21.04.2020 - 19:51 Uhr
BrandOberpfalz

Keine Sitzung im Schaukelstuhl

Freundlich, entspannt, organisiert, unaufgeregt und leutselig "regierte" Bürgermeister Ludwig König (CSU) zwölf Jahre die Gemeinde Brand. Sehr zum Vorteil des idyllischen Max-Reger-Geburtsorts. Ende des Monats verabschiedet sich der 73-Jährige in den Ruhestand. Zum zweiten Mal in seinem Leben.

So kennen die Brander ihren Bürgermeister. Ludwig König hat für jeden ein freundliches Wort und ein Lächeln. Sie werden ihn aber weiterhin oft zu Gesicht kriegen. Er ist ja schließlich nur im Ruhestand, nicht aus der Welt.
von Manfred Hartung Kontakt Profil

Als ehrenamtlicher Rathauschef hätte "König Ludwig" seinen beiden Amtszeiten eine weitere hinzufügen können. Die meisten der 1132 Brander hätten nichts dagegen gehabt. "Aber irgendwann muss Schluss sein", bilanziert der erfahrene Kommunalpolitiker, der die Dinge nüchtern sieht. "Ich bin froh, wenn der 30. April da ist", sehnt der eiserne Junggeselle seinen letzten Arbeitstag im Rathaus herbei. Er hat keine Angst, dass ihm ab 1. Mai langweilig werden könnte. Die Musik, der Gesang, das Wandern und der ungebändigte Drang, Menschen in Not zu helfen, werden ihn vor Sitzungen im Schaukelstuhl bewahren.

Vertrauen in Nachfolger

Die CSU nominierte Bernhard Schindler, um das Werk Ludwig Königs fortzusetzen. Gegenkandidaten aus den anderen Fraktionen hatte es bei der Kommunalwahl am 15. März nicht gegeben. Die Brander statteten den Nachfolger mit einem beeindruckenden Vertrauensvorschuss aus. Die Amtsübergabe hätten sich König und Schindler allerdings anders vorgestellt. Corona verschont zumindest indirekt eben nichts und niemanden. Auch nicht Rathäuser. Der Wechsel geht übrigens fließend ab Montag, 27. April, vonstatten. Jeden Tag wird dann ein Stück mehr in die Hände von Bernhard Schindler gelegt, der am Montag, 4. Mai, vereidigt wird. Ludwig König ist ein echtes Brander Gewächs, auch wenn er 1947 das Licht der Welt im Kemnather Krankenhaus erblickte. Seinen tiefen und gefestigten Glauben bekam der Bub in die Wiege gelegt. Mit acht Jahren wurde Ludwig Ministrant, später Lektor. Zur katholischen Kirche hat König eine enge Bindung. Ein Sonntag ohne heilige Messe kommt nicht infrage.

Noch in jungen Jahren spielte die Politik eine immer wichtigere Rolle. 1965 gehörte König zum siebenköpfigen Gründungsteam der Jungen Union im Ort. Von 1977 bis 1983 war er Kreisgeschäftsführer der CSU. 1978 zog er erstmals in den Brander Gemeinderat ein. Und auch beruflich lief es gut und gradlinig. Mit Fleiß, Beharrlichkeit und Talent zum Rechnen begann Ludwig König nach der Volksschule im August 1960 eine Lehre zum Industriekaufmann bei Markgraf und blieb bis 1970. Mit 33 Jahren wechselte er zur Brander Firma Schittinger und schaffte "nebenbei" die schwierige Prüfung zum Bilanzbuchhalter. 2010 ging König mit 63 Jahren den Weg über die Altersteilzeit Richtung Ruhestand. Da war er schon zwei Jahre lang Bürgermeister von Brand. 2008 hatte sich der CSU-Mann mit 14 Stimmen Vorsprung in der Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Georg Zaus durchgesetzt.

Die vielen Ehrenämter, die der scheidende Bürgermeister neben der Kommunalpolitik engagiert und gewissenhaft ausübt(e), sprechen Bände. Er ist seit 1968 Pfarrgemeinderat und war von 1994 bis 2018 in der Kirchenverwaltung. 2005 kam der KAB-Vorsitz hinzu. Und auch der Fichtelgebirgsverein ist ohne "König Ludwig" schwerlich denkbar. Höhepunkt der Wanderlust war der Main-Weg von der Quelle bis zur Mündung, - aber nicht auf einen Sitz. Viermal traf sich eine unerschrockene Gruppe, um in insgesamt 16 Tagen das Ziel zu erreichen.

Feuerwehr und vieles mehr

1972 begann Ludwig Königs Engagement für die Kemnather Missionshalle, um bei Aktionen für notleidende Menschen mitzuhelfen. Richtig rund ging es ab dem Jahr 1980 beim Missionskreis Brand. Basare, Fastenessen, Altkleidersammlungen, Basteln von Oster- und Weihnachtsschmuck und vieles mehr standen auf dem Programm. Über 130 000 Euro wurden im Laufe der Jahre und Jahrzehnte für wohltätige Zwecke gesammelt. In der Aufzählung guter Taten dürfen auch die Aktivitäten in der Feuerwehr nicht fehlen, der König seit 1972 angehört. Bis zu seinem 55. Geburtstag war er sogar Atemschutzträger.

Nie vergessen wird der Rathauschef den September vor sechs Jahren, als ein Bus mit neun Flüchtlingen, überwiegend aus Syrien, ankam. Sie wurden zunächst in der Kemnather Straße untergebracht. "Sie waren so deprimiert", erinnert sich König. Und die Brander legten sich mächtig ins Zeug - nicht nur in den ersten Tagen und Wochen. "Die armen Menschen hatten in Brand ein schