20.09.2021 - 14:40 Uhr
BärnauOberpfalz

Unten Toilette, oben Jugendtreff

Eine neue Perspektive im Bärnauer Stadtkern bietet sich mit einem alten Gebäude. In dem Haus an der Bischof-Senestrey-Straße 1 könnte unter anderem ein Jugendtreff entstehen. Allein hinter der Ausführung steht noch ein Fragezeichen.

Das Gebäude an der Bischof-Senestrey-Straße 1 gehört der Firma "Nobis Domus". Das Unternehmen hat der Stadt angeboten, dort einen Jugendtreff, eine Fahrradreparatur und eine öffentliche Toilette einzubauen. Das Konzept wollte dem Stadtrat gefallen, doch wurde angeregt, selbst als Bauherr aufzutreten. Deshalb will man mit dem Besitzer Verkaufsgespräche führen.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Eine interessante Anfrage der Firma Nobis Domus GmbH konnte Bürgermeister Alfred Stier bei der September-Sitzung des Stadtrates vorlegen. Das Tirschenreuther Unternehmen hat das Gebäude an der Bischof-Senestrey-Straße 1 erworben und plant jetzt eine Sanierung. Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Doch dass die Firma angeboten hat, den Umbau nach den Vorstellungen der Stadt durchzuführen, ist neu. Natürlich müsste die Stadt die Räume anmieten.

Für die künftig Nutzung hatte "Nobis Domus" gleich entsprechende Ideen beigefügt. So könnten im Erdgeschoss etwa Räume für die Fahrradreparatur sowie öffentliche Toiletten (mit Behindertentoilette) entstehen, im Obergeschoss könnte dann ein Jugendtreff einziehen. Bereits wiederholt hatte Behindertenbeauftragter Josef Zandt eine Behindertentoilette im Ortskern gefordert, erinnerte Stier. Bei einer Zustimmung zu dem Entwurf könnte man in das städtebauliche Verfahren einsteigen, erläuterte der Bürgermeister.

Qualifizierte Jugendräume

Gottfried Beer (SPD) ließ sich bestätigen, dass die Stadt als Mieter auch für den Betrieb der Räume mit verantwortlich sei. Die Idee wollte Anna Schwamberger grundsätzlich gefallen. "Es ist keine Schande, wenn dieser Schandfleck verschwindet", stellte sich die Grüne hinter das Vorhaben. Ebenso sah es der Bürgermeister. Beim Jugendtreff wünschte Anna Schwamberger aber eine Abstimmung mit den jungen Leuten, um deren Wünsche zu erfragen. Mit der Nutzung im Erdgeschoss zeigte sich auch Michael Schedl (CSU) einverstanden. Nicht aber mit dem Jugendtreff im Obergeschoss. "Die jungen Leute wollen raus", wusste Schedl.

"Wir brauchen qualifizierte Jugendräume und keine Konkurrenz zu einem Haisl", erläuterte Stier. "Das soll nicht der x-te Partyraum sein", stellte auch Anna Schwamberger heraus. Deshalb sollte vorab geklärt werden, was die Stadt von einem Jugendtreff erwarte. Die Grüne konnte sich hier auch eine Art von Betreuung vorstellen. Und erneut musste der Bürgermeister auf ihre Linie einschwenken. "Das heißt aber nicht, dass ich zu den Grünen konvertieren werden", gab sich Stier bei der Sitzung recht launig.

Verkaufsgespräche führen

Der Konzeptvorschlag wollte auch Michael Wegener (SPD) gefallen. Er forderte allerdings genauere Angaben zu den Kosten, die auf die Stadt zukommen würden. Mit der Inanspruchnahme von Mittel aus der Städtebauförderung wäre bei der Miete eine Obergrenze vorgegeben, erklärte Stier. Die würde bei rund 4,50 Euro pro Quadratmeter liegen. In der Diskussion wurde auch die Überlegung angestellt, ob denn die Stadt nicht selbst das Projekt realisieren könnte. Dazu freilich müsste man das Gebäude zunächst erwerben. In der Abstimmung entschied die Mehrheit deshalb, zunächst mit der Firma "Nobis Domus" Verkaufsgespräche zu führen. Dagegen stimmte nur Rudolf Schmid (CFWG).

Bauwerber keine Hoffnung machen

Keine Hoffnung machen wollten Bürgermeister und auch der Stadtrat einem Bauwerber, der in Schwarzenbach ein Einfamilienwohnhaus errichten will. An der geplanten Stelle müsste unter dem Hintergrund einer Hochwassergefährdungsanlayse der Antrag kritisch betrachtet werden, so Stier. Eine Zustimmung betrachtete der Bürgermeister als "unehrlich" gegenüber dem Bauwerber, zumal das Vorhaben sicher vom Landratsamt abgelehnt würde. Zweiter Bürgermeister Michael Schedl schloss sich ebenfalls der Einschätzung an, dass an der geplanten Stelle kein Wohnhaus genehmigt werde. Einstimmig wurde schließlich das gemeindliche Einvernehmen verweigert.

Mehrkosten bei Straßenbau

Im Bericht des Bürgermeisters sprach Alfred Stier die hohe Kostenmehrung durch die archäologische Begleitung der Bauarbeiten in der Bischof-Senestrey-Straße an. So hätte die Stadt hier rund 50 000 Euro aufzubringen. Und eine Förderung, etwa durch das Denkmalamt, finde nicht statt. "Die schaffen an und wir müssen zahlen", kritisierte Stier.

Konzept für Ganztagsbetreuung

Anna Schwamberger (Grüne) vermisste die Reaktionen auf einen Antrag zur Konzeptausarbeitung für die Ganztagsbetreuung. Nachdem auch der Bundesrat hier "grünes Licht" gegeben hätte, sollte der Antrag in der nächsten Sitzung behandelt werden. Dabei erläuterte Stier, dass hier umfassende Aufgaben auf die Stadt zukommen könnte. Das gehe so weit, dass auch an Samstag eine Betreuung verlangt werden könnte. Zudem sei zu erwarten, dass die Eltern das Angebot sehr stark annehmen, sollte es kostenfrei sein. "Wir werden das lösen müssen", so Stier. Deshalb sollte eben das Konzept erarbeitet werden, verwies Anna Schwamberger auf ihren Antrag. Und hier könnte zunächst ein Vertreter der Regierung als fachlicher Ansprechpartner in die Stadtratssitzung geholt werden, regte sie an. "Das ist ein zielführender Vorschlag", schloss sich Stier an.

In der September-Sitzung wurde der Bärnauer Haushalt für 2021 gebilligt

Bärnau

"Es ist keine Schande, wenn dieser Schandfleck verschwindet."

Anna Schwamberger (Grüne)

 

 

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