10.01.2019 - 13:06 Uhr
BärnauOberpfalz

Stummer Zeuge der Geschichte

Der Kreuzstein markiert schon seit rund tausend Jahren eine Grenze. Jetzt passieren Wanderer und Skilangläufer die alte Landmarke ungehindert.

Von Schnee umhüllt: Der Kreuzsteinfelsen auf der Silberhütte ist ein Relikt aus grauer Vorzeit.

Wenn in den Wintertagen die Skilangläufer ihren Weg von der Silberhütte am südlichen Fuße des Entenbühls entlang ziehen und den jetzt offenen Weg nach Goldbach in Böhmen einschlagen, kommen sie an einem mächtigen Granitblock, dem sogenannten Kreuzstein, vorbei.

In Form eines breiten, stumpfen Kegels liegt der Felsen hinter der weiß-blauen Absperrung. Wenn die Wintersonne den Schnee etwas abgeleckt hat, erkennt man auf der Südseite deutlich ein eingehauenes Kreuz. Auf der Ostseite befindet sich die Inschrift "Böhmen", auf der Westseite "Bayern". Die Platte gibt durch eine im stumpfen Winkel gebrochene Furche die Grenzlinie an, welche die beiden Länder scheidet. Ansonsten trägt der Stein noch eine Nummer und die Jahreszahl der letzten Grenzfestsetzung 1843.

Tiefe Stille

In gerader Richtung sind es von hier aus drei Kilometer zum Schellenberg, nach Flossenbürg fünf, nach Plößberg und Bärnau sieben Kilometer. In den Übergangsmonaten vom Sommer zum Winter herrscht hier meist tiefe Stille. Wanderer, die hier eine Pause einlegen, mag gesagt sein, dass dieser Stein schon tausend Jahre lang die Bedeutung eines "Bis hier her und nicht weiter" verdeutlicht.

Gehen wir in der Geschichte zurück, so drangen im 12. Jahrhundert Slawen in den damaligen Nordgau ein. Im Jahre 1109 trafen sich Marktgraf Diepold, als Verwalter des Nordgaus, und sein Freund Graf Beringer von Sulzbach im Auftrag des deutschen Königs Heinrich V. mit den böhmischen Herzögen Borsivoy und Wladislaw zu einer Regelung des Grenzverlaufs zusammen. Vielleicht trafen sich die Abgesandten auf der damaligen Burg Flossenbürg. Sollte man sich damals über Grenzpunkte geeinigt haben, so dürfte der mächtige, unverrückbare Granitblock mit Sicherheit eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Rechts und links davon, also in Richtung Schellenberg und dem Entenbühl, war die Grenze zwischen Böhmen und der Pfalz noch im späten Mittelalter strittig. Denn die Kreuzpunkte, die man in die vorhandenen mächtigen Buchen- oder Tannenstämme fand, hatten keine ewige Dauer, sondern waren dem Verfall preisgegeben.

Alter Handelsweg?

Durchaus möglich wäre es, dass hier am Kreuzstein ein alter mittelalterlicher Handelsweg, von Floß aus kommend ins Böhmische, vorbeizog. Eines dürfte sicher sein, der Kreuzstein ist ein stummer Zeuge für so manche historische Begebenheit. Was wird der Name "Sachsenschlag", einer in der Nähe liegende Waldsektion, zu bedeuten haben? Wie viele Menschen werden den Stein zu Zeiten des Krieges und des Eisernen Vorhangs als Erlösung betrachtet und freudig begrüßt haben. Raublustige Hussiten, Wilderer und schwarzbemalte Panscher mögen an dieser Stelle so manchen finsteren Plan ausgeheckt haben. Strenge und unnahbare Grenzsoldaten, die hier in den Zeiten des Kalten Krieges unerbittlich jeden festnahmen, der den Stein umkreiste.

Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Friedliche Skifahrer, Wanderer, Waldarbeiter, Forstbeamte sowie bayerische und tschechische Zollbeamte, die gegenseitig in gutnachbarlicher Atmosphäre zusammenarbeiten. Möge man hoffen, dass der Kreuzstein einer langen und andauernden Friedensepoche entgegensehen kann.

