25.02.2021 - 00:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Hochzeit: Dem Aufruhr folgt die Heirat

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Mit großer Pracht wird vom 19. bis 23. Februar 1474 die "Amberger Hochzeit" von Philipp und Margarete gefeiert. Das Spektakel kostet einiges. Am Marktplatz werden Häuser abgerissen, um Platz für Turniere zu schaffen.

Der Hochzeitsbrunnen am Amberg Marktplatz erinnert an das größte Spectaculum der Stadt.

Von Dieter Dörner

Der 1448 geborene Kurprinz Philipp verlor bereits im Säuglingsalter seinen Vater und brauchte nun einen Vormund. Dies wurde sein Onkel Friedrich, der Philipp adoptierte. Der Vorgang fand in der Kurpfalz Akzeptanz, doch gingen zumindest die Oberpfälzer mit den Vorstellungen Friedrichs, den Kurhut anzunehmen, nicht konform. Es kam 1454 zum Bürgeraufstand, der von Friedrich niedergeschlagen wurde. Wenn auch die Zeit Wunden heilt, war das Verhältnis der Oberpfälzer zu ihrem Landesherrn in den Folgejahren kein allzu herzliches.

Den Kurfürsten in spe, Philipp sollte ja einmal das Erbe seines kinderlosen Onkels antreten, galt es natürlich auch, ihn standesgemäß - möglichst mit Geld- und Machtzuwachs - zu verheiraten. So fiel die Wahl Friedrichs 1456 - Philipp war acht Jahre alt - auf die Tochter des Grafen von Katzenelnbogen. Ein Mädchen aus sehr vermögendem Haus, doch mit nur bedingtem Machtzuwachs im Falle eines Erbes und vor allem nicht standesgemäß. Letzteres schien, vielleicht des Geldes wegen, Friedrich nicht zu stören. Anders jedoch sein Adoptivsohn, der einer Braut aus fürstlichem Hause den Vorzug gab.

Die beste Partie

So fiel 1468 die Wahl des Pfalzgrafen auf die zwölfjährige Margarete, Tochter Ludwigs des Reichen von Bayern-Landshut, die aber bereits Eberhard dem Bärtigen von Württemberg-Urach versprochen war. Ludwig war an der Verehelichung seiner Tochter mit Philipp interessiert. Friedrich hatte jedoch schon wieder eine aus seiner Sicht bessere Partie ins Auge gefasst: die Tochter des Burgunderherzogs Karl der Kühne.

Doch es blieb bei Margarete. Die beiden Väter verpflichteten sich zu je 32 000 Gulden Morgengabe, die natürlich auf die Untertanen umgelegt wurde. Nach heutiger Kaufkraft wären dies jeweils zwei- bis drei Millionen Euro, wobei eine Umrechnung wegen der damals sehr instabilen politischen Verhältnisse sehr schwierig ist.

Gicht und Übergewicht

Amberg wurde, angeblich wegen der Nähe zu Landshut und damit wegen der Nähe zu dem an Gicht und Übergewicht leidenden Brautvater, als Ort der Eheschließung ausgewählt. Vielleicht spielte jedoch bei Friedrich, nach dem Geschehen 1454, ein Versöhnungsgedanke mit.

Die Hochzeit wurde für die Stadt Amberg zu einer logistischen Herausforderung: Die Stadt mit 3500 Einwohnern musste 3000 Gäste aufnehmen. Im Vorfeld legte die Regierung bereits fest, welcher Adelige aus der Oberpfalz welchen hohen Gast zu betreuen hatte. Je nach gesellschaftlichem Stand wurden die Quartiere verteilt. Am Marktplatz wurden Häuser abgerissen, um Platz für die zu erwartenden Turniere zu schaffen. Unterstand und Futter war für mindestens 2500 Pferde erforderlich.

Fünf Tage (19. bis 23. Februar 1474) waren für die Feierlichkeiten eingeplant. Den Ämtern in der Oberpfalz wurde vorgeschrieben, welche Mengen Nahrungsmittel diese an welchen Tagen anzuliefern hatten, so zum Beispiel das Amt Nabburg am 16. Februar 3000 Hühner, 6000 Eier, 300 Kälber, 100 Spansäue und 100 Hasen. Dazu die Getränke: 88 000 Liter Landwein (sicher Baierwein) und etwa 1500 Liter Wein aus Istrien, Italien und Griechenland. 15 Köche kamen aus Heidelberg, fünf aus der Amberger Statthaltung. Das Geschirr für die Gäste kam ebenfalls aus Heidelberg.

