16.08.2018 - 11:14 Uhr
Oberpfalz

Beau mit Schluckauf

Man sagt, er sei der schönste Audi überhaupt, dieser A 7. Eigentlich ist er ein gestreckter A 6, der die Technik des neuen A 8 bereits an Bord hat. Dann kann ja nichts schief gehen.

Auf annähernd fünf Meter streckt sich das große Audi-Coupé, das auch geschickte Designanleihen beim Audi 100 Coupé der 1970er Jahre nimmt. Der Testwagen trägt die schöne aber teure Individuallackierung Avalongrün Metallic von Audi Exclusive.
von Michael Ascherl Kontakt Profil

Leider doch, denn der von uns getestete A 7 leistet sich eine Anfahrtsschwäche. Obwohl die Leistungsdaten auf dem Papier ausreichend Kraft versprechen - 286 PS aus sechs Zylindern, ein Drehmoment von satten 620 Newtonmetern und einen Null-Hundert-Sprint in weniger als sechs Sekunden -, gönnt sich dieses Luxuscoupé eine Gedenksekunde im unteren Drehzahlbereich. Schwer zu sagen, ob die 8-Gang-Tipptronic oder das Turboloch oder beide dafür verantwortlich sind: homogene Kraftenfaltung (wie sie gerade so einem Wagen gut zu Gesicht stünde), geht anders.

Freilich, sobald dieser kleine Beschleunigungs-Schluckauf einmal überwunden ist, legt der Ingolstädter mit Vehemenz los und erweist sich als echter Sportler. Der Allradantrieb Quattro, die Luftfederung (1990 €) und die Allradlenkung (1900 €) weisen den in der Spezialfarbe Avalongrün (2900 €) lackierten Testwagen als Kurvenräuber aus. Allerdings merkst du immer, dass du einen Zweitonner bewegst, der fast fünf Meter lang und 1,90 Meter breit ist.

Künstliche Intelligenz

Innen zeigt uns der A 7 die Zukunft: Drei brillante Monitore - einer als Instrumentenbasis hinter dem Lenkrad, zwei übereinander in der Cockpit-Mitte - kommen in Glasoptik daher und bestätigen jeden Druck mit "haptischem Feedback". Eine Gaudi ist es auch, auszutesten, wo die künstliche Intelligenz im A 7 steckt, und wie intelligent sie schon ist. Ein per Sprachsteuerung ausgerufenes "Mir ist warm" genügt, und schon regelt die Assistenz die Temperatur herunter. Auch un-technische Sätze wie "Bring mich zu Hans Meier", versteht der Wagen und setzt sie in Navigationsbefehle um. Er soll auch Dialekt verstehen, braucht aber noch Nachhilfe in Oberpfälzischen Idiomen. Aber das ist schließlich die Königsklasse.

Die neueste Technik aus dem A 8 zeigt, wie weit das automatisierte Fahren schon ist. Assistenten überwachen Quer- und Gegenverkehr und greifen notfalls selbstständig ein, etwa dann, wenn der Steuermann bei Gegenverkehr links abbiegen möchte. Das Abstandsradar folgt dem Vorausfahrenden nicht nur bis zur Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h mit Sicherheitsdistanz, sondern erkennt anhand der Navi-Daten auch Kurven und Steigungen und passt das Tempo entsprechend an; der Audi weiß, wann er in den verbrauchsarmen Segelmodus umschalten kann oder prophylaktisch schon mal die Krallen schärfen muss.

Geräusche? Dank bester Dämmung und Akustikverglasung nur minimal. Jetzt ist Gelegenheit, das sündteure Bang & Olufsen Advanced Sound System mit 3-D-Klang (6070 €) zu testen. Hier überwinden die Techniker die Gesetze der Akustik, erzeugen Klangvolumen wie im Konzertsaal; sie setzen dafür die Fraunhofer-Technologie Symphoria 2.0 3D ein. An 19 Lautsprecher schicken Verstärker und Subwoofer bis zu 1820 Watt Musikleistung. Grandios.

Sparsam und sehr teuer

Beim Verbrauch hält sich der A 7 vornehm zurück, begnügt sich während unseres Tests mit weniger als acht Litern - ein weiteres Statement für die Zukunftsfähigkeit des Selbstzünders. Über die Aufpreispolitik der Edel-Bayern kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln: Der Testwagen kostet fast doppelt so viel wie die Basis.

Technische Daten Testwagen Audi A7

Bildergalerie vom Testwagen

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp