15.03.2019 - 17:19 Uhr
BärnauOberpfalz

Steinmetze und Markttreiben

Im Geschichtspark Bärnau-Tachov sollen die Besucherzahlen steigen. Waren im vergangenen Jahr 18 000 Gäste hier, visieren die Verantwortlichen in dieser Saison die 20 000-er Marke an. Dafür haben sie sich einiges einfallen lassen.

Alfred Wolf (rechts) und Stefan Wolters vor der Koppel der beiden Rotvieh-Kühe Bea und Linda. Die Rinder hat Steinmetz Robert Mois seit Herbst vergangenen Jahres trainiert. Sie ziehen künftig einen riesigen Karren, mit dem Steine zur Mittelalterbaustelle gekarrt werden.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Neu sind diverse Thementage, um den Besuchern das mittelalterliche Leben in vielerlei Facetten nahezubringen. Am Samstag, 23. März, öffnet das größte archäologische Freilandmuseum Deutschlands seine Pforten. Die Zeitreise in das mittelalterliche Leben des 9. bis 13. Jahrhunderts ist in dieser Saison mit noch mehr spektakulären Veranstaltungen, die für jeden Geschmack etwas dabei haben, gespickt.

Schaubaustelle

Ein Beispiel dafür ist das Wandergesellen-Treffen vom 10. bis 26. Mai."Damit startet eine der größten Mittelalter-Baustellen Europas so richtig durch", sagt der Vorsitzende des Vereins Via Carolina - Goldene Straße, Alfred Wolf. In der Hauptsache werden es Steinmetze aus ganz Europa sein, die auf der Schaubaustelle der Reisestation Karl IV. arbeiten werden und sich dabei über die starken Schultern schauen lassen.

Auch die mittelalterliche Handwerkerwoche vom 8. bis 16. Juniverspricht jede Menge Action. Sie schließt ab mit einem Workshop für Keramik und Textil. Schon im Mai bauen Studenten der Uni Pilsen dafür einen Keramikofen auf. Es werden Techniken zum Keramikaufbau, zur Verzierung und zum eigentlichen Brand gezeigt. "Alles zu mittelalterlichen Bedingungen", sagt der wissenschaftliche Leiter Stefan Wolters. Selbst der Ton wird aufbereitet wie im Mittelalter.

Die Hoffnung ist dahingehend, dass am Ende Stücke herauskommen, die im eigenen Labor mit Originalen verglichen werden können. Gleichzeitig probieren Mittelalterdarsteller einen neuen Webstuhl, der im Langhaus untergebracht ist. Sie werden daran verschiedene Spinn- und Webtechniken erproben.

Vom 4. bis 7. April sowie vom 4. bis 7. Juliund vom 17. bis 20. Oktoberwird wieder der Kalkofen befeuert und jeweils vier Tage lang auf 1000 Grad Celsius gehalten. Bisher wurden dabei 1,5 Tonnen Branntkalk aus 2,2 Tonnen Kalkstein produziert. So einen Brennofen gab es im Mittelalter in jedem Ort.

Vom 13. bis 23. Aprilist der Geschichtspark wieder mit Darstellern belebt. Höhepunkt sind dabei am Osterwochenende die Markttage des Hochmittelalters. Das Frühlingsfest mit Attraktionen für groß und klein findet am Ostermontag, 22. April- mit Riesenprogramm und Darstellern aus ganz Deutschland - statt, verspricht Wolf.

Im Zeichen der Birke

Der Mitmachtag am28. Aprilsteht mit Aktionen und Führungen ganz im Zeichen der Birke. Die Pionierpflanze sei quasi der Brotbaum des Mittelalters gewesen, erklärt dazu Stefan Wolters. Es habe sie praktisch überall gegeben und bot damals der Menschheit viele Vorteile. So wurden etwa kleine Zweige zum Zähneputzen benutzt. Dabei entfaltete die Pflanze eine desinfizierende Wirkung und wirkte mit ihren Inhaltsstoffen nebenbei als Zahnaufheller.

Nach den strengen Wintern waren die Menschen oft geschwächt. Sie tranken deshalb verstärkt Birkenwasser, das sehr viele Vitamine enthält. Birke eigne sich auch hervorragend zum Schnitzen, zum Beispiel für Löffel. Aus der Rinde ließe sich eine Art Leder herstellen. Daraus bastelten die Menschen Behälter, in denen sich Glut transportieren ließ. Nach einem Tagesmarsch hatte der Träger somit sofort Feuer zur Verfügung.

Schwertkämpfe

Der 26. Maiist ganz dem Schaf gewidmet. Dazu gibt es einen Workshop zum Thema Landwirtschaft und Ernährung im Mittelalter. An den Wochenenden 22./23. und 29./30. Juni sowie 13./14. und 20./21 Julibietet Roland Warzecha, einer der besten Schwertkämpfer Europas aus Hamburg, wieder Schwertseminare an. Seit drei Jahren ist er eine feste Größe im Programm, erfreuen sich die Kurse großer Beliebtheit. Einen Stammplatz im Programm haben auch die Slawentage, die diesmal am 6. Julistattfinden.

Der 27. Julisteht unter dem Motto, "Lebendiges Mittelalter". Am 10. und 11 Augustgeht wieder ein großes Militärmanöver mit zahlreichen Darstellern aus ganz Deutschland über die Bühne. Der 8. Septembergehört allein den Kindern. Der Höhepunkt dabei ist ein Workshop, bei dem man lernt, wie Keramik gebrannt wir. Am 21. und 22.September erfährt der Fan beim "Lebendigen Mittelalter" alles über Werkzeuge und Waffen.

Am 29. Septemberladen die Verantwortlichen zu einer Wanderung auf der Goldenen Straße ein. Alles um mittelalterliche Handwerkskunst wird am Wochenende 5. und 6. Oktoberbei der Handwerkerwoche gezeigt. Am 18. Oktoberbeteiligt sich der Geschichtspark an der Museumsnacht.

Das Herbstfest am Kirwasonntag, 20. Oktoberist gleichzeitig der Thementag Fisch. Am 3. Novemberist Saisonende. Am30. November und 1. Dezembergeht das Tor noch einmal auf für den romantischen Weihnachtsmarkt. Weitere Informationen: www.geschichtspark.de

Information:

Vier Termine stehen ganz im Zeichen von wilden Kräutern.Am Ostermontag 22. April beim Frühlingsfest entdecken Kinder Kräuter im Geschichtspark. Am 23. Juni stellt die zertifizierte Kräuterführerin Andrea Wolf in einem Kurs Kräuter zur Sommersonnenwende vor. Anmeldung dafür unter Telefon 09635/9 24 99 75. Am 18. August werden im Park Kräuterbuschen gebunden. „Grüner wilder Tag“ lautet das Motto des Kräuterkurses am 1. September, den Ulrike Gschwendner aus Weiden gestaltet. Geöffnet ist der Geschichtspark Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr (letzter Einlass: 17 Uhr. Montags – außer an Feiertagen – ist geschlossen. Das Museumscafe ist Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. (tr)

Am 23. März eröffnet der Geschichtspark Bärnau-Tachov die Saison 2019. Ziel ist es in diesem Jahr die 20000-Besucher-Marke zu knacken. Dafür haben sich die Macher wieder viele interessante Dinge einfallen lassen.

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