(exb) Unterstützung fand Werner Brunner beim Arbeitskreis Naturschutz Brand. Gerald Hoch zeigte verschiedene Möglichkeiten auf und nahm Brunner sowie weitere Aktive des Arbeitskreises mit zu einem Vortragsabend über blühende Landschaften in die Fichtelgebirgshalle. Einer der Referenten, der Wunsiedler Jäger Klaus Schmidt, hatte schon vor Jahren um Schönbrunn Blütenflächen und wildwachsende Hecken angelegt und so die Lebensbedingungen des Rebhuhns und Hasen deutlich verbessert. Zu Pfingsten nahm Schmidt daraufhin die Ansaat auf dem Acker vor, den Brander/Fuhrmannsreuther Landwirte vorbereitet hatten.
Es entstand eine sogenannte Buntbrache, auf der spezielle Blütenmischungen für Insekten angesät wurden. Neben zwei Saatenmischungen mit jeweils 50 verschiedenen Pflanzen wurden zudem Sonnenblumensamen ausgebracht. Im Gegensatz zu Brachen auf landwirtschaftlichen Flächen, die wegen Vorgaben der Subventionen jährlich umgebrochen werden, bleibt Brunners Fläche mehrere Jahre unverändert stehen. Derzeit zeigt sich ein in Farbenmeer in den bayerischen Landesfarben, im Laufe des Sommers werden weitere Blüten dazukommen. Die Zusammensetzung wird sich von Jahr zu Jahr durch die teilweise mehrjährigen Pflanzen verändern.
Diese Blütenfläche lockte schon im Juli zahlreiche Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Heuschrecken und weitere Insekten an - und damit Nahrung für Vögel und Fledermäuse. Die Stängel werden im Winter stehen bleiben und bilden somit ein Quartier für Entwicklung der Eier und Larven sowie Deckung und Nahrungsfläche für Vögel und vielerlei Kleintiere.
Nahezu zeitgleich wandelte mn Brander Ortsrand Werner Brunners Bruder Rainer einen Acker in Wiese um, für dessen Gras er Verwendung hat. Hier wird versucht, die Grasmischung gezielt mit heimischen Wiesenblumen zu ergänzen, was allerdings eine Entwicklung über Jahre sein wird. Weitere Rückzugsgebiete für Insekten um Brand sind unter anderem die vom Arbeitskreis Naturschutz betreute Kinderobstwiese auf einer Fläche der Gemeinde, die einmal jährlich gemäht wird, sowie das Biotop des Fichtelgebirgsvereins (FGV) Brand zwischen Neubrand und Bernlohe. Hier befindet sich seit Jahrzehnten auf über einem Hektar ein Mosaik aus Magerrasen, Feuchtflächen und Gebüsch, in dem schon zahlreiche Arten der Roten Liste nachgewiesen wurden.
Die neu geschaffenen Flächen werden ein Baustein gegen das Insekten- und Vogelsterben sein, das mittlerweile drastische Ausmaße angenommen hat. Die Brüder aus Brand, der FGV und der Bund Naturschutz würden es begrüßen, wenn auf weiteren Grundstücken mehr Mut zur Wildnis gezeigt würde. Auf jedem Grundstück könnte eine kleine oder auch größere Ecke für die Natur verbleiben. Eine Initiative im Fichtelgebirge entwickelt derzeit Hinweistafeln, die die Bedeutung solcher Flächen nach außen aufzeigen sollen. Die Naturschützer beraten und unterstützen alle Interessierten.
Wegen Auflagen lieber keine Förderung für blühende Randstreifen
Alois Albersdörfer aus Frankenreuth rahmt seine Felder dagegen mit bunten Farben ein. Das macht er allerdings nicht wegen der Ästhetik. Wenn es zu wenige Blühflächen in der Natur gegen sollte, dann liegt dies sicher nicht an ihm. Denn er tut seit einiger Zeit etwas dafür, dass es solche Flächen gibt – und das ohne finanziellen Zuschuss. In diesem Jahr hat er auf einer Länge von knapp 1300 Metern Blühstreifen angelegt.
Albersdörfer macht klar, dass es für solche Flächen um die Maisfelder Zuschüsse vom Staat gebe. „Diesen gibt es nur mit vielen Auflagen. Und gerade die sind es, die den Landwirt ausbremsen.“ Einerseits könnte man die Blühfläche als Greeningfläche deklarieren, dann müsse aber der Blühstreifen bis Januar stehen bleiben. „Das heißt konkret, wenn im Herbst gepflügt wird, um eine Winterfrucht anzubauen, dann muss der Rand stehen bleiben, was in der Realität nur schwer machbar ist.“ Eine weitere Auflage sei, dass pro Feldstück mindestens 1000 Quadratmeter an Blühflächen angebaut werden – was in der Region mit relativ klein strukturierten Feldern nur schwer machbar sei.
Für ihn ist auch nicht nachvollziehbar als Auflage, dass an ein Feldstück, das beispielsweise mit Kleegras angebaut wurde und als Erosionsschutzstreifen am Hang dienen soll, keine Blühfläche bezuschusst werden darf. „Es ist also kein Wunder, dass die Blühstreifen weniger werden“, meint der Frankenreuther.
Er selbst legt diese seit mehreren Jahren auf eigene Kosten an, weil sie ihm selber auch gefallen. Und investiert dafür etwa 300 Euro pro Jahr in Samen. Eine klare Meinung hat Albersdörfer zur Behauptung, dass die vermeintlichen Mono-Maiskulturen der Landwirte am „Insektensterben“ schuld seien. Es gebe mehrere Gründe, warum vermeintlich mehr Mais angebaut werde. „Heuer wäre bei manchem Feld eine andere Frucht angebaut worden, wenn es letzten Herbst nicht so nass gewesen wäre. Ein weiterer Grund ist, dass Raps ständig billiger wird.“ Der Landwirt sei nun einmal Unternehmer, und als solche müsse er auch schauen, wie er seinen Betrieb erhalten könne. Jetzt so zu tun, dass die Landwirte wegen des Maisanbaus am Insektensterben schuld seien, sei unredlich.
„Mir ist schon oft aufgefallen, wenn man früher durch die Ortschaften gefahren ist, dann hat man an den Häusern fast überall an den Fenstern Blumenkästen gesehen. Wo sind eigentlich diese geblieben?“, fragt er. Heute seien vielerorts Steingärten beliebt – die auch nicht unbedingt das Insektenleben fördern. Albersdörfer empfiehlt, dass sich jeder auch einmal an die eigene Nase fassen sollte, bevor er einen ganzen Berufszweig verteufle. (ak)














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