18.11.2020 - 15:11 Uhr
BärnauOberpfalz

Weitere Windrad-Giganten bei Bärnau

Der Bau von vier Windkraftanlagen am Mittelpunkt Europas, direkt vor dem Böttgerweg und dem Areal der Zlata Cesta, beschäftigt auch die tschechischen Behörden. Begeisterung herrscht dort nicht.

Auf der Anhöhe im Osten hinter Stöberlhof sollen Windräder gebaut werden. Die Vertreter der AG Paulusbrunn sowie von "Via Carolina – Goldene Straße" sorgen sich um die Auswirkung der Anlagen auf das Landschaftsbild und die historischen Bereiche an der Grenze. Widerstand hat auch die Bürgermeisterin von Obora angekündigt.
von Rainer ChristophProfil

Die Behörden in Tschechien wurden Mitte Oktober informiert. Auf dem Steinberg im Gemeindegebiet von Bärnau sollen kurz vor der Grenze nach Tschechien zwei Windkraftprojekte mit je zwei Windrädern errichtet werden. Dafür werden gesonderte immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren durchgeführt.

Aus Versorgungsgründen

Die Betreiberfirma Strauß & Niebauer Windkraftprojekte GbR aus Regensburg will dieses Vorhaben umsetzen. Die Standorte der Projekte "Stöberlhof" mit "WEA Nord" und "WEA Süd" sowie "Hinterer Steinberg" mit "WEA West" und "WEA Ost" liegen auf dem weithin sichtbaren Grenzkamm östlich der Stadt Bärnau. Die beiden Windfarmen, wie sie die Betreiberfirma "aus Vorsorgegründen" bezeichnet, liegen dabei in einer Entfernung von ca. 1,7 bzw. 1,9 km zueinander. Das Landratsamt Tirschenreuth hielt eine UVP-Prüfung im August 2020 für nicht erforderlich.

Mehrere Windräder finden sich jetzt schon rund um Bärnau. Weitere Planungen für den Bereich am Grenzkamm stoßen auf massiven Widerstand, auch aus Tschechien.

Ministerium eingeschaltet

Über das Ministerstvo životního prostředí (Umweltministerium) aus Prag bekam die Bürgermeisterin von Obora, Dana Lesak-Müller, ein Schreiben zu diesem Vorhaben. Die Behörde hat darin "um Mitteilung bis spätestens 30.11.2020" gebeten, ob eine Teilnahme an dem Verfahren gewünscht wird. Geprüft werden soll auch, ob "Belange des Nachbarstaates in der Form berührt sein könnten, dass eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich wird."

Naturschutzgebiet in Tschechien

"Diese Windkraftanlagen sind fast an der Grenze und am ganzen Böttgerweg und dem gut benutzen Weg der Goldenen Straße zu sehen", beschriebt Lesak-Müller. Auf tschechischer Seite finde sich dort zu 100 Prozent Naturschutzgebiet. Die Bürgermeisterin stellte heraus, dass sie keine prinzipielle Windradgegnerin sei, doch es gäbe wie bei allen diesen Projekten Alternativen. Vor allem geschockt und empört sei sie über die Verletzung des Naturschutzgebietes der betroffen Region. In Prag wird Lesak-Müller Widerspruch einlegen und hofft natürlich auf Unterstützung von der deutschen Seite her.

Standort tangieren Historie

Die Mitglieder der AG Paulusbrunn unter Leitung von Rainer Christoph, sowie der Vorsitzende des Vereins "Via Carolina – Goldene Straße", Alfred Wolf, wenden sich ebenfalls gegen das Vorhaben. Ebenso der OWV Bärnau mit Ingrid Leser an der Spitze. Beidseitig der Grenze werde seit drei Jahren ein Historischer Pfad entlang der über rund 120 Jahre alten Böttgerstraße errichtet, weiß Rainer Christoph. "Die Standorte der Windräder tangieren optisch und lärmmäßig genau dieses Historische Dokument." Die komplette Fertigstellung hätte sich wegen der Corona-Beschränkungen verzögert, die Einweihung werde im nächsten Frühjahr erfolgen. Schon nach der Einweihung der neu restaurierten Böttgersäule vor zwei Jahren wurden laut Christoph die ersten Infotafeln zu der ehemaligen Kulturregion Paulusbrunn und der Goldenen Straße im Mittelpunkt Europas erstellt.

Im Juli 2020 hatte die Stadt Bärnau die Planung von Vorrangflächen für die Windkraft gestoppt

Bärnau

"Die ersten qualifizierten Führungen waren bereits ein großer Erfolg." Eingebunden in den historischen Weg mit rund 18 Kilometern Länge seien der denkmalgeschützte Grenzlandturm, eine gleichfalls geschützte Kapelle und der "Brunnen des Paulus". Er sei zugleich Teil des Grünen Bandes. Dieser Pfad sei einmalig an der deutsch-tschechischen Grenze zwischen Passau und Hof. "Eingebunden ist auch der Weg mit Führungen auf der Goldenen Straße zum alten Forsthaus von Thiergarten (Obora)", so Christoph. Dort stehe ein Steindenkmal der Prinzessin Eliska, der späteren Mutter Karl des IV. Dieser Weg, partiell eine Allee mit sehr imposanten Bäumen, verläuft in etwa drei Kilometern östlich der Böttgerstraße und war eine der wichtigen Trassen der Zlata Cesta (Goldenen Straße).

Dominate Windgiganten

"Die vier "Wind-Giganten" werden nicht nur auf jedem Punkt des Böttgerweges dominant zu sehen und zu hören sein, sondern aufgrund der Topographie auch auf dem ganzen Terrain nach Osten, bis hin nach Střibro", kritisieren die Gegner . Die Bürgermeisterin, selbst eine Architektin, warnt vor Schäden für Natur und Lebewesen durch Windkrafträder. Diese zentrale Positionierung inmitten einer gewachsenen Kulturlandschaft in der Mitte Europas lasse von den Antragstellern und den Genehmigungsbehörden jegliches Gespür vermissen. "Vielleicht wussten sie das auch nicht bei ihren Planungen", so lenkt sie ein. In 70 Jahren hat sich die Natur auch wegen der besonderen Lage am Eisernen Vorhang wieder sehr ursprünglich entwickelt. Die Cesky Les (Behörde des Naturschutzgebietes) hätte sich um die Unberührtheit vorbildlich gekümmert. Auch diese Behörde will die Bürgermeisterin mit ins Boot holen.

Die Karte von 1830 zeigt die Kulturlandschaft die bis über die Grenze Bärnaus hinausging.
Hintergrund:

Vier Enercon-Anlagen

Am Grenzkamm laufen an zwei Standorten Planungen für vier Windräder. Vorgesehen sind Enercon-Anlagen mit Nabenhöhen zwischen 77 und 110 Meter und Rotoren mit 82 bis 138 Meter Durchmesser. Damit würde die Anlage Gesamthöhen zwischen 118 und rund 180 Meter erreichen. Nahe "Stöberlhof" sind zwei Anlagen mit 118 und 130 Meter Gesamthöhe geplant, im Gebiet "Hinterer Steinberg" mit 148 und 180 Meter Gesamthöhe.

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