27.03.2020 - 03:08 Uhr
PirkmühleOberpfalz

Beschäftigte und Produktion schützen

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Mitarbeiterinnen und auch die Frauen von Kollegen nähen Atemmasken. An der Pforte wird jedem Beschäftigten die Temperatur gemessen. Dafür erhält die Constantia in Pirkmühle Lob von ungewöhnlicher Seite. Dennoch gibt es einen Coronafall.

Wer diesem Schild folgt, kommt zunächst zum Fiebermessen und erst dann an seinen Arbeitsplatz. Selbst die IG Metall lobt die Maßnahmen bei dem Verpackungshersteller, um die Sicherheit des Personals und der Produktion zu gewährleisten.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

„Der Betriebsrat und die Geschäftsführung tun aus unserer Sicht alles, um die Vorschriften einzuhalten und damit die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Natürlich wissen wir, dass es 100-prozentige Sicherheit nicht gibt.“ Das sagt Horst Ott von der IG Metall zu den Maßnahmen, die die Constantia getroffen hat, um sowohl die Mitarbeiter zu schützen, als auch die Produktionssicherheit zu gewährleisten.

„Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und arbeiten eng mit den lokalen Gesundheitsbehörden zusammen“, bestätigte der Vorsitzende der Geschäftsführung Axel Glade die Maßnahmen nicht erst seit ein Constantia-Mitarbeiter positiv auf das neue Virus getestet wurde. Die wenigen Mitarbeiter, die mit ihm in Kontakt standen, seien nach Hause geschickt worden und arbeiten von dort aus weiter. „Die Mitarbeiter sind unser größtes Kapital“, verweist er darauf, dass deren Schutz auch ohne Krise in Pirkmühle oberste Prämisse habe.

Als Zulieferer für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie ist der Betrieb systemrelevant. Um diese besondere Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft zu bewahren, stehe die Sicherstellung der Produktion ebenso ganz oben, betonte Glade ebenso wie stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Josef Bock. Dafür stehen nicht nur Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in Schutzkleidung an der Pforte und messen bei allen Beschäftigten die Temperatur, sondern dafür engagieren sich auch die Mitarbeiter selbst.

Mitarbeiter engagieren sich für Mitarbeiter bei Constantia. Mit Unterstützung der BRK-Bereitschaft Rothenstadt nähen sie aus Baumwollstoffen Gesichtsmasken, um auch im privaten Bereich der Gefahr der Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus vorzubeugen.

In Kooperation mit der BRK-Bereitschaft Rothenstadt gab es eine Ausnahmegenehmigung, Baumwolle zu kaufen. Daraus nähten Mitarbeiterinnen und Partnerinnen von Constantia Angestellten zu Hause dreilagige Schutzmasken. „Sie bedeuten, dass ich meine Tröpfchen bei mir behalte, und mir nicht an die Schleimhäute lange“, ist Bock klar, dass sie nicht den Schutz von professionellen Masken bieten. Bock: „Mit diesen Masken wollen wir erreichen, dass die Kollegen auch im privaten Bereich außerhalb der Firma die Gefahr der Tröpfcheninfektion verringern.“

Zugesperrt ist wegen der Ansteckungsgefahr die Kantine. Dafür bekommen gewerbliche Mitarbeiter, die nicht zu Hause arbeiten können, kostenloses Essen aus dem Automaten. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bescheinigt Führungs- und Sicherheitskräften sowie der Geschäftsführung ein im positiven Sinn „unheimliches Engagement“. Täglich gebe es Telefonkonferenzen des Krisenstabs „Auch einzelne Ängste aus der Mannschaft finden Gehör.“

Die IG Metall geht davon aus, dass es bei Constantia im Gegensatz zu aktuell 23 Betrieben in der Metall- und Eletroindustrie der Region keine Regelung zur Kurzarbeit geben werde. „Der Bedarf an den Verpackungsprodukten für Pharmazie und Lebensmittel ist eher noch gestiegen“, bescheinigt Ott. „Auch wir haben ein starkes Interesse daran, dass die Produktion aufrecht erhalten bleibt, da die Produkte, die dort hergestellt werden, in der aktuellen Zeit eine noch größere Bedeutung haben als sonst.“ Der IG Metall sei es an intakten Industrien gelegen. Ein Zeichen dafür nannte er den Tarifabschluss von dieser Woche.

Bei der Constantia in Pirk stehen die Schilder auf Vorfahrt für die Gesundheit der Beschäftigten und die Sicherstellung der Produktion. Kurzarbeit ist bei dem Verpackungshersteller in Pirkmühle bei Weiden auch in der Pandemiekrise kein Thema.
Kurzarbeit:

In 23 von 47 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie mit Betriebsrat in der mittleren und nördlichen Oberpfalz, mit denen die IG Metall aktuell direkt in Kontakt steht, wurden bereits Lösungen für Kurzarbeit gefunden. In weiteren 15 Betrieben, sind die Betriebsräte in Verhandlung mit der Geschäftsleitung. "Wichtig ist uns als Arbeitnehmervertreter, dass die Arbeitgeber einen Teil der Unterstützung, die sie vom Staat erhalten, an ihre Beschäftigten weitergeben", fordert der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, Horst Ott. "So haben wir gemeinsam mit den Betriebsräten in den von uns betreuten Betrieben zum Teil Aufzahlungen auf zwischen 70 und 85 Prozent des Nettoentgelts erreicht, in Ausnahmefällen sogar bis zu 90 Prozent." Leider gebe es immer noch Arbeitgeber, die keine Aufzahlungen leisten wollen und damit den Eindruck erwecken, auf Kosten ihrer Beschäftigten an der Krise verdienen zu wollen, so Ott.

Kurzarbeit könne eine Maßnahme sein, um in der aktuellen Pandemiekrise Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern, wenn sich Krankheitsfälle im Betrieb häufen oder die Produktion aufgrund von Auftragsrückgang oder fehlendem Material zum Erliegen kommt.

Es gibt aber auch Betriebe, in denen bisher noch gar nicht über Kurzarbeit verhandelt wird. Das hat verschiedene Gründe. So gelten Firmen wie Siemens Healthcare oder die Constantia die Medizintechnik oder Verpackungen für Medikamente und Lebensmittel herstellen als systemrelevant und sollten daher ihre Produktion aufrechterhalten, teilt die IG Metall weiter mit. Wieder andere Betriebe haben keine oder kaum Produktion am Standort, sodass ihre Mitarbeiter mobil von zu Hause aus weiterarbeiten können. "Und dann gibt es da noch die Arbeitgeber, die immer noch glauben, das hätte alles nichts mit ihnen zu tun und die deshalb nicht bereit sind, vorbeugend Verhandlungen zu führen", kritisiert Ott. "Längerfristig betrachtet, sichert die Kurzarbeit Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, da sie durch den Verzicht auf Kündigungen nach der Krise sofort wieder durchstarten können." (ui)

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