20.12.2019 - 16:39 Uhr
BärnauOberpfalz

Unterwegs in den Fußstapfen des Jan Hus

Zu Fuß von Prag nach Konstanz auf einem durchgehenden ausgeschilderten Wanderweg. In ein paar Jahren kann das Realität sein, Deutsche und Tschechen arbeiten am Jan Hus-Weg, der den Gang des Reformators zum Konzil nach Konstanz nachzeichnet.

Ida Petioka, Alfred Wolf und Ilona Hunsperger (von links) repräsentieren die deutsche Seite beim Jan Hus-Weg.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Ilona Hunsperger kommt aus Floß, ist 30 Jahre alt und seit Mitte Juni Mitarbeiterin im Geschichtspark. Sie ersetzt Gertraud Zeitler, die jetzt im Ruhestand ist, und zeichnet sich verantwortlich für die Touristinformation, das Frontoffice und ein neues Projekt zum Thema Jan Hus. Hunsperger hat den Bachelor in Tourismusmanagement und den Master in Betriebswirtschaft. Bevor sie in Bärnau anfing, war sie im Produktmanagement bei einem Reiseveranstalter in Sulzbach-Rosenberg beschäftigt.

Thematisch passend

"Der Weg des Jan Hus in der Region Pilsen und in der Oberpfalz", lautet der Titel des neuesten Projekts an dem der Verein Via Carolina - Goldene Straße beteiligt ist. Vorsitzender Alfred Wolf erklärt, dass die Regionalentwicklungsagentur aus Pilsen, die das Projekt auf tschechischer Seite betreut, einen deutschen Partner gesucht habe. "Weil es für uns natürlich thematisch hervorragend passt, haben wir zugesagt", so Wolf. Das habe ganz nebenbei auch noch den Effekt, die Zentren der Goldenen Straße, Prag und Nürnberg an das bayerisch tschechische Projekt stärker anzudocken.

Ilona Hunsperger weist darauf hin, dass Jan Hus ja erst ab der deutschen Grenze auf der Goldenen Straße reiste. Aus dem Grund müsse der Weg in Tschechien komplett neu erstellt werden. Die Tschechen beschäftigten sich bereits seit geraumer Zeit damit. Zusammen mit Historikern sei eine Route ausgearbeitet worden, die mittlerweile schlüssig erscheine. Im Oktober seien Mitarbeiter beider Seiten bereits auf einer Teilstrecke des Hus-Weges gewandert.

Der Weg ist das Ziel. Jeder wanderte beim Testlauf in seinem eigenen Tempo. Bei strahlendem Sonnenschein ging es die letzten Kilometer von Kralovice (Kralovitz) nach Žihle (Schöles) bei Pilsen.

Dolmetscher im Haus

Von deutscher Seite ist auch Vaclav Vrbik mit im Boot, der ebenfalls zum Geschichtspark-Team gehört. Das freut Hunsperger besonders, weil sie kein Tschechisch spricht und auf einen Dolmetscher angewiesen ist. "Und wenn der im eigenen Haus sitzt, umso besser." Die langjährige Mitarbeiterin im Geschichtspark, Ida Petioka hat das Projekt seit Februar zusammen mit der Regionalentwicklungsagentur Pilsen ausgearbeitet. Sie verlässt Bärnau zum Jahresende.

Ilona Hunsperger führt das Projekt an ihrer Stelle fort. Petioka erklärt, dass Jan Hus in Tschechien mit dem Kirchenbann belegt war und deshalb keine normalen Straßen zum Reisen benutzen konnte. Die versteckten Wege, die er ging sollen jetzt erforscht werden. Erst ab der Grenze habe er vom Kaiser die Zusicherung für freies Geleit erhalten und konnte ungehindert auf der Goldenen Straße zwischen Bärnau und Nürnberg seine Reise zum Konzil nach Konstanz fortsetzen. Genutzt hat es dem Reformator, nichts. 1414 zog er in Prag los und wurde ein Jahr später in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Goldene Straße ist von Bärnau bis Nürnberg bereits durchgängig als Wanderweg markiert und wird quasi der mittlere Teil des Jan-Hus-Fernwanderweges. Ab Nürnberg soll der Weg dann einmal an den Burgunderweg angeschlossen werden, der bis nach Konstanz ins Jan Hus Museum führt.

Eine Markierung für den gesamten Weg sei bereits in Arbeit. An markanten Stellen werden auch kulturell aufklärerische Aktivitäten, die auch mit der Lehre des Reformators im Kontext stehen, zu finden sein, sagt Ida Petioka. Auch die sogenannten Meilensteine sollen darauf fortgeführt werden. Derzeit existieren 35 davon, demnächst kämen bis zur mittelfränkischen Grenze noch acht hinzu.

Der Meilenstein zu Jan Hus steht in Bärnau an der Naaber Straße.

Natürlich werde es auch eine Wanderkarte speziell für diesen Weg geben, gespickt mit Informationen. Auch ein Wanderertagebuch sei geplant, genauso wie Stempelstellen und viele Videos zum Thema auf einer speziellen Internetseite. In tschechischer Sprache existiere die bereits, die deutsche Version werde zeitnah integriert. Danach ließen sich leicht gemeinsame Ergänzungen verwirklichen.

Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und endet im August 2022. Bis dahin soll es möglich sein, die Strecke von Prag bis Nürnberg durchgängig zu durchwandern. Von dort soll sie dann in den Burgunderweg, einem ebenfalls historischen Handelsweg übergehen, der wiederum auch Teil des Jakobsweg ist. Seit Ende Februar arbeiten Ida Petioka und die Leute der Regionalentwicklungsagentur Pilsen an der Verwirklichung des Teilstückes in Tschechien. Petioka sagt: "Wir wollen den Weg so konzipieren, dass der Wanderer darauf die Natur wahrnehmen und genießen kann, Spiritualität und Kultur seine ständigen Begleiter sind." Auch lokale Kulturwerte sollen darin integriert werden.

Die Goldene Straße solle quasi den Mittelpunkt darstellen und als verbindendes Glied mit der tschechischen Seite verstanden werden. Bärnau agiert in der Vereinigung der Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition seit deren Gründung im Jahr 1997.

Für die kommenden zwei Jahre heißt dort der stellvertretende Vorsitzende Alfred Wolf. Der sagt, dass der Jan Hus-Weg in etwa 20 Kilometer lange Häppchen als Tagesstrecken eingeteilt werden soll. Außerdem wolle man die Bevölkerung mit ins Boot holen. Vielleicht wäre es dadurch möglich, zum Beispiel wanderfreundliche Unterkünfte zu schaffen.

Die Wandergruppe übernachtete im Pfarrheim in Kralovice und besichtigte die Peter und Paul Kirche, die berühmt für Ihre Mumien in Glassärgen ist.

EU-Finanzierung

Finanziert wird das Projekt von der europäischen Union im Rahmen territorialer Zusammenarbeit. Das Gesamtbudget beträgt 462 000 Euro, davon entfallen 252 000 auf die bayerischen Partner. Vor etwa acht Jahren habe eine deutsch-tschechische Gruppe die Strecke schon einmal per Pferdegespann bereist.

Auf tschechischer Seite wird der Weg etwa 250 Kilometer lang werden, von Bärnau nach Nürnberg sind es 124 Kilometer und von dort bis Konstanz noch einmal 279 Kilometer, summa summarum also etwa 650 Kilometer. Weitere Infos unter: www.husovacesta.cz/

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