Die Silberhütte:

Die Silberhütte im Landkreis Tirschenreuth gehört zur Stadt Bärnau. Bereits im 18. Jahrhundert existierte hier eine Hütte für Glasherstellung. Es war kein Einzelfall, die Glashütten und Spiegelglasherstellung zog sich entlang des Grenzkamms bis in den Bayerischen Wald. Auf der Silberhütte errichtete die Firma „Arnstein & Bloch“ einen Ofen mit sechs Häfen. Beschäftigt waren 30 Arbeiter, die zum Teil aus dem Böhmischen kamen. Für die notwendige Energie diente das reichlich vorhandene Holz.

Erzeugt wurden jährlich rund 3000 Zentner halbweißes Spiegelglas. Durch Unachtsamkeit brach 1881 ein Feuer aus und vernichtet einen Großteil der Hütte, die allerdings wieder aufgebaut wurde. Wie an vielen Standorten im Oberpfälzer Wald erlitt auch die Silberhütte das Schicksal, nicht mehr gewinnbringend zu produzieren. Durch den Bahnbau von Regensburg nach Hof und Eger schlossen viele Hütten. Der Bayerische Staat kaufte vor genau 126 Jahren den gesamten Besitz. Im ehemaligen Haus der Besitzer wurde ein Forstamt eingerichtet. Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle noch vorhandenen Gebäude abgerissen. (cr)

Modernes und grenzübergreifendes Langlaufzentrum:

Das derzeit noch immer geschlossene „Schutzhaus Silberhütte mit Gaststätte“ wurde 1932 – in der Zeit der Weimarer Republik – erbaut. Durch seine Lage auf einer Höhe von 818 Metern entwickelte sich hier ein Zentrum für den Skilanglauf. Oft bis Ende April ist es schneesicher auf der Silberhütte. Im Sommer werden die Forstwege von Wanderern genutzt. Das heute modern ausgestattete Langlaufzentrum des Skiclubs Altglashütte bietet unterschiedlich lange Loipen für Langlauf und Skating an. Die Beschneiungsanlage hat sich längst gelohnt, da bei Schneemangel Problem-Tage gut überbrückt werden können. Die Gesamtstrecke der Loipen umfasst rund 50 Kilometer mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Teilstrecken mit drei Kilometern können bis zu zwölf Kilometer Gesamtstrecken kombiniert werden. Hinzu kommt eine neun Kilometer lange Skatingstrecke in einer Höhenlage zwischen 750 und 901 Meter ü. NN. Die Benutzung ist kostenlos, über Parkgebühren wird ein kleiner Zuschuss erwirtschaftet. Mitglieder bekommen einen Freiparkschein. Regelmäßig werden die Skatingbahnen präpariert. Die Flutlichtstrecke wird montags bis donnerstags eingeschaltet. Wer das Skilanglaufen probieren will, kann sich Zubehör ausleihen. Ein Umkleide- und Waschraum steht ebenfalls zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 09635/1344 (Schneetelefon: 09635/1717). Durch die unmittelbare Nähe zur Tschechischen Republik führen die Loipen auch über die Grenze nach Goldbach. Seit etlichen Jahren finden sich auf den Parkplätzen des Skizentrums vermehrt Autokennzeichen aus Tschechien. Bis aus Prag kommen Leistungssportler, aber auch ganze Familien, um den Wintersport zu genießen. Beliebt seit vielen Jahren sind die bayerisch-böhmischen Schul-skitage. Eine idealer Ort, um sich mit der Partnerschule zu treffen. An Samstagen wird die Hütte im böhmischen Zlatý potok (Goldbach) bewirtschaftet und lädt zu einer stärkenden Rast am Kamin ein. (cr)

Der Schnee verwandelt den Wald rund um die Silberhütte in eine Traumlandschaft.
Grenzenloses Wandern ist seit dem Fall des Eisernen Vorhangs möglich.
Durch die unmittelbare Nähe zur Tschechischen Republik führen die Loipen auch über die Grenze nach Goldbach.
Skivergnügen.

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