25.09.2019 - 13:52 Uhr
BärnauOberpfalz

Wissenschaftler sind begeistert: Neuen Vulkan bei Bärnau entdeckt?

Befindet sich der jüngste Vulkan Bayerns in Bärnau? Ausgeschlossen ist dies nicht. Beantworten lässt sich diese Frage allerdings erst nach Probebohrungen im nächsten Jahr.

Erkundungen des neuen Vulkans bei Bärnau.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil
Feldcomputer mit den ausgewerteten Messdaten. Die unterschiedliche Verteilung der elektrischen Widerstände (Resistivity) bis in zirka 50 Meter unter der Erdoberfläche ermöglicht eine Abschätzung der Ausdehnung einer vermuteten Maar-Struktur.

Seit vier Jahren forscht das Landesamt für Umwelt nach vulkanischen Spuren im Grenzgebiet zu Tschechien. Dabei gab es bereits einige Entdeckungen, die Wissenschaftler als sensationell bezeichnen. Eine wichtige Erkenntnis lautet: Es gibt in der Region viel jüngere Vulkane als die bekannten Basaltkegel Rauher Kulm und Parkstein, die vor 15 bis 20 Millionen Jahren entstanden sind. Einen neuen "jungen Vulkan" haben die Wissenschaftler nun vermutlich südlich des Geschichtsparks Bärnau entdeckt. In den vergangenen Tagen wurde die Verdachtsfläche geo-elektrisch vermessen. Die Ergebnisse lassen die Wissenschaftler in nächster Zeit auf neue Erkenntnisse über den Vulkanismus in der Region und die Klimaveränderungen hoffen.

Kreisrunde Senke

Die Verdachtsfläche liegt in einer kreisrunden Senke beim Moorweiher. "Wir sind sehr optimistisch, dass wir dort einen neuen kleinen Vulkan entdeckt haben", sagt Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes des Landesamts für Umwelt in Hof. Die Fläche hat einen Durchmesser von rund 1000 Meter und war ursprünglich etwa 200 Meter tief. "Das könnte durchaus der jüngste Vulkan Bayerns sein", wagt Eichhorn eine Prognose. Endgültige Aussagen dazu ließen sich aber erst nach der Auswertung von Bohrkernen machen, so der Experte.

Handle es sich bei der Senke wirklich um ein Vulkanmaar, dürfte es vor etwa 250 000 bis 300 000 Jahren entstanden sei. Der entdeckte Krater liegt diesmal nicht im Wald versteckt, sondern in Stadtnähe und ist gut erreichbar. Das würde der Region gegebenenfalls die Möglichkeit eröffnen, den "vielleicht jüngsten Vulkan Bayerns" später auch touristisch zu nutzen und zu präsentieren.

Anhand von Luftaufnahmen haben die Wissenschaftler im Grenzgebiet zu Tschechien rund ein Dutzend Verdachtsflächen ausgemacht, bei denen es sich um Maare handeln könnte. Bei näheren Erkundungen sind die Forscher vor einigen Jahren auch auf das Maar bei Neualbenreuth gestoßen, das seitdem als jüngster Vulkanausbruch Bayerns gilt. Diesen Superlativ könnte die Stadt Bärnau nun dem nahe gelegenen Marktflecken streitig machen. "Es ist anzunehmen, dass die Maare hier im deutsch-tschechischen Grenzgebiet ebenso wie in der Eifel alle etwa zur selben Zeit entstanden sind", macht Eichhorn keinen Hehl daraus, dass es im Falle von positiven Ergebnissen schwierig sein werde, die Frage, welches Maar jünger sein könnte, endgültig zu beantworten.

Die Entstehung von Maaren vergleicht Eichhorn gerne mit einer Sektflasche, bei der nach dem Schütteln der Stöpsel rausfliegt. Wenn heiße Lava nach oben dringe und unter der Erde auf kaltes Grundwasser treffe, dann gebe es eine ähnliche Reaktion wie bei der Sektflasche, weil Grundwasser plötzlich verdampfe. So eine Explosion sei mit Sicherheit weithin sichtbar gewesen. Und 250 000 Jahre seien erdgeschichtlich ein Wimpernschlag. "Da gab es die Neandertaler schon. Menschen, die sicher schrecklich erschrocken sind, als das Ding explodierte."

Hoffen auf Zeitreise

Wind und Wetter haben die Maare in der Region im Laufe der Jahrtausende aufgefüllt. Und das macht diese Flächen für die Wissenschaft so spannend. Bestätigen sich die Vermutungen, dann ist der Trichter nämlich ein weiteres großes Klimaarchiv. "Er würde uns eine regelrechte Zeitreise ermöglichen", erläutert Eichhorn. Dort seien Pollen, Sporen und viele andere Dingen aus Hundertausenden von Jahren eingelagert. Man könne damit die Veränderungen der Landschaft sehr genau rekonstruieren.

Für heuer sind die Untersuchungen in Bärnau abgeschlossen. Im nächsten Jahr will man versuchen, bei Bohrungen die Schätze zu heben. Die Auswertung der Bohrkerne soll zeigen, wie sich die Region in den 200 000, 300 000 Jahren verändert hat.

Johannes Großmann vom Landesamt für Umwelt und Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes Bayern, erkunden im Bereich des Moorweihers mit dem Geo-Elektrik-Messgerät die Umgebung der Senke

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