Die Väter fehlen

Zahlreiche Fürsten, Grafen, Ritter, Edelleute und Bischöfe, hübsche Jungfrauen, Gräfinnen und adelige Damen zählten zu den Gästen. Doch zwei, für die ein Erscheinen doch eine Selbstverständlichkeit gewesen sein sollte, fehlten: der Vater der Braut aus gesundheitlichen Gründen, der Adoptivvater des Bräutigams mit einem Vorwand, doch vermutlich, weil er auf die Amberger immer noch nicht gut zu sprechen war.

Zum Verlauf: Am Fastnachtssamstag trafen der Bräutigam und die Gäste ein. Am Sonntag wurde nach der Mittagstafel die Braut eingeholt und das Paar durch den Bischof von Regensburg im Schloss getraut. Nach einem großen Abendmahl mit anschließendem Tanz "führte" man um zehn Uhr abends die Braut zu Bett. Am Montag nahmen die Brautleute die Morgengabe der Städte im Bett liegend entgegen. Es folgte der Kirchgang (ob in der noch unvollendeten Martinskirche oder in St. Georg weiß man nicht), die Einsegnung des Paares durch den Regensburger Bischof, das Mittagsmahl und anschließend das Turnier auf dem Marktplatz. Nach dem Abendmahl war wieder Tanz. Am Dienstag waren nochmals Turnier und Tanz angesetzt sowie am Aschermittwoch Gesellenstechen auf dem Marktplatz.

Hengste in rotem Damast

Dabei sein, sehen und gesehen werden, hatten großen Stellenwert. So zierte das Rathaus ein Baldachin zum Marktplatz hin. Hier saß die Weiblichkeit, um den Angebeteten beim Turnier anzufeuern und ihn im Fall eines Sieges zu belohnen.

Die Kleidung war für sie und ihn von großer Wichtigkeit und hierarchisch abgestuft. So erschien Philipp am ersten Turniertag in rotem Samt auf dem Turnierplatz. Sechs Hengste mit roten Decken aus Damast behangen, schritten ihm voraus, Edelknaben kamen hinzu. Doch beim Gesellenstechen gab es einen Toten: Der Gegner führte eine Lanze, mit deren Länge er gegen die Vorschriften verstieß.

Nach dem Tod von Friedrich I., dem Siegreichen, 1476 trug Philipp der Aufrichtige, der Edelmütige, den Kurhut bis er 1508 starb. Mit seiner Gattin Margarete hatte Philipp 14 Kinder.

Viel Wein, kein Bier

Das Brautpaar, die Geschichte der Hochzeit und unter anderem die Verzehrmengen sind im Stadtmuseum der Stadt Amberg nachvollzogen. Knapp 90 000 Liter Wein bedeuteten für die Gäste und die ebenfalls eingeladenen Bürger bei fünf Festtagen einen Durchschnittskonsum von 2,5 Litern Wein pro Tag, Säuglinge mit eingerechnet.

Man muss dies allerdings relativieren, da der Alkoholgehalt des Weines, verglichen mit heute, ein viel geringerer war. Der Säure wegen wurde der Wein wahrscheinlich auch noch mit Wasser verschnitten. Wie auch bei der Landshuter Hochzeit ein Jahr später, ist kein einziger Liter Bier verzeichnet.

Schnabelschuhe und Nerz

Sehenswert und im Museum nachzuvollziehen: die Kleidung. Der Bräutigam trägt eine geschlitzte Jacke als Zeichen des Wohlstands: Seht, ich kann mir noch ein zweites Kleidungsstück darunter leisten. Die Schnabelschuhe, ein modischer Gag, mit oft dermaßen überlangem "Schnabel", dass dieser am Knie festgebunden werden musste.

Die Braut trug mehrere Unterröcke, den oberen gerafft, damit man den kostbaren darunter sehen konnte, die Schleppe wie auch der Kragen aus Nerz als Zeichen des gesellschaftlichen Ranges.

Dem Aufruhr 1454 und der Hochzeit 1474 ist das Schauspiel "Amberger Blut", letztmals 1953 aufgeführt, gewidmet. (ddö)

Wie kam es zur Aufruhr in Amberg?

Amberg
Die Eltern Philipps (von links), Kurfürst Friedrich I., Philipp und Margarete.
Das Brautpaar Philipp und Margarete ist auch im Stadtmuseum Amberg verewigt. Zu sehen ist die kostbare Kleidung des Paares.
Der Verein „Cantus Ferrum“ feiert seit 2001 alle zwei Jahre das Brunnenfest zum Andenken an die Fürstenhochzeit von 1474.
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