(ld) Kurz vor Mittag trifft man Alexander Büscher noch in Arbeitshandschuhen und Jeans an, als der Parkplatz bereits gut gefüllt ist. Der Macher des neuen Goetz-Areals hat die Bevölkerung zu einem Schautag eingeladen. Er will einen Einblick geben in seine Vision von einem neuen Firmengelände, das seiner Vorstellung nach vielfältig genutzt werden könnte. Studio für Werbefilme, Fotostudio, Oldtimer-Halle, Startups, Hochzeitsstadel und vieles mehr. Er sei nur der „Dirigent“, betont er immer wieder, und als solcher habe er für diesen Schautag ein Werk geschaffen.
Ganz verschiedene Gründe stehen dahinter, die Einladung zu einem Tag der offenen Tore anzunehmen: Die einen treibt einfach Neugierde in die Rödelgasse. Lange haben sie „die Goetz“ nicht mehr gesehen und nichts von ihr gehört. Und nun soll hier etwas Großes entstehen. Ehemalige Beschäftigte kommen zurück, um zu schauen, was aus dem Platz geworden ist, wo sie ihr halbes Leben verbracht haben. Die Hallen sind leer, keine Maschinen, nichts, was auf die einmal gut laufende Produktion von Bierdeckeln hinweisen würde.
Die Geschichte der Firma und der Familie Seißer soll einmal im Lagerschuppen an der Fichtelnaab dargestellt werden. Hier findet sich vorerst nur eine kleine Ausstellung an alten Bierfilzen. Kunstfotograf Jörg Schleicher fühlt sich hier schon heimisch und zeigt an diesem Tag der offenen Tore einen kleinen Querschnitt seines Schaffens. Oldtimer, die in die Halle gelotst werden, sind seine hauptsächlichen Objekte an diesem Tag. Jörg Schleicher hat hier schon für eine Motorrad-Zeitschrift Fotos erstellt. Fahrzeuge an „Lost Places“, aber nicht nur die. Auch weibliche Schönheiten sieht man immer wieder vor der Kamera, sei es auf einem nostalgischen Roller oder in die Ketten eines gewaltigen Flaschenzugs greifend.
Der Kontrast macht es, und sich in derart ungewohnter und widersprüchlicher Umgebung vor der Kamera eines Profis zu positionieren, hat offenbar für viele einen großen Reiz. Fotos in der geplanten Oldtimer-Halle geben Einblick in eine mögliche glanzvolle Zukunft dieses Blocks der Goetz-Gebäude. Schade, dass ein schicker, alter Unimog aus dem Firmenbestand, mittlerweile restauriert und blau lackiert, nicht zum Anspringen zu bewegen war. Sein Auftritt hätte einen willkommenen und vor allem markanten Farbtupfer in der Halle bedeutet.
Holzschnitzer Gerhard Schinner aus Ebnath konnte sich über mangelndes Interesse an seiner Arbeit nicht beklagen. Pausenlos sah man ihn Gespräche verwickelt mit einzelnen Personen oder Gruppen. Eine Hochzeit „in der Goetz“ feiern? In der großen Lagerhalle vor der Langsiebhalle könnte man sich das gut vorstellen. Reizvolles Ambiente von besonderem Charme, wo es sich gut feiern lässt. Liebevoll gestaltete Blumengestecke, gute Weine, Salate und Fleisch aus der Region wurden angeboten. Das machte Appetit auf mehr. Einladung dazu mit einem nostalgischen Traktor als Hingucker, dieses Mal nicht wegen seiner Technik, sondern wegen seiner aufwendigen Dekoration.
Zu einem solchen Ereignis gehört auch das Kulinarische. Dicht besetzt waren die Reihen vor der Event-Kantine, wo es Kaffee und kalte Getränke und auch kleine Speisen gab. Kuchen gab nur kurze Zeit. Mit diesem Ansturm an einem Sonntagnachmittag hatte eben einfach niemand gerechnet. Vor dem ehemaligen Büro wurden kalte Getränke ausgeschenkt, später war guter Geruch von Gegrilltem zu vernehmen. Eine Straßenseite der Rödelgasse mit Fahrzeugen auch mit weniger bekannten Kennzeichen zugeparkt, zeigte sich ganzen Nachmittag über das Gelände mit Gästen sehr belebt. Viele suchten den Smalltalk mit Alexander Büscher, sei es, ihm Materialien zur Geschichte der Firma anzubieten oder ihm einfach mitzuteilen, dass man „daraus was machen“ kann. Dass ihn vor allem ältere Besucher in dieser Meinung bestärkten, freute ihn besonders. Das „Opus“ eines positiv empfundenen Schautags ist dem „Dirigenten“ gelungen. Das lässt darauf vertrauen, dass ihm sein zweiter häufiger Ausspruch wahr wird: „Ich mache keine halben Sachen!“



















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