08.07.2019 - 13:51 Uhr
BärnauOberpfalz

Zuschauen, wie die Slawen schlafen

Zwei Tage lang konnten Besucher bei den "Slawentagen" im Geschichtspark Bärnau-Tachov von den "Urahnen" lernen. Als besondere Gäste waren erstmals auch Berliner Mittelalter-Darsteller aus dem Museumsdorf Düppel anwesend.

von Ulla Britta BaumerProfil

Hoch her ging es am Wochenende im Geschichtspark Bärnau-Tachov. Zu den bereits traditionellen "Slawentagen" erwarteten die Organisatoren heuer viele neue Gäste: Erstmals waren Mittelalterdarsteller und Kollegen aus dem Museumsdorf Düppel bei Berlin und dem Ukranenland gekommen. Die neuen Gäste gehören wie Bärnau zum Dachverband der slawischen Museen in Deutschland. Geschichtspark-Archäologe Stefan Wolters hatte sie eingeladen, einmal zu den "Slawentagen" nach Bayern zu kommen - und die Berliner kamen mit einer Abordnung von elf Personen. Da die Bärnauer Slawenhütten bereits belegt waren, nächtigten die Hauptstadt-Gäste in einem mittelalterlichen Zeltdorf gegenüber der Motte (Wehrturm).

Über 60 Darsteller

Das Museumsdorf Düppel, erklärte Torben Smeiduch, Archäologe der Museumsdörfer Düppel und Starylud bei Cottbus, sei anders als Bärnau auf tatsächlichen Funden so authentisch als möglich wieder aufgebaut worden. Dies sei eine tolle Sache, jedoch sei man in Düppel an die Vorgaben der slawischen Urväter gebunden. Smeiduch beneidete die Bärnauer um die unterschiedlichen Slawensiedlungen, die im Baustil der jeweiligen Zeitepoche entsprechen. Umso mehr freuten sich die Berliner, die am Donnerstag angereist waren, in den vier Tagen im Stiftland vieles über die Slawen in der Oberpfalz erfahren zu können.

Die Besucher, die sich am Wochenende für die Slawentage interessierten, konnten dank der Gäste diesmal über 60 Darsteller im Mittelalter erleben. Unter den Besuchern waren viele Familien, die sich bei bestem Wetter ausgiebig mit "Kind und Kegel" im Park umschauten. Viel Spaß hatten die Kinder beim Blick in die Hütten. Schließlich können sie nicht jeden Tag erleben, wie die Slawen schlafen. In nahezu jeder Hütte durfte den Darstellern bei der Ausübung eines alten Handwerks oder einer überlieferten Handarbeit über die Schultern geschaut werden. Gezeigt wurde mittelalterliches Bronzegießen, das Schmieden und es wurde an der Steinburg, einer Reisestation von Kaiser Karls IV., gearbeitet. Spannend waren die Live-Demonstrationen der "Slawinnen", die in unterschiedlichen Techniken Stoffe und Kleidung webten, nähten oder Wolle verwerteten. Wer wollte, konnte sich selbst einen mittelalterlichen Holzlöffel schnitzen oder beobachten, wie junge Archäologie-Studenten neue Flechtwände fürs Dorf erstellten.

Kalkofen in Betrieb

Außerdem war diesmal auch der Kalkofen im Betrieb. Der Kalk wird für den Mörtel der Steinmauern benötigt, da die Kaiserburg natürlich ausschließlich nach mittelalterlichen Vorbild gebaut wird. Damit die Besucher beim Ausräumen des Ofens in den späten Abendstunden dabei sein konnten, blieb der Geschichtspark am Samstag sogar bis 22 Uhr offen. Ein magisches Schauspiel.

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