Die künftige Nutzung der Freibad-Brache stand auf der Tagesordnung. Spannend, phasenweise schwierig und am Ende doch sehr erfolgreich lief der Tagesordnungspunkt Phasen ab. Architekt Peter Haimerl und seine Mitarbeiterin Judith Kinzl stellten das Konzept zur Nutzung der Freibad-Brache vor. Und das hatte Ecken und Kanten.
Charakter aufgreifen
Von einer "wunderschönen Anlage" sprach Haimerl. Es sei viel da, womit man etwas machen könne. Man müsse den Charakter des Gebiets aufgreifen und langfristig das Ziel verfolgen, den Park zu beleben, damit die Einheimischen etwas davon hätten. Die Suche nach Architekten und Investoren laufe im Hintergrund. Die Grundsubstanz müsse man herrichten. Und dann fiel wieder der Begriff "Co-Working-Space". Das Wort steht für ein Areal, auf dem abseits der Firmen in den Städten entspanntes Arbeiten möglich ist. Die digitale Welt hat eine solche Möglichkeit geschaffen. Judith Kinzl ging ins Detail, lobte die architektonische Qualität der Anlage. Die Altsubstanz müsse aufbereitet werden, Flächen für Pavillons müssten entstehen. Mit Kleinsteingriffen könne das Potenzial genutzt werden. Das Becken solle nicht mehr als Pool genutzt werden. Keine Chemie, sondern Natürlichkeit sei gefragt.
Die Anlage müsse eine neue Vitalität erhalten. "Entrümpelung, Fassadenerneuerung, Dacherneuerung, Fenster, Türen, Wände partiell verstärken oder neu aufziehen, Café, Gastronomie ...", so beschrieb Judith Kinzl die notwendigen Schritte. Am Ende sollen Seminarräume, infrastrukturelle Einrichtungen und eine Verwaltung entstehen. Am Außenbereich müsse außer einer Sanierung nicht viel verändert werden. Sie zeigte Fotos aus Gerswalde, wo Ähnliches bereits gemacht wurde. "Aus einer Brache wächst ein Juwel!", fasste sie zusammen.
Aber in welcher Reihenfolge soll dies alles passieren? Für zweiten Bürgermeister Christian Drehobel (CSU) gehören Phase eins und zwei unabdingbar zusammen; nicht nur Gebäude und Wasserfläche, das gesamte Areal müsse man im Auge haben. Nicht in der Intensität, doch aber in der Sache her wirkte Drehobels Einwand dann wie ein reinigendes Gewitter, das schnell vorüberzog, der Debatte aber einen neuen Drive und eine neue, vielleicht entscheidende Ausrichtung verlieh. Er habe seit Sommer versucht, das Konzept zu bekommen, es sei ihm nicht gelungen. Den Begriff "enttäuscht" wolle er nicht verwenden, doch "ich fühle mich bei Ihnen nicht so gut aufgehoben". Am 1. Dezember sei Termin zum Einreichen bei der Regierung. "Wir sind etwas spät dran," meinte er. Dauernd werde Bürgerbeteiligung gefordert, das sei nun gar nicht mehr möglich.
Kein neues Konzept
Das forderte Haimerl heraus, zu erklären, dass das Konzept keineswegs neu sei. Das habe es schon immer gegeben, es sei nie verändert worden. Es handle sich hier nicht um Einzelmaßnahmen, hier gehe es um ein Gesamtkonzept. Der Bau der Pavillons sei abhängig von Investoren. Darum sei es wichtig, die Infrastruktur herzurichten. Die Pavillons seien ja nicht Aufgabe der Gemeinde. Ästhetik sei oberstes Gebot, um Investoren etwas zeigen zu können. Das Besondere an Brand sei der viel höhere ästhetische Wert als anderswo. Der Wert der Architektur müsse wiederentdeckt werden. "Wir brauchen ein besonderes Image. Ich krieg keinen Investor, wenn ich das 100. Naturbad baue. Niemand kauft Ihnen Luft ab!"
Wohnraum angesprochen
Einen ganz anderen Bereich schnitt Wolfgang Doleschal (CSU) an. Wichtig sei Wohnraum für junge Familien. Schon einmal sei der Sitzungssaal voll gewesen, was als deutlicher Hinweis auf den Bedarf gewertet werden könne. Es sei festgestellt worden, dass der Bedarf 2022/23 wieder abnehme. Leute, die anderorts gebaut hätten, kämen nicht wieder zurück. "Wenn wir nicht kaufen und sanieren, geschieht nichts", ergänzte Christian Drehobel.
Den Leuten müsse etwas geboten werden, damit sie nach Brand ziehen. Und die Finanzen? Haimerl gab sie mit 2,2 Millionen Euro an. Davon zahle die Gemeinde zehn Prozent. 220 000 Euro würde auch der Abriss kosten. Was gebe es da anderes zu tun, als dafür zu stimmen? Doch nicht eindeutig für dieses Konzept. Es soll vorerst als Grundlage dienen für die Vorlage bei der Regierung.













Vertrauen und Verantwortung
Es ist keine leichte Aufgabe, in einer solchen städtebaulichen Phase, in der sich Brand befindet, Gemeinderat oder gar Bürgermeister zu sein. Dass alle die besten Absichten haben, beweisen sie immer wieder! Und dass sie verantwortlich handeln, auch gegenüber denen, die sie gewählt haben, stellen sie immer wieder eindrucksvoll unter Beweis. Es war der Einwurf von Christian Drehobel in der Sitzung, der für eine wichtige, ja unabdingbare neue Offenheit im Gespräch mit den Planern sorgte. Doch eine absolute Sicherheit kann es nicht geben. Da spielt Vertrauen die entscheidende Rolle und diese scheint gegeben zu sein. Wenn Peter Haimerl erklärt: „Ich ticke bei bestimmten Fragen immer anders!“, dann ist klar, dass endgültige, logische, allen einleuchtende Erklärungen nicht möglich sind. Da bleibt vieles offen, so dass sich schließlich alle in Haimerls Aufforderung wiederfinden: „Ihr müsst uns halt vertrauen!“ Das tun die Brander Gemeinderäte in lobenswerter Weise, müssen dabei auf zunehmende Offenheit der Bürger bauen, und schaffen dadurch vielleicht eine tragende Basis für eine gute Zukunft. Da ist es gut, einen engagierten, stets gut informierten und mitdenkenden Bauamts-Mitarbeiter zu haben, der - unaufgefordert - schon einmal vorausgedacht und vorausformuliert hat und eben diese gewünschte „offen bleibende Grundlage“ in einen Beschlussvorschlag packt: Einstimmig für Achim Scherms Formulierung.
Bertram Nold