnehmer.

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