09.05.2019 - 08:21 Uhr
BayernOberpfalz

Ein alter Bekannter - der Eichenprozessionsspinner

Was tun, wenn es plötzlich juckt und brennt und man vorher draußen war? Wir haben Tipps und Informationen zum Eichenprozessionsspinner gesammelt.

Immer öfter müssen öffentliche Grünanlagen, Parkplätze und Waldgebiete gesperrt werden, weil sich die Raupen des kleinen Nachtfalters dort breit gemacht haben.
von PMLProfil

Neu ist der Eichenprozessionsspinner in Bayern nicht. Schon vor 250 Jahren wurden die kleinen Raupen mit den gemeinen Brennhaaren beschrieben. Damals fand man sie hauptsächlich noch in wärmeren Regionen in Franken. Inzwischen sind auch in der Oberpfalz immer mehr Gebiete von den Raupen des Nachtfalters befallen.

Hier sind Tipps und Infos zum Nachtfalter mit hohem Gefahrenpotential

Eigentlich sehen die Raupen des Eichenprozessionsspinners ganz nett aus, aber ihre Brennhaare haben es in sich.

Was ist der Eichenprozessionsspinner?

Der Eichenprozessionsspinner ist eine einheimische, nachtaktive Schmetterlingsart. Er entwickelt sich wie alle Schmetterlingsarten aus einem abgelegten Ei zu einer Larve oder Raupe, aus der dann nach dem Verpuppen der Schmetterling wird. Die Raupen sind etwa drei bis vier Zentimeter lang. Sie sind zuerst gelblich-braun, später dann bläulich-schwarz gefärbt. Ab dem dritten von sechs Larvenstadien entwickeln sie die typischen, reizenden Brennhaare. Die Schmetterlinge sind eher unauffällig grau-braun und haben lediglich eine Flügelspannweite von zwei bis drei Zentimetern.

Man findet die Nachtfalter-Raupen vor allem an Eichen. Bei Nahrungsknappheit können aber auch Birken, Buchen, Hainbuchen oder Robinien befallen sein. An den Bäumen wandern sie in den Abendstunden in größeren Gruppen – den Prozessionen – von ihren Nestern, den Gespinsten, zu ihren Futterplätzen. Gibt es genügend Raupen, können sie die betroffenen Bäume komplett kahl fressen.

Woher kommt der Eichenprozessionsspinner?

Der Schmetterling ist schon lange in Deutschland heimisch. Schon in über 250 Jahre alten Berichten wird er und seine Auswirkung auf die Menschen beschrieben. Eine genaue Herkunft kann nicht mehr festgestellt werden, daher wird in der Wissenschaft "Europa" als Ursprung angegeben. Er bevorzugt dabei wärmere und trockenere Gebiete. Dementsprechend kam er in Bayern zuerst in den milderen Gegenden in Unter- und Mittelfranken vor.

Die Zahl der Tiere schwankt über die Jahre sehr stark – Ende der 1980 Jahre stand der Eichenprozessionsspinner sogar als "stark gefährdet" auf der Roten Liste. Seit den 1990 Jahren breitet er sich wieder aus. Auch Regionen in denen er vorher nicht zu finden war erobert er sich inzwischen. Über die Ursachen dafür sind sich die Wissenschaftler noch nicht im klaren. Zu einen werden schon immer Phasen mit starker Vermehrung und Phasen mit wenigen Tieren verzeichnet. Zum anderen scheint sich die Klimaerwärmung auch Vorteilhaft für die Falter auszuwirken. Besonders von warmen und trockenen Frühlingsmonaten scheint er zu profitieren. Späte Fröste und nasses Wetter stören die Raupen dagegen in ihrer Entwicklung.

Dieses Absperrband sollte man auf jeden Fall ernst nehmen.

Warum ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich?

Das Gefährliche am Eichenprozessionsspinner sind die Brennhaare, welche die Raupen entwickeln. Diese sind innen hohl und enthalten das Eiweißgift Thaumetopoein. Durch feine Widerhaken bohren und ziehen sich die winzigen, nur weniger als einen Viertel Millimeter langen Härchen in die Haut. Dort brechen sie und können das Gift in ihrem inneren freisetzen.

Sowohl durch den Kontakt mit den feinen Härchen, als auch durch das freigesetzte Gift kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Die Haut fängt zu jucken und brennen an (Raupendermatitis), es bilden sich rote Flecken, Schwellungen und Quaddeln. Auch die Augen können gereizt werden. Werden die Brennhaare eingeatmet, kann das zu Bronchitis, schmerzhaftem Husten und Asthma führen. Zusätzlich sind Symptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung möglich. Im schlimmsten Fall Atemnot und Schockreaktionen. Wie stark ein Mensch reagiert ist unterschiedlich, wobei festgestellt wurde, dass die Empfindlichkeit und die Reaktionsstärke zunimmt, je öfter man Kontakt zu den Brennhaaren hat.

Da die Raupe die Brennhaare bei der Verpuppung mit abwirft, ist nicht nur der direkte Kontakt mit der Raupe problematisch. Die Brennhaare bleiben in den Gespinsten und können dort über mehrere Jahre überstehen. Auch durch den Wind können sie verweht werden – es wurden schon allergische Reaktionen bei Menschen festgestellt, die sich über 500 Meter von einem befallenen Baum entfernt aufhielten.

