18.03.2020 - 13:56 Uhr
BrandOberpfalz

Applaus für urtümliches Instrument

Mitreißendes Konzert am Samstag im Brander Pfarrheim. Begeisterte Besucher geben sich dem Rhythmus hin.

Philipp Gerisch, virtuoser Didgeridoo-Spieler aus Fürth, gestaltete in Brand mit Didgeridoos, Handpans und anderen Percussion-Instrumenten ein mitreißendes Konzert.
von Bertram NoldProfil

Ein wunderbarer tiefer und warmer Ton erfüllt den Saal im Pfarrheim in Brand. Er nimmt eine andere Form an, wird rhythmischer und ein schwebendes „oi“ lässt aufhorchen, das durch ein zart aufgesetztes rhythmisches Zischen aus einem Schüttelrohr sein endgültiges „Aussehen“ erhält. Freunde des Didgeridoos haben mit großem Engagement den Pfarrsaal in einen kleinen Konzertsaal verwandelt. Der Künstler, der dort zwischen verschiedenen Musikinstrumenten sitzt, hat sich wunschgemäß in eher gedämpftes Licht gehüllt, wohlwissend, dass seine Musik genau dies braucht, um ihre Wirkung entfalten zu können. Philipp Gerisch ist ein Allrounder, beherrscht nicht nur das Didgeridoo. Auch mit Handpan, Cajon und Maultrommel ist er in seinem Element. Musikliebhaber aus nah und fern zeigen großes Interesse an ihm und seiner Musik und füllen den Saal bis auf den letzten Platz.

„Das war ein fis! Von Michael gemacht, weil ich es so haben wollte“, sagte er ganz beiläufig und stellt das große, hölzerne Rohr, das aus der Werkstatt von Michael Heindl aus Mehlmeisel stammt, an seinen Platz. Ein sehr abwechslungsreiches Konzert werden die Zuhörer in den nächsten zwei Stunden, inklusive 15 Minuten Pause, erleben. Flüsternd nimmt das nächste Stück seinen Anfang, lässt das Didgeridoo durch gekonnte Silbenbildung „erzählen“; der Künstler formt die Silben schließlich zu dem, was man Mouth-Percussion nennt und beginnt eine Steigerung, indem er mit dem rechen Fuß sein Cajon bedient. Gut durchdacht hat Philipp Gerisch seine Instrumente angeordnet, muss sie vor Beginn eines Stückes immer wieder genau positionieren und die Höhe der beiden nebeneinander befestigten Rohre nach seinen Mund hin ausrichten. Immer sorgt er mit dem Variieren des Rhythmus` oder dem Aussetzen des Cajons für Effekte, die umso eindrucksvoller sind, je länger er seinen Fuß ruhig stehen lässt und den ersten Schlag dann wieder setzt, wenn es der Zuhörer nicht erwartet. Das schafft Spannung und lässt Bilder vor den Augen der Betrachter erscheinen. Eine fremde Stimme erzählt da etwas; zuerst eher lustig, dann wieder sachlich und entschieden, doch bestimmt. Eine klare „Sprache“ sprechen seine Instrumente, die er inzwischen um ein Handpan erweitert hat. Wie kleine Ufos stehen drei Stück in verschiedenen Tonlagen auf der Bühne. Es ist seine geübte Hand, es sind seine flinken Finger, die dem Metallkörper mit verschiedenen Klangzonen über die ganze Oberfläche verteilt, die zarten Töne auf der Oberseite und begleitende tiefere auf der Unterseite entlocken. Gerisch besitzt eine ausgefeilte Schlagtechnik, mit er sein Handpan zum Singen bringt; kleine, reizvolle Melodien, von eher kurzen und tiefen Grundschlägen begleitet, bei dem ihm der Daumen sehr behilflich ist. Es sind kurze, eingängige Melodiefolgen, oft wiederholt, stets leicht variiert und sauber und sehr wirksam dynamisch abgestuft präsentiert bis zum feinsten Pianissimo, dessen zarten Nachklang er lange auskostet. Das Publikum dankt mit heftigem und langanhaltenden Applaus. Seine Stücke haben alle eine Grundstruktur, der Rest ist improvisiert, erklärt er, um sich selbst zu fragen: „Was spiele ich jetzt?“ – „Ich fang einfach mal an!“ Augen zu, um nicht abgelenkt zu sein und seine gedanklichen Bilder in Musik umzuwandeln; Stimmungen wiedergeben, dabei die dynamischen Möglichkeiten auskosten, den „alten, weisen Mann reden lassen“, mal freundlich, dann wieder mit erhobenen Zeigefinger. Die „Antwort“ wirkt eher jugendlich frisch, unverbindlicher! Einen Dialog zwischen zwei verschiedenen Menschen haben die 50 Zuhörer eben erlebt, der phasenweise auch heftigere Züge aufwies. Richtig verliebt in sie, widmet er sich den ganzen Abend seinen Instrumenten, äußerst gefühlvoll, hochsensibel mit leisesten Tönen, dann wieder so rhythmisch akzentuiert, dass kein Kopf im Saal ruhig bleibt und kein Fuß still auf dem Boden steht. Am Schluss gibt es das „Feuerwerk“, das beim letzten Ton die Zuhörer geradezu von ihren Stühlen reißt. Der Dank in Form von heftigem Applaus, immer wieder durchsetzt von lauten Bravo-Rufen, kommt von Herzen und er kommt stehend! Das bedeutet „Zugabe“ und diesen Wunsch erfüllt Philipp Gerisch seinen Zuhörern gerne und mehrfach.

Philipp Gerisch, virtuoser Didgeridoo-Spieler aus Fürth, gestaltete in Brand mit Didgeridoos, Handpans und anderen Percussion-Instrumenten ein mitreißendes Konzert.
Didgeridoo-Konzert:

Kontakte bei einem Handpan-Festival

Michael Heindl, Didgeridoo-Bauer, und Günther Kuhbandner haben Philipp Gerisch bei einem Handpan-Festival in Nürnberg kennengelernt und ihn als Referenten für einen Anfänger- und einen Fortgeschrittenen-Kurs nach Brand geholt. Viele Helfer waren nötig, um das Projekt umzusetzen: Bühne aufbauen und dekorieren, Kuchen backen, Kaffee kochen. Vor Ingrid Kuhbandner dankte Michael Heindl herzlich für ihr Engagement und ihr eines seiner zahlreichen Didgeridoos, von denen er eine ganze Anzahl mitgebracht hatte, die, sehr dekorativ, auch zur Stimmung im Saal beitrugen

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