18.02.2021 - 11:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Oberpfälzer trotzen ihrem Landesherrn

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Handwerker zetteln den "Amberger Aufruhr" an. Der Rat der Stadt, wie auch der anderer Städte der Oberpfalz, schlägt sich auf die Seite der Bürger. Kurfürst Friedrich I. zieht am 2. Februar 1454 mit 2000 Mann Fußvolk, 1100 Berittenen und schwerem Geschütz gen Amberg.

Das kurfürstliche Schloss in Amberg im 16. Jahrhundert: Das Zeughaus links der Vils existiert zur Zeit der Aufruhr noch nicht. Als Folge des Geschehens ist der dritte Bogen der Stadtbrille bereits geschlossen und der Fuchssteiner (rechts) als Verteidigungsturm zur Stadt hin errichtet worden. Das Gebäude im Vordergrund, die ursprüngliche Kemenate, wurde im 18. Jahrhundert abgerissen.

Von Dieter Dörner

Als Sohn von Kurfürst Ludwig IV. und Margarethe von Savoyen wurde am 14. Juli 1448 in Heidelberg Kurprinz Philipp geboren. Bereits ein Jahr später verstarb sein Vater. Philipp war nun Halbwaise und brauchte einen Vormund. Es war nahe liegend, seinen Onkel Friedrich auszuwählen, der ihn 1451 adoptierte. Von der Adoption leitete er die Berechtigung ab, nach dem Kurhut zu greifen.

Der Kaiser lehnte dieses Ansinnen ab. Die von Friedrich abhängigen Grafen, Ritter, Lehensnehmer und Philipps leibliche Mutter stimmten zu und die Oberpfälzer, inzwischen schrieb man 1453, verweigerten im Gegensatz zu den Pfälzern die Huldigung.

Herrschaft auf Lebenszeit

Pfalzgraf Friedrich, inzwischen Kurfürst Friedrich I., hatte zwar versprochen, selbst keine Ehe einzugehen, verzichtete auf Erbansprüche eventueller Nachkommen und sicherte damit Philipps Nachfolge als Kurfürst. So wollte er eine Teilung der Oberpfalz verhindern und seine Herrschaft auf Lebenszeit sichern. Dazu holte Friedrich die Zustimmung von Margarethe, der Mutter Philipps, ein.

Doch die Oberpfälzer, sie hatten bereits 1450 Philipp die Treue geschworen, waren mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden, zumal Friedrich die Huldigung gebilligt hatte. Ein Eid konnte nicht gebrochen, höchstens durch kirchliches Einverständnis zurückgenommen werden. So waren es vor allem die Handwerker, vielleicht ermutigt durch die ablehnende Haltung des Kaisers gegenüber der Herrschaftsübernahme Friedrichs, die einen Aufstand, den sogenannten Amberger Aufruhr" anzettelten.

Wankelmütiger Rat

Der Rat der Stadt war wankelmütig, unternahm aber letztlich nichts gegen die Aufrührer. Vorangegangen waren Verhandlungen, in denen die Landschaft, vor allem der niedere Adel, für eine Anerkennung Friedrichs plädierte. Der Rat der Stadt, wie auch der anderer Städte der Oberpfalz, schlug sich auf die Seite der Bürger.

Der Heimatdichter Anton Wurzer verfasste zu dem Geschehen ein 37-strophiges Gedicht. Hier die Strophe zum vorstehenden Geschehen: "Nur Philipp dem Kunde getreu allezeit! / so schwur man zu Amberg den heiligen Eid, / ergeben dem Sohne der Stadt. Auch das Land / der Oberen Pfalz hob für Philipp die Hand."

Fähnlein gen Amberg

Die Landschaft und die Städte Nürnberg, Windsheim, Dinkelsbühl und Weißenburg aufseiten Friedrichs, versammelte dieser, unterstützt vom Fußvolk, am 5. März 1453 ein stattliches Fähnlein in Hahnbach und zog gen Amberg. Der Türmer von St. Martin schlug Alarm, die große Glocke versagte, doch es gelang, rechtzeitig die Tore zu schließen - der Feind zog ab.

Glockenschwengel entfernt

Die Wut der Amberger richtete sich nun gegen die im Schloss regierenden Räte als Interessenvertreter des Kurfürsten. Sie wurden verhaftet und in das Loch geworfen. Der Stadtpfarrer, aufseiten Friedrichs stehend, versuchte von der Kanzel herab vergeblich die Amberger zu überreden, Friedrich zu huldigen. Da erfolglos, stellte St. Martin die Gottesdienste ein, nachdem die Vertrauten des Kurfürsten bereits vor dem "Angriff" den Schwengel der Glocke auf dem Martinsturm, um eine Alarmierung zu verhindern, hatte entfernen lassen.

So viel Aufmüpfigkeit konnte sich der Kurfürst natürlich nicht gefallen lassen. So zog er am 2. Februar 1454 mit 2000 Mann Fußvolk, 1100 Berittenen - mehr als Amberg damals Einwohner hatte - und schwerem Geschütz von Kastl kommend gen Amberg. Die Einwohner der "festesten Fürstenstadt des Reyches" befürchteten Blutvergießen und Plünderung, zumal mit Truppennachschub zu rechnen war. Viele Amberger flohen rechtzeitig. Die Stadt wurde kampflos übergeben, die Bürger entwaffnet, die bis dahin verweigerte Huldigung Friedrichs folgte.

60 Aufständische wurden verhaftet, sechs Rädelsführer zum Tode verurteilt, zwei wieder begnadigt und die drei verbliebenen bereits am 5. Februar am Marktplatz enthauptet. Ein Stein dort erinnert an das Geschehen.

Die Geflohenen ließ der Kurfürst enteignen. Dazu Anton Wurzer: "So hob sich das Richtbeil nur dreimal zum Schlag / am Fest St. Agathen, dem heiligen Tag, / klang dumpf jener Beilschläge Ton nur - kein Schrei. / Der Kurfürst zu Pferd stand finster dabei."

Schloss wird Wasserschloss

Die Lage in der Stadt beruhigte sich, doch der Kurfürst befürchtete, Gleiches könne sich wiederholen. Er ließ das Schloss zu einem Wasserschloss ausbauen und schuf einen Zugang (und Fluchtweg), gesichert mit einer Zugbrücke, über den Stadtgraben in das Schloss.

So war er nicht auf die Öffnung der Stadttore angewiesen. Das damalige Wingershofer Tor wurde in das Schlossareal einbezogen, der dritte Bogen der Stadtbrille verschlossen.

"Baukostenzuschuss"

Der Schlossgraben wurde als Verbindungselement vom alten zum "neuen" Stadtgraben - beide mündeten in die Vils - angelegt. Die Stadt musste für die Umbaumaßnahmen des Schlosses 3000 Gulden "Baukostenzuschuss" zahlen und an der Huldigung führte nun kein Weg mehr vorbei.

In den Folgejahren zeigten sich die Amberger gegenüber ihrem Landesherrn loyal und er dankte es ihnen mit Erneuerung der ihnen von seinen Vorgängern verliehenen Privilegien, mit Rückgabe der beschlagnahmten Güter.

Kurfürst Friedrich I. hielt sich auch relativ häufig in Amberg auf, so zum Beispiel bereits 1455 zum Amberger Schießen. Was folgen wird, ist die "Amberger Hochzeit", das größte Spectaculum, das Amberg je erlebt hat.

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Amberg

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