Wie kann man sich schützen?

Der wichtigste Schutz ist es, sich von befallenen Bäumen fern zu halten. Daher werden betroffene Bereiche auch von den Behörden abgesperrt. Entsprechende Schilder und Warntafeln sollte man auf jeden Fall beachten. Da die Härchen sehr leicht und fein sind sollte jeder, der sich in der Umgebung solcher Bereiche aufhält, auch auf die Windrichtung achten. Wer zufällig die Raupen oder ihre Nester findet, darf diese auf keinen Fall berühren. Man sollte auch drauf achten, dass die Brennhaare nicht mit der Kleidung, mit Schuhen oder etwa dem Kinderwagen mit in die Wohnung gelangen. Wer die Tiere im eigenen Garten entdeckt sollte die Bäume nicht fällen oder zurückschneiden solange die Nester vorhanden sind. Für die Bekämpfung sind immer Fachleute mit richtiger Schutzausrüstung die besten Ansprechpartner.

Was tun, wenn man mit den Brennhaaren in Kontakt gekommen ist?

Wer bemerkt, dass er mit den Brennhaaren in Kontakt hatte, sollte so schnell wie möglich die Kleidung wechseln, duschen und die Haare waschen. Die Augen ebenfalls mit Wasser ausspülen. Kaltes Wasser lindert den Juckreiz besser als warmes. Auf jeden Fall sollte man zum Arzt gehen – bei starken allergischen Reaktionen und Atemnot sofort den Rettungsdienst rufen.

Cremes und Gels, die man auch bei juckenden Insektenstichen verwendet, können auch hier für Linderung sorgen. Kratzen treibt dagegen die Brennhaare nur noch tiefer in die Haut. Kontaminierte Kleidung muss bei mindestens 60° Celsius gewaschen werden.

Wenn ein Befall rechtzeitig entdeckt wird, kann man den Eichenprozessionsspinnern mit bestimmten Bioziden zu Leibe rücken.

Wie wird der Eichenprozessionsspinner bekämpft?

Überall dort, wo die Brennhaare eine Gefahr für Menschen darstellen, muss er bekämpft werden. Dabei ist bei einem Privatgrundstück der Eigentümer zuständig, bei öffentlichem Grund die Gemeinde. Um die Bekämpfung müssen sich Fachleute kümmern. Sie kennen die richtigen Methoden und haben die nötige Schutzausrüstung.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Ansätze, den Spinner und seine Hinterlassenschaften loszuwerden. Tiere, die sich noch in den ersten beiden Larvenstadien befinden, also noch keine Brennhaare besitzen, können durch sogenannte Biozide abgetötet werden. Wobei der Einsatz der Mittel sorgfältig abgewägt werden muss und auch nur bei bestimmten Bedingungen möglich ist – jedes Mittel tötet nicht nur den Schädling, sondern auch andere Insekten. Derzeit sind zwei Biozide zum Einsatz gegen den Eichenprozessionsspinner im Gesundheitsschutz zugelassen: NeemProtect und Foray ES. Beides sind Fressgifte, welche die Raupen aufnehmen, wenn sie die Eichenblätter vertilgen. Sie helfen nur, wenn sie rechtzeitig eingesetzt werden, da die Brennhaare auch bei den toten Tieren noch für die Menschen gefährlich werden können.

Alternativ werden die Puppen und Gespinste abgesaugt. Das ist natürlich deutlich aufwändiger, als der Einsatz von Giftstoffen, aber oft die einzige Möglichkeit ein betroffenes Gebiet wieder für die Menschen sicher zu machen.

Gut geschützt ist ein Arbeiter damit beschäftigt, die Nester der Schmetterlingsraupen mit einem Spezialsauger einzusagen.
Info:

Verwechslung möglich - Gespinstmotten

Der Eichenprozessionsspinner ist nicht der einzige Schmetterling dessen Raupen Gespinstnester an Bäumen bauen. Auch Gespinstmotten, besonders die Traubenkirschen-Gespinstmotte, legen ähnliche Nester an. Anders als der Eichenprozessionsspinner sind sie jedoch für den Menschen vollkommen harmlos. Am leichtesten sieht man den Unterschied, wenn Gespinstmotten in großen Mengen auftreten. Dann umhüllen sie die ganze Pflanze mit ihrem hellen Schleier während die Eichenprozessionsspinner lediglich einzelne Nester im Baum bauen.

Auch der Unterschied zwischen den Raupen ist sehr eindeutig: Der Eichenprozessionsspinner ist dunkel mit langen Haaren. Die Gespinstmotten-Raupen sind gelblich-weiß mit schwarzen Punkten und haben keine Haare.

Die ungefährliche Alternative: die Raupen der Gespinstmotte.

Ein Infoblatt mit kurz zusammengefassten Tipps

Eichenprozessionsspinner - Antworten auf häufig gestellte Fragen

Was ist der Eichenprozessionsspinner- Informationen des Umweltbundesamts

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners - Informationen des Umweltbundesamts

Der Eichenprozessionsspinner - Hintergrundinformationen vom NABU

Eichenprozessionsspinner - Gefahr für Wald und Mensch - Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

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