22.10.2018 - 15:50 Uhr
BärnauOberpfalz

Stadt Bärnau kauft Silberhütte

Seit zwei Jahren steht das Schutzhaus Silberhütte leer. Jetzt kauft die Kommune dem Oberpfälzer Waldverein (OWV) das Gebäude ab. Ein Weiterbestand als Gaststätte mit Unterkunft ist vorrangiges Ziel. Eine Garantie gibt es jedoch nicht.

Das Schutzhaus Silberhütte wird schon seit zwei Jahren nicht mehr bewirtschaftet.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Zufrieden kehren Bürgermeister Alfred Stier und OWV-Vorsitzender Armin Meßner vom Notartermin zurück. Am Montagvormittag haben sie den Kaufvertrag unterschrieben, der dem beliebten Ausflugsziel Silberhütte wieder goldenere Zeiten bescheren soll. Mit Wald und Wiese wechseln knapp 2,5 Hektar den Besitzer.

"Das Haus war für uns ein Klotz am Bein", beschreibt Meßner die Lage. Im Frühjahr hatten die Mitglieder des Hauptvereins mit großer Mehrheit einem Verkauf zugestimmt. "Bei der Stadt Bärnau ist die Silberhütte in besten Händen", ist der Vorsitzende überzeugt. "Besser als bei privaten Investoren." Zuletzt hatte der OWV vier Pächter, die jeweils nach wenigen Monaten das Handtuch warfen. In dem 1932 gebauten Haus besteht erheblicher Investitionsbedarf - an Dach, Dämmung, Heizung, Fenstern, Sanitäranlagen und nicht zuletzt der Zimmerausstattung. "Das ist Nostalgie pur wie 1960", beschreibt Stier. Seiner Einschätzung nach wären eher 1,5 Millionen Euro als die vom OWV genannten 500 000 Euro nötig.

Was hat die Stadt vor mit dem Gebäude? Der Bürgermeister nennt sechs Möglichkeiten, von denen er diese favorisiert: Abriss und Neubau durch die Stadt beziehungsweise die Kommunal-GmbH mit maximalen Fördermitteln, wobei die Deckungslücke ein Sponsor übernehmen soll. Und hier bringt Stier wieder Walter Winkler als größten Unterstützer des Skilanglaufzentrums ins Spiel. Mit dem Witron-Chef werde er jetzt, wo der Kaufvertrag unterschrieben sei, Kontakt aufnehmen.

Die anderen Varianten: Die Stadt Bärnau verkauft das frisch erworbene Gebäude weiter - das sei "mit Gewinn" möglich, betont Stier. Oder man verkauft an einen Betreiber mit einem schlüssigen Konzept. Variante drei: Die Kommune saniert und betreibt selbst. Variante vier: Die Stadt saniert und betreibt die Silberhütte mit einem Sponsor. Variante fünf wäre der von Stier favorisierte Abriss plus Neubau mit Sponsor. Letzte Möglichkeit: Ersatzloser Abriss. Zu einer endgültigen Entscheidung sollen die Stadträte bei einer Klausurtagung im Januar kommen. Der Bürgermeister betont, dass das Gremium in nichtöffentlicher Sitzung den Kauf der Silberhütte bei nur einer Gegenstimme befürwortet habe.

Den Kaufpreis nennen die Beteiligten nicht: "Das Stillschweigen darüber ist Vertragsbestandsteil. Der Preis ist angemessen. Es ist ein Geschäft, mit dem beide Seiten zufrieden sind", meint Alfred Stier. Wie berichtet, hatte in jüngster Vergangenheit der technische Leiter des Förderkreises Skilanglaufzentrum 70 000 Euro für das Haus mit Gelände geboten.

Den Verkauf an die Stadt Bärnau sieht Armin Meßner als beste Möglichkeit, weil eine Kommune bessere Zuschussmöglichkeiten habe als ein Verein. Der Weiterbestand als Schutzhaus sei nicht Gegenstand des Vertrags. "Wir würden es begrüßen", formuliert der Vorsitzende. "Mein persönlicher Wunsch wäre das auch", ergänzt Alfred Stier.

Und was wird aus dem Gelände, das der Stadt so wichtig ist und das sie dazugekauft hat? Hier wäre vieles möglich, lässt es der Bürgermeister bei Andeutungen. Vorrangig habe man sich ein Sperrgrundstück sichern wollen, das beim Erwerb durch einen Dritten das ganze Gebiet zerstückelt hätte. Und Stier lässt anklingen, dass er die Idee eines Baumhaus-Hotels noch nicht zu den Akten gelegt hat. Direkt neben dem Schutzhaus wollte ein Investor 2015 so ein Projekt verwirklichen. Damals nahm der Landkreis sogar einige Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald heraus, doch der Interessent zog sich wieder zurück. "Wir sind in Kontakt", kommentiert Stier.

Auch für weitere Überlegungen, etwa die Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden und öffentlichkeitswirksame Projekte, sei das Gelände geeignet. "Vielleicht können wir schon in zwei Jahren mit Herrn Meßner ein Glas Wein auf der Terrasse der Silberhütte trinken", hofft Stier auf baldige Wiederbelebung des Schutzhauses. Der OWV-Chef schränkt angesichts des forschen Zeitplans ein: "Man kann auch auf einer Baustelle was trinken."

Hintergrund:

Staatsforst muss zustimmen

Eine Hürde muss der Verkauf der Silberhütte noch nehmen: Die Zustimmung der Staatsforsten. Denn der bayerische Forst, auf dessen Grund das Schutzhaus 1932 errichtet wurde, hat ein Wiederkaufsrecht. In Vorgesprächen sei Bereitschaft signalisiert worden, dieses Recht zu löschen, informiert Bürgermeister Stier: "Wir haben aber noch nichts schriftlich."

Das Schutzhaus Silberhütte sowie 2,5 Hektar Gelände rechts und links des Gebäudes gehört jetzt der Stadt. Die Parkplätze sind bereits im Besitz der Kommune.

OWV-Vorsitzender Armin Meßner (rechts) und Bürgermeister Alfred Stier zeigen sich kurz nach dem Notartermin in Tirschenreuth zufrieden und präsentieren eine Kopie des Plans.

Silberhütte

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