21.06.2018 - 17:35 Uhr

Ein bescheidener „Mann für alles“

Willi Hagn ist seit fast 40 Jahren ehrenamtlich bei der SpVgg SV Weiden tätig. Der „stille Helfer im Hintergrund“ ist nun Ehrenmitglied.

Der designierte SpVgg-SV-Vorsitzende Michael Kurz (links) überreichte Willi Hagn eine Torte und die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft. exb/SpVgg SV
Der designierte SpVgg-SV-Vorsitzende Michael Kurz (links) überreichte Willi Hagn eine Torte und die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft.

Der erste Stock im Funktionsgebäude des Fußball-Landesligisten SpVgg SV Weiden: Links und rechts an den Wänden hängen die Mannschaftsbilder der erfolgreichen Senioren-Mannschaften aus den vergangenen Jahrzehnten. Es ist eine Fotogalerie aus glorreichen Zeiten des Traditionsvereins. Ganz hinten, auf der linken Seite, befindet sich die Wäschekammer – das Reich von Willi Hagn, der dort feinsäuberlich protokolliert die Trainingsanzüge und Trikots an die Spieler ausgibt. „Das ist mein Reich“, sagt Hagn, der seit 1976 als sogenannter „stiller Helfer im Hintergrund“ am Wasserwerk ehrenamtlich tätig ist.

Sich über 40 Jahre bei einem Verein zu engagieren, ist heutzutage kaum mehr denkbar. Wobei Hagn das einschränkt: „Es sind nicht ganz 40 Jahre. Zu Zeiten von Gustl Hegner bin ich mal kurz ausgestiegen.“ Aber schon bald war „der Willi“ als Betreuer mit den damaligen Schüler- und Jugendmannschaften der SpVgg wieder unterwegs und organisierte den Verkauf am Kiosk.

Vor kurzem feierte Willi Hagn im Kreise seiner schwarz-blauen Vereinsfamilie seinen 70. Geburtstag. Vorstandsvorsitzender Kurt Haas und dessen Nachfolger Michael Kurz hatten ein besonderes Geschenk: Sie ernannten Willi Hagn zum Ehrenmitglied. Für den Jubilar war das eine große Ehre und Ansporn zugleich. „Ich möchte schon noch ein paar Jahre bei der SpVgg SV bleiben und als Zeugwart weiterarbeiten“, sagt er.

Ans Wasserwerk ist der Weidener vor 42 Jahren „irgendwie wie die Jungfrau zum Kind“ gekommen. Sein Sohn kickte 1976 mit den F-Schülern. Nachdem „Mus“ Richter als Jugendleiter aufgehört hatte, gab es ad hoc keinen Nachfolger. Der Spieler-Vater sprang spontan ein. „Ich habe das so lange gemacht, bis wir mit Herbert Kaiser einen absolut geeigneten Mann gefunden hatten“, blickt der 70-Jährige zurück.

„Den Absprung von der SpVgg habe ich dann nicht mehr geschafft“, gesteht Hagn mit einem Lachen. Bescheiden ist er, will als „Mann für alles“ um seine Person kein großes Aufsehen machen. Doch genau solche Leute wie Hagn brauchen die Vereine. „Ich will meinen Job einfach nur gut machen und halte den Verantwortlichen den Rücken frei. Ich will da nicht so in der Öffentlichkeit stehen, das ist nichts für mich“, sagt er. Dieser Philosophie folgend war es für Hagn eine Selbstverständlichkeit, in seiner Anfangszeit am Sonntagvormittag die Jugendlichen zu ihren Spielen zu begleiten, ehe er am Nachmittag am Kiosk im alten Wasserwerk-Stadion Bier und Bratwürste verkaufte. Und nicht nur das: „Der Willi“ war und ist ein Organisationstalent. Er stellt Feste, Public Viewing zu Weltmeisterschaften und verschiedene Hallenturniere auf die Beine.

„Es gab viele Highlights“, erinnert sich Hagn. Er nennt die großen Jugend-Pfingstturniere in den 1970er- und 80er-Jahren oder die Frankreichfahrten. Klar, dass der Weidener etliche Anekdoten zum Besten geben kann. Drei sind ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: Die Jugendlichen waren in Delmenhorst bei Bremen unterwegs und wollten abends heimlich zu den Mädels ausrücken.

Sie sperrten daher ihre Zimmer zu und kletterten aus dem Fenster. Problem dabei: Sie vergaßen die Schlüssel, so dass Hagn sie zu späterer Stunde wieder in die Unterkunft lassen musste. Ein anderes Mal saß der SpVgg-Tross bei einer Reise nach Frankreich in einem Biergarten. Einer der Betreuer musste dringend das stille Örtchen aufsuchen. Allerdings vergaß ihn der Rest der Weidener Delegation und fuhr mit dem Bus einfach weiter.

Unvergessen ist Hagn auch die Dolomiten-Fahrt der Jugendlichen. Im Vorfeld wurden diese eindringlich darauf hingewiesen, ihre Personal- und nicht nur die Schülerausweise mitzunehmen. „Als wir an der österreichischen Grenze standen und kontrolliert wurden, hatte einer unserer Spieler – wie sollte es anders sein – dann doch nur den Schülerausweis dabei. Der Herbert Kaiser musste ihm dann einen Tagespersonalausweis besorgen und zehn Mark dafür bezahlen“, erzählt Hagn.

Der ehemalige Jugendleiter hat aber auch zur aktuellen Situation der SpVgg SV, die vor kurzem in die Landesliga abgestiegen ist, seine eigene Meinung. Er selbst war beim Spiel gegen den ASV Vach nur die erste Halbzeit im Stadion, ging dann lieber auf den Geburtstag seines Enkels. „Wir hatten in den ersten zehn Minuten drei hundertprozentige Chancen. Die hätten wir machen müssen. Dann wäre die Partie ganz anders gelaufen“, ist sich der 70-Jährige sicher.

Hagn bedauert den Landesliga-Abstieg, sieht in ihm aber auch eine Chance zum „Neuanfang und zur Bereinigung“: „Die Landesliga wird kein Zuckerschlecken und kein Selbstläufer. Der sofortige Wiederaufstieg wird ganz schön schwer“, prophezeit er. „Wenn man die Mannschaft vernünftig zusammenstellt und Geduld bewahrt, ist einiges möglich.“

Und auch im Verein muss sich das ein oder andere ändern. Denn nur so sei eine erfolgreiche sportliche Zukunft möglich. Dann könne man im Gang im ersten Stock ein weiteres Foto einer Aufstiegsmannschaft aufhängen. (lst)

Lecker, lecker: Zu seinem 70. Geburtstag durfte Willi Hagn eine schwarz-blaue SpVgg-SV-Torte anschneiden. Stephan Landgraf
Lecker, lecker: Zu seinem 70. Geburtstag durfte Willi Hagn eine schwarz-blaue SpVgg-SV-Torte anschneiden.
Zu seinem 70. Geburtstag gratulierten Willi Hagn viele Freunde aus der SpVgg-SV-Familie. exb/SpVgg SV-Presse/R. Nachtigall
Zu seinem 70. Geburtstag gratulierten Willi Hagn viele Freunde aus der SpVgg-SV-Familie.
 
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