Diesen Faschingsverein kennt die Bundeskanzlerin

Vor 30 Jahren wurde der Faschingsverein Stammtisch Botzersreuth gegründet. Daraus hat sich in drei Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte entwickelt, die am Samstag, 11. Januar ihre Fortsetzung findet.

Ein altes Polizeiauto, das schon als Feuerwehrfahrzeug in Weiherhammer wertvolle Dienste geleistet hatte, wurde haben die Botzersreuther Narren in vielen Arbeitsstunden restauriert und für ihre Fahrten zu Auftritten genutzt.
von Redaktion ONETZProfil

"Des wird doch nix" oder "ihr spinnts doch a bissl". Diese Worte und viele andere mussten sich die Gründungsmitglieder des Faschingsverein Stammtisch Botzersreuth vor 30 Jahren anhören. Aus einer Laune heraus gründeten sie den Verein. Josef Witt, Gründungsmitglied und Wirt der Gründungs- und Vereinslokals "Haner" hat ein umfangreiches Archiv über Tollitäten, Auftritte und Tänzer angelegt.

Den "Fasching im Blut" hat die Familie Witt schon seit Generationen. Vater Josef Witt senior war seit 1965 beim Faschingszug in Neustadt alljährlich mit einem Wagen vertreten. Schon damals waren die Stammtischgäste mit aktiv und haben voller Elan die närrischen Ideen mitgetragen. Auch der Junior und seine Freunde waren immer mit dabei.

In fröhlicher Runde am Stammtisch am 6. Februar 1990 war es soweit: Die Jungen beschlossen Nägel mit Köpfen zu machen und einen Verein zu gründen. Mit viel Spaß und Gelächter einigte man sich auf den Namen Faschingsverein Stammtisch Botzersreuth.

Die erste Hürde war geschafft, jetzt hieß es Mitglieder anzuwerben und dem Zusammenschluss Leben einzuhauchen. Der Mitgliedsbeitrag von damals 11 Mark und 11 Pfennigen reichte für die geplanten Aktionen nicht aus. So kam die Idee auf, Schuldscheine an die Mitglieder auszugeben, damit Geld in die Kasse kam. Jahre später haben alle "Schuldner auf die 100 Mark verzichtet und dem närrischen Haufen das Geld geschenkt. "Der Verein wäre überhaupt nicht möglich, wenn nicht ganze Familien ehrenamtlich den Verein unterstützen würden", weiß Witt. Schon damals, als man mit einer Kindergarde startete, zahlten die Eltern die Kostüme und vieles andere.

Seit 30 Jahren zum Beispiel ist Irmi Treml Hofschneiderin. "Man kann es nicht fassen, wie viele Stunden ihrer Freizeit sie dem Faschingsverein geopfert hat." Sie ist nicht die einzige, die durch ihr Engagement die tollen Auftritte erst ermöglicht.

Aus den Mitgliedern der Kindergarde wurde die Jugendgarde. Heute tanzen schon Kinder der Gardemädchen und -jungs von damals. "Eigentlich ist der Faschingsverein eine große Familie. Gemeinsam durch alle Höhen und Tiefen zum gemeinsamen Erfolg", schwärmt Josef Witt.

Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte war 2008 der Besuch im Kanzleramt. Unvergessen ist die Begegnung des damaligen Prinzenpaares mit Kanzlerin Angela Merkel, der sie einen Botzersreuther Karnevalsorden mitgebracht hatten.

In Erinnerung bleibt auch die Visite im Neuen Rathaus in Weiden, beim damaligen Oberbürgermeister Hans Schröpf. Beim Auftritt der Garde auf dem Stadtball hatte der Weiden Rathauschef oft die Ortschaft Botzersreuth nicht gekannt. Die Faschingsgesellschaft lud daraufhin Schröpf mit einem lustigen Schreiben zum Ball ein.

In seiner humorvollen Rückantwort schenkte der Oberbürgermeister 100 Mark aus seinem "geringen Privatvermögen" und lud die Botzersreuther nach Weiden ein, da er beim Ball verhindert sei.

Radio Ramasuri begleitete den Besuch. Ein Quiz machte die Ortschaft Botzersreuth und ihren Faschingsverein noch berühmter. Das Zitat des damaligen Oberbürgermeisters ist Witt noch in guter Erinnerung: "Euer Fasching ist noch echt und urwüchsig".

Schon bald nach der Gründung hatten sich die Botzersreuther dem Bund Deutscher Karneval angeschlossen. Beim jährlichen Gardetreffen ist der Verein schon mal bereit mit dem Bulldog bis nach Regensburg zu fahren, damit der Wagen am Umzug teilnimmt.

"Das ganze Jahr ist Fasching", so Witt. "Und es ist immer etwas zu tun". Ein tüchtiger Vorstand bringt den Verein voran, der jetzt in jungen Händen liegt. "So ist es richtig und das sichert den Fortbestand mit modernen Ideen", freut sich der Gründer.

Wer die Auftritte der Faschingsgesellschaft gesehen hat, weiß, dass die Botzersreuther mit ihrem Können vorne mit dabei sind in der Region. Die Tänze und Shows legendär. Schon seit Simon und Angelika Schönberger als Tanzpaar Weltstadtflair aufs Dorf brachten, hat die Faschingsgesellschaft dieses hohe Niveau stets gehalten.

So dürfen die Besucher gespannt sein, wenn es am Samstag, den 11. Januar beim Inthronisationsball im Gasthaus Miedl heißt: "Botzersreuth Helau – die große Jubiläumsshow beginnt."

Jubiläumsprogramm:

Inthronisationsball am Samstag, 11. Januar, um 19.30 Uhr, Einlass: 18.30 Uhr.

Jubiläumsball in Floß am Samstag, 1. Februar, um 19.30 Uhr, Einlass: 18 Uhr.

1. Kaffeekränzchen am Sonntag, 9. Februar, um 15 Uhr, Einlass: 14 Uhr.

Weiberfasching am Freitag, 14. Februar, um 21 Uhr, Einlass: 20 Uhr.

2. Kaffeekränzchen am Sonntag, 16. Februar, um 15 Uhr, Einlass: 14 Uhr.

Kinderfasching am Rosenmontag, 24. Februar, um 14 Uhr, Einlass 13.30 Uhr.

Alle Veranstaltungen, außer der Jubiläumsball finden im Gasthaus Miedl in Ilsenbach statt. Karten gibt es bei Angelika Schönberger unter 0160/8112476.

Josef Witt, Gründungsmitglied des FSB hat die Vereinsgeschichte archiviert. Alle Zeitungsartikel, Fotos und Aufzeichnungen sind sorgfältig in zehn Ordnern vorhanden und zeigen den Aufstieg und Erfolg des Vereins.
Die Gründungsurkunde des Faschingsvereins Stammtisch Botzersreuth, der heuer 30. Geburtstag feiert.
Über viele Jahre ein grandioses Tanzpaar Simon und Angelika Schönberger. Die teilweise akrobatischen Tänze brachten Weltstadtflair aufs Land und machten den Faschingsverein weit über die Oberpfalz hinaus bekannt.
Die Gründungsmitglieder am 6. Februar 1990 am Stammtisch im Gasthaus Witt in Botzersreuth starten eine Erfolgsgeschichte. Von links: Hannelore Witt, Josef Witt junior, Christian Witt, Matthias Miedl, Hans Mois, Xaver Beer, Reinhold Suttner und Karl Witt junior.
Empfang der Bundeskanzlerin am 29. Januar 2008 im Bundeskanzleramt. Aus allen Bundesländern wurden Prinzenpaare ausgewählt und zum Empfang geladen - die Botzersreuther waren dabei.

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