04.03.2021 - 10:07 Uhr
Oberpfalz

Das blaue Band des Frühlings

Zu allen Zeiten freuen sich Mensch und Poet über den Lenz. Die ersten Blumen sprießen, die Tage werden länger, die Sonnenstrahlen wärmer. Im Märzen hat in früheren Zeiten der Bauer nicht nur die Rösser angespannt, sondern auch Steine auf dem Feld geklaubt und Maulwurfshügel planiert.

Die ersten Schneeglöckchen spitzen hervor und erfreuen den Spaziergänger.
von Josef SchmaußerProfil

"Ich möchte in keiner Region auf dieser Erde leben, in der es keine Jahreszeiten gibt!" Diese Aussage eines älteren Herrn kann ich nur unterschreiben. Der Wechsel in der Natur beflügelt auch uns alle. Trotzdem wird wohl kaum eine Jahreszeit so herbeigesehnt wie der Frühling. Die Freude über die zunehmende Helligkeit des Tages, die nun schon herrlich wärmenden Sonnenstrahlen, erfüllt uns nach vielen trüben und kalten Tagen mit Freude und Dankbarkeit.

Zu allen Zeiten verherrlichten die Dichter den Lenz, wie der Frühling auch genannt wird. Das bekannteste Frühlingsgedicht ist sicher das des Pastors Eduard Mörike (1804 bis 1875) mit dem ersten Satz "Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte."

Eine im vergangenen Herbst verstorbene Dame aus Hahnbach, Margareta Kummert (12. November 1923 bis 14. November 2020), übermittelte mir vor fünf Jahren bei einem Vortrag auswendig ein wunderbares Frühlingsgedicht, das ich in keinem Verzeichnis fand: "Es gibt doch nichts, was schöner klingt und tiefer dringt ins Herz, als wenn die erste Lerche singt ihr erstes Lied im März."

Viele kleine Anzeichen des Erwachens der Natur werden mit Freude wahrgenommen.

  • Die Spitzen von Winterlingen, Schneeglöckchen und Krokussen werden bestaunt.
  • Die Zugvögel kehren zurück. Wer hat die ersten Stare entdeckt?
  • Die "Palmkätzchen", die Blüten der Salweide, bilden die erste Nahrung für die Bienen.
  • An Wegrändern leuchten die Sterne des Huflattichs.
  • Die ersten Schlüsselblumen sind zu entdecken.

Sind die Höfe und die Wege wieder abgetrocknet, können die Kinder auch wieder draußen spielen.

Noch vor 50 Jahren war die Oberpfalz überwiegend von der Landwirtschaft geprägt. Die Bauern hatten draußen die ersten Arbeiten zu verrichten.

  • Steine klauben: Die Steine wurden wieder recycelt und entweder zum Wegebau oder als Grenzraine verwendet.
  • Wiesen abrechen: Die Maulwurfshügel, welche der "Scherm" oder "Scherer", so wurde der Maulwurf früher in der Oberpfalz genannt, schon bei den ersten kräftigeren Sonnenstrahlen fleißig aufgewühlt hatte, mussten planiert werden.
  • Die Zweige von Schlehen und Weißdorn, welche in die Wiesen und Felder gewachsen waren, mussten zurückgeschnitten werden.
  • Man fuhr in den Wald zum "Schtraahrechen". Zu Beginn des Frühjahres ging bei vielen Bauern die Einstreu zur Neige. Diesen Mangel konnte man in zweierlei Hinsicht begegnen. Zum einen wurde im Wald die Streu zusammen gerecht und als Unterstreu verwendet. Doch mit der Zeit setzte ein Umdenken ein. Man entzog ja damit dem Wald wertvolle Substanz.
  • Eine weitere Möglichkeit, Einstreu für das Vieh zu erhalten, war die Ausbreitung des Schweinemistes auf die Wiesen. Für die Unterstreu bei Schweinen wurde längeres Stroh verwendet. Die Bauern lagerten den Schweinemist extra und brachten ihn im Frühjahr auf die Wiesen aus. Dies brachte zwei Vorteile. Der Frühjahrsregen wusch den Dung aus und war damit eine wertvolle Düngung. Das dann getrocknete Stroh wurde heim gebracht und zum zweiten Mal als Streu verwendet.

Der März ist nach dem Kalender der erste Frühlingsmonat. An warmen Frühlingstagen beginnt für die Bäuerinnen und Hausfrauen die Zeit des großen Hausputzes, da wird gelüftet, geräumt, geklopft und geputzt. Vom Speicher bis zum Keller ziehen Sauberkeit und Frische ein.

Viele bekannte Namenstage, die ja bis vor 50 Jahren mehr gefeiert wurden als Geburtstage, gehören zum Frühjahr. Daran knüpfen sich viele Bauernregeln.

3. März Kunigunde:

"An Kunigung', kummt d'Wärm va unt!"

Kunigunde war die Gemahlin des Kaisers Heinrich II., Gründer des Bistums Bamberg 1007 (aus Teilen von Eichstätt und Würzburg). Das Bistum war Rom unmittelbar unterstellt und erlangte eine besondere Bedeutung bei der Christianisierung der zwischen Main und Regnitz wohnenden Slawen.

Suidger, der zweite Bamberger Bischof, wurde 1046 zum Papst gewählt und nahm bei seiner Inthronisation den Namen Clemens II. an. Er wurde als einziger Papst nördlich der Alpen im Bamberger Dom beigesetzt. 

12. März Gregori-Tag:

Gregor I. der Große (gestorben 604). Nach ihm sind die "Gregorianischen Gesänge" benannt.

17. März St. Gertraud:

Eine beliebte Frühlingsbotin: "St. Gertraud, taut d'Erd auf!"

19. März Josefi-Tag:

Lange ein bäuerlicher Feiertag später ein halber Feiertag, 1968 ganz abgeschafft. Josef ist Patron der Kirche, Nährvater Jesu mit Kind und Lilie.

"Da Michl (29. September) zindt's as Lejchterl an, / da Seppl lescht's wieda as! / Wenn a mal Josefi is, / dann endet der Winter auch bald g'wiss!"

20. März Frühlingsbeginn (auch der 21. März):

Tag- und Nachtgleiche

21. März Benedikt:

Ab St. Benedikt kann mit den Hühnern aufgestanden und zu Bett gegangen werden.

25. März Mariä Verkündigung:

An Mariä Verkündigung kehren die Schwalben wieder um. ​ Schwalben gelten als "Muttergottesvögel".

"Wo Schwalben nisten, schlägt kein Blitz ein!

​ "Nun will der Lenz uns grüßen, von Mittag weht es lau. / Aus allen Ecken sprießen, die Blumen rot und blau (...)" heißt es in dem gleichnamigen Frühlingslied. Sein Text stammt von Karl Ströse. 1886 wurde das Gedicht von Gustav Weber vertont.

Zum Schluss eine Frage, die immer wieder gestellt wird: Warum verschiebt sich der Ostertermin? Dies wurde im 4. Jahrhundert auf dem Konzil von Nicäa festgelegt: Ostern wird immer am ersten Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsbeginn gefeiert. In diesem Jahr ist der erste Vollmond am Sonntag, 28. März, entsprechend ist Ostern am 4. April.

Die Amberger Hochzeit von 1474

Amberg
Wem geht nicht das Herz auf, wenn er die ersten Küchenschellen und Veilchen in der Natur entdeckt?
Unzählige Winterlinge sind in diesem prächtigen Garten zu entdecken.
Hintergrund:

Er ist's

Frühling läßt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte;

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen.

Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist’s!

Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike (1804 bis 1875)

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