24.03.2020 - 15:59 Uhr
BrandOberpfalz

Große Not bis zum Bau der Bahn in Brand

Die Coronakrise lässt an frühere Zeiten großer Not erinnern, als mangelnde Hygiene, fehlende medizinische Kenntnisse und finanzielle Not den Menschen das Leben schwer machten. Davon berichtet die Chronik von Brand.

von Bertram NoldProfil

Waren die Leute bei ihrer Lebensweise gewiss bis zum äußersten abgehärtet, so kamen doch Krankheiten genug vor, und die Sterblichkeit war groß. Mangels Hygiene war die Lungenschwindsucht, die man auch Auszehrung nannte, die häufigste Krankheit. Viele Frauen starben wegen fehlender Geburtshilfe, die Kindersterblichkeit unter einem Jahr war sehr hoch. Mit Mehlbrei wurden die Kleinkinder schon in den ersten Wochen ernährt. Wegen Darmkrankheiten und Unwissenheit in Behandlung und Pflege starben Kleinkinder.

Eine heute unverständliche Behandlung erfuhr das Haar der Frauen und Mädchen durch das übermäßige Einfetten. Da Haarpomade und -öl fehlten, nahm man dazu Butter, Schmalz und Schweinefett. Da zudem das Haar kaum gewaschen wurde, war Kopfgrind, insbesondere bei Kindern, die Folge. Dagegen sollte vermehrtes "Schmieren" helfen. Da der "Doktor" Bargeld kostete, war man gezwungen, sich erst einmal selbst zu helfen. Salben, Pflaster, Tee und Umschläge wurden ausprobiert.

Leidende "beschrien"

Der Aberglaube spielte eine große Rolle. Kreuzschnäbel, Turteltauben und Meerschweinchen hielt man in der Krankenstube, damit sie Krankheit und Tod "anziehen". Konnte kein Mittel helfen, so war der Leidende "beschrien", also verwünscht. Dagegen wandte man das "Gesundbeten" oder "Büßen" an, ein Mittel, das sogar bei Tierkrankheiten gebraucht wurde. Folgender Spruch, der helfen sollte, wird in der Chronik zitiert: "Bist du beschrien von einem Mann, so helfe dir Gott Sohn! Bist du beschrien von einem Weib, so helfe dir St. Veit!" Im Anschluss folgte ein Vaterunser.

Da Versicherungen fehlten, waren es Unglücke und Schadenfälle, die die Not verschlimmern konnten. Da ausschließlich Holz als Baumaterial für die Häuser diente, Stroh die Dächer deckte und es kein anderes Licht als das mit Holzspänen gab, waren Brände sehr häufig, oft konnte nur das Vieh gerettet werden. Da blieb dann keine andere Hilfe als der Brandbettel, den auch mancher Bauer gehen musste, um Futter für sein Vieh zusammenzuholen.

War schon das Fallen eines einzigen Stückes Vieh ein lange fühlbares Unglück, so konnte eine Seuche einen Hof an den Rand des Erliegens bringen. Von schlimmen Stürmen und Hagelwettern wird berichtet, deren Schäden die Existenz der Höfe gefährdeten. Der Sommer 1883 war so nass, dass fast alles Getreide auf den Feldern verfaulte, der Sommer 1893 so trocken, dass die Ernte vollständig missriet.

Fleißige Menschen

"Von jeher von nichts Anderem als von Not umgeben, fügte sich der Mensch unserer Heimat in sie wie in etwas Selbstverständliches und je grimmiger sie ihn packte, desto härte wurde er", schreiben die Chronisten. "Ein grob bäuerisch hart und starck Volk", wie sie Bruschius in seiner Beschreibung des Fichtelgebirges 1542 zitieren. "Getreu und der übrigen Not ging er mit umso größerem Fleiße zu Leibe. Es gibt keine fleißigeren Menschen als hier." So mussten die Zeiten auch hier einmal rosiger werden.

Besserung brachte der Bahnbau, der neue Verdienstmöglichkeiten eröffnete und auch die Grundlage für den Sachsenhandel bildete.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.