21.02.2019 - 19:09 Uhr
PirkmühleOberpfalz

Brand in Pirkmühle: Verpuffung beim Lackmischen

Mit schweren Verletzungen am Oberkörper wurde ein 56-jähriger Mitarbeiter von Constantia Pirk ins Krankenhaus geflogen. Das Unglück passierte bei einer Routinetätigkeit in der Lackproduktion. Es war nicht der erste Unfall an dieser Stelle.

Mit dem Hubschrauber brachten die Rettungskräfte am frühen Morgen nach einer Verpuffung in der Lackherstellung von Constantia Pirk einen schwerverletzten Mitarbeiter nach Nürnberg ins Krankenhaus.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Um 6.03 Uhr schlug die Brandmeldeanlage bei der Integrierten Leitstelle (ILS) Alarm. Ein Anruf bei der Firma in Pirkmühle bestätigte, dass es ein echter Alarm war und es einen Verletzten gegeben habe.

Entgegen ersten Meldungen geschah das Unglück nicht in den neuen Hallen an der Werkszufahrt in der Richard-Hülsmann-Allee. Dort war lediglich der Sammelplatz für die Rettungsfahrzeuge, die nicht direkt an den Einsatzort mussten. Der war in der Lackherstellung auf dem alten Werksgelände.

Der Mitarbeiter war mit dem Umfüllen von Aceton und Vinnol in Mischbehälter beschäftigt. Wie Geschäftsführer Axel Glade bestätigte, hatte der Arbeiter zum Zeitpunkt des Unfalls bereits mehrere Gebinde zur Lackherstellung eingeschüttet. Möglicherweise durch eine statische Aufladung sei es zu einer Funkenbildung gekommen, die zu einer Explosion oder Verpuffung mit einer angeblich hohen Stichflamme geführt habe. Wie es heißt, hat der Betroffene alle Vorschriften eingehalten.

Glade sprach von einem erfahrenen Mitarbeiter. "Priorität hat es zu wissen, wie es dem Mann geht. Ich lasse mich regelmäßig updaten", sagte der Constantia-Chef, der auf Geschäftsreise in den USA unterwegs ist. Den Verletzten hatte der Rettungshubschrauber nach Nürnberg ins Krankenhaus geflogen

Der Umfüll- und Mischprozess sei seit Jahren in den Arbeitsablauf integriert. Das Problem: "Wo kommt die statische Aufladung her? Wir prüfen jetzt alle Parameter, um die Ursache herauszufinden und Sofortmaßnahmen zu ergreifen." Noch am Nachmittag war in Pirkmühle der Sicherheitsarbeitskreis zusammengekommen. Die Polizei teilte mit, dass ein Statiker den Unfallort bereits gesichtet hat und keine Anzeichen für eine Destabilisierung des Gebäudes feststellen konnte.

"Arbeitssicherheit hat bei uns höchste Priorität", betonte Glade. Er selbst konnte sich an keinen größeren Unfall erinnern. Seit acht Jahren ist er für die Pirkmühle verantwortlich. Das bestätigten auch Constantia-Betriebsrat Bernhard Rohl und Herbert Putzer von der ILS.

Allerdings scheint das letzte große Unglück im Betrieb am 6. September 2009 eine ähnliche Ursache gehabt zu haben. Ein damals 42-Jähriger erlitt ebenfalls nach einer Verpuffung lebensgefährliche Verletzungen. Ein mit Aceton gefülltes Fass war statisch aufgeladen. Funkenflug führte auch in diesem Fall zu einer Verpuffung und verletzte einen damals 42-Jährigen lebensgefährlich. Der Mann arbeitet wieder in der Pirkmühle, wenn auch an einem anderen Arbeitsplatz als zum Zeitpunkt des Unfalls.

Vor Ort waren neben der Werksfeuerwehr Helfer aus Pirk, Schirmitz, Oberwildenau, Bechtsrieth, Weiden, Rothenstadt, Mallersricht und Oberköblitz sowie ein Fachberater des Technischen Hilfswerks, zwei Rettungswagen, ein Notarzt und ein Einsatzleiter. Gegen 9.30 Uhr kehrten die letzten Helfer wieder nach Hause zurück.

Bei einer Verpuffung in der Lackherstellung bei Constantia Pirk wurde ein Mitarbeiter schwer verletzt.
Kommentar:

Ursachen suchen, statt Serie starten

Zweimal der nahezu gleiche Unfall. Zweimal schwer verletzte Mitarbeiter. Die Vorfälle liegen fast zehn Jahre auseinander. Hat sich in dieser Zeit Routine eingeschlichen, war es der gefährliche Schlendrian? Das scheint unwahrscheinlich. Wie es heißt, hat der verunglückte 56-Jährige alle Vorschriften eingehalten.
Die Experten bei Constantia rätseln über die Ursache der statischen Aufladung, die zum Funkenflug geführt hat. Je akkurater sie arbeiten und je schneller sie fündig werden, desto sicherer ist es, dass aus diesem Unglück keine Serie wird, wie es sie zu Beginn der 2000er Jahre mit brennenden Druckmaschinen gab. Erst im Herbst hat die Firma ein Programm für die Arbeitssicherheit aufgelegt. Für das Bemühen der Verantwortlichen ist der Unfall jetzt ein herber Rückschlag. Zugleich sollte er bei den Beschäftigten die Akzeptanz der Maßnahmen erhöhen.

Uwe Ibl

Bei einer Verpuffung in der Lackherstellung bei Constantia Pirk wurde ein Mitarbeiter schwer verletzt. Der Platz vor den neuen Hallen diente den Rettungskräften als Sammelstelle.
Bei einer Verpuffung in der Lackherstellung bei Constantia Pirk wurde ein Mitarbeiter schwer verletzt. Der Platz vor den neuen Hallen diente den Rettungskräften als Sammelstelle.
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