08.11.2018 - 15:58 Uhr
BärnauOberpfalz

Weg von Bauchentscheidungen

Wie man ein Unternehmen aufbaut, hat Carina Wagner bei "Flixbus" in München gelernt. Jetzt ist sie in die Heimat zurückgekehrt und entstaubt die mittelalterlichen Strukturen im Geschichtspark.

Carina Wagner zeichnet dafür verantwortlich, dass im Geschichtspark alles perfekt läuft.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Geschichtspark Bärnau-Tachov", "Archaeozentrum Bayern-Böhmen", "Tourismusprojekt Bayern und Böhmen an der Goldenen Straße", "Heimatunternehmen" und vieles mehr. Alles Projekte, die bisher der Verein "Via Carolina - Goldene Straße" alleine geschultert hat. Dessen Vorsitzender Alfred Wolf sagt: "Wir haben eine so vielschichtige Struktur erreicht, die nur noch ein Profi aus der Wirtschaft beherrschen kann." Weil sich die diversen Projekte immer dynamischer entwickelten, werde das organisatorische Arbeiten ebenfalls immer wichtiger.

Arbeit bei "Flixbus"

Carina Wagner heißt die Frau, der Alfred Wolf das zutraut. Die 29-Jährige, die aus Kastl stammt und in Altenstadt/WN wohnt, zeichnet offiziell seit 17. September als Projektleiterin dafür verantwortlich, dass hinter den Kulissen alles geradlinig läuft. Wagner war Schülerin im ersten Jahrgang der Tourismusschule in Wiesau. Danach studierte sie Tourismusmanagement in Deggendorf.

Die vergangenen viereinhalb Jahre arbeitete sie bei "Flixbus" in München. Sie hat die Firma quasi mit aufgebaut, von anfangs 75 Mitarbeitern auf heute knapp 1200. Zum Schluss führte sie ihre eigene Abteilung mit Schwerpunkt Offline-Ticketverkauf und Haltestellenmanagement. "Eigentlich wollte ich noch nicht in die Heimat zurückkommen. Grundsätzlich zwar schon, aber noch nicht jetzt. Ich war sehr zufrieden in meinem Job", erklärt sie. Nach einem Gespräch mit Wolf war alles anders.

Der hatte den Hinweis bekommen, "da ist eine in Altenstadt, die könnte das managen". Er kontaktierte Wagner und sie war sofort begeistert von der möglichen neuen Aufgabe. "Ohne zu wissen, was alles dahintersteckt, dachte ich, wenn sich so ein Türchen auftut, darfst du es nicht wieder zufallen lassen", so Wagner. Jetzt zeichnet sie verantwortlich für den Aufbau und die Leitung der wirtschaftlichen und organisatorischen Strukturen im Bärnauer Mittelalter-Zentrum.

Um den Geschichtspark, das Archaeozentrum, das Tourismusprojekt "Bayern und Böhmen an der Goldenen Straße" sowie das Heimatunternehmen strukturell im Blick zu haben, wurde ein neues Büro, gewissermaßen eine Schaltzentrale geschaffen. Neben der Neuen agieren dort der Koordinator für Heimatunternehmen, Alfred Wolf, mit seiner Mitarbeiterin Ida Petioka sowie dem Projektverantwortlichen auf tschechischer Seite Vaclav Vrbik.

Die ersten fünf Wochen war die neue Chefin damit beschäftigt, den organisatorischen Istzustand zu fixieren. Wer macht was genau? Wie sind die Verantwortlichkeiten verteilt? Wie steht es um die Finanzen? Wie funktioniert das Marketing? Das waren die wichtigsten Fragen, die Wagner erst einmal für sich beantworten musste und noch muss.

"Leuchttürme" beibehalten

Ohne groß etwas am bisherigen Konzept zu ändern, sieht sie schon jetzt, wie sich mehr Besucher für den Geschichtspark generieren lassen. Dabei ginge es auch darum, festzustellen, welche Marketingkanäle vielversprechend seien und wie es mit der Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen bestellt ist. Ihr schwebt vor, die Onlinewerbung zu intensivieren und die Auffindbarkeit in Suchmaschinen zu optimieren. "Wir haben das größte Mittelaltermuseum in Deutschland und die größte Mittelalterbaustelle Europas und keiner weiß es", weiß Wolf.

"Leuchttürme wie das Mittelalterspektakel, das Herbstfest oder der Weihnachtsmarkt werden sicher beibehalten", verspricht Wagner. Vereinsmitglied ist sie übrigens noch nicht, wobei sie das vorhat: "Sobald ich ein entsprechendes Gewand habe, bin ich dabei." Wolf freut sich, dass seine neue Mitarbeiterin schon zahlreiche Dinge gefunden hat, die adhoc besser gemacht werden könnten. Darunter viele auch eher unspektakuläre Dinge, wie die Pflege der Mitgliederdaten, was im Moment viel zu zeitaufwendig erledigt werde. "Es gibt viele kleine Puzzleteile, die richtig angeordnet, das Leben erleichtern", sagt der Vorsitzende.

Carina Wagner sieht sich auch verantwortlich für das Controlling im Haus. Mit ihr ziehe die Vernunft ein, erklärt Wolf. In der Vergangenheit habe es zu viele Bauchentscheidungen gegeben. "Zahlen lügen eben nicht", sagt Wagner, deren Credo lautet: "Mit ausgeklügelten Strukturen und klaren Zielen zum Erfolg." Dass aber in der Vergangenheit vieles richtig gemacht wurde, zeigt Wolf anhand von Beispielen auf. "Wir haben ein riesiges Netzwerk in Richtung Tschechien aufgebaut. Das hat kein anderer."

"Carina ist auch ein wenig eine Heimatunternehmerin, weil sie ihre berufliche Karriere in der Großstadt gestartet hat und jetzt zu ihren Wurzeln zurückgekehrt ist." Übrigens stimme der Satz, dass es in der Region keine Attraktionen gäbe nicht, sagt Wagner. "Meine Erfahrung ist eine ganz andere. Hier gibt es viel Potenzial. Wir haben eigentlich auch alles, was die Großstadt bietet."

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