24.07.2019 - 15:44 Uhr
MünchenOberpfalz

BLLV warnt vor Lehrermangel: "Die Hütte brennt"

Der BLLV schlägt Alarm und warnt vor einem dramatischen Lehrermangel an Grund-, Mittel- und Förderschulen. Die Situation werde sich bis 2030 weiter verschärfen. Kultusminister Piazolo hält dagegen.

Ein Klassenzimmer mit Lehrer - bald könnte das anders aussehen, warnt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Der Lehrermangel werde sich dramatisch verschärfen.

Nach Einschätzung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) droht an den Grund-, Mittel- und Förderschulen im Freistaat ein dramatischer Lehrermangel. "Die Hütte brennt", erklärte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann in München. Aktuell seien nach Schätzungen des Verbandes rund 500 Planstellen an den drei Schularten nicht besetzt, der Kernunterricht könne nur durch Notmaßnahmen wie den Einsatz pensionierter Lehrkräfte oder "umgeschulter" Gymnasiallehrer abgedeckt werden. Die Situation werde sich laut Fleischmann weiter verschärfen, da bis 2030 etwa 40 Prozent der aktiven Grundschullehrer in Pension gingen. Gleichzeitig sinke die Zahl der Lehramtsstudenten. Neben langfristigen Maßnahmen zur Sicherung der Lehrerversorgung brauche es ein "Sofortprogramm, um die Brände an den Schulen zu löschen", sagte Fleischmann.

Wegen des Lehrermangels sei die Bildungsqualität an den drei Schularten gefährdet, fuhr Fleischmann fort. Zwar werde wohl am ersten Schultag im September vor jeder Klasse ein Lehrer stehen, doch schon jetzt sei klar, dass dafür pädagogische Zusatzangebote, Arbeitsgruppen und Differenzierungsstunden gestrichen werden müssten. "Schule muss aber mehr sein als das Aufrechterhalten des Regelunterrichts", sagte Fleischmann. Selbst das aber gelinge nicht mehr überall. Indiz dafür sei, dass zuletzt 8,5 Prozent des Unterrichts nicht planmäßig hätten gehalten werden können, 1,7 Prozent gar ersatzlos ausgefallen seien.

BLLV-Vize Gerd Nitschke warnte davor, den Lehrermangel durch Mehrarbeit oder verschärfte Teilzeitregelungen auf Kosten des aktiven Personals kompensieren zu wollen. Dies führe nur zu mehr Krankmeldungen und Frühpensionierungen. Auch dürfe das Krisenmanagement durch größere Klassen oder Kürzungen in der Stundentafel nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. Nitschke forderte die Einstellung zusätzlicher Fach- und Förderlehrer, damit sich Lehrkräfte verstärkt auf den Regelunterricht konzentrieren könnten, eine reformierte Lehrerbildung, die den Einsatz an verschiedenen Schularten ermögliche, sowie die Anpassung der Einstiegsgehälter von Grund- und Mittelschullehrern an die derer an den Gymnasien, um den Berufszweig attraktiver zu machen.

Mähring

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) plädierte anders als der BLLV für eine "vorübergehende Reduzierung der Stundentafel", bis der Lehrkräftemangel behoben ist. Zudem müsse die personalaufwendige Evaluation an den Schulen ausgesetzt bleiben und im Kultusministerium eine Arbeitsgruppe "Lehrkräftemangel" eingerichtet werden.

Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hielt die BLLV-Kritik für überzogen. "Das Bild von brennenden Hütten passt nicht in die bayerische Kultuslandschaft", sagte er im Münchener Presseclub. In einer Mitteilung ergänzte er, die Staatsregierung habe vereinbart, bis 2023 5000 neue Lehrerstellen zu schaffen. Mit der Einstellung qualifizierter Lehrkräfte werde die Unterrichtsversorgung auch im kommenden Schuljahr gesichert sein. Piazolo räumte ein, dass der Lehrerbedarf an den Grund-, Mittel- und Förderschulen weiter steigen werde. Konkrete Zahlen nannte er nicht. Zur Bedarfsdeckung setze man "weiter auf flexible Lösungen" wie die Nachqualifizierung von Realschul- und Gymnasiallehrern. Zudem würden 700 zusätzliche Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen und neue Lehrstühlen für Sonderpädagogik geschaffen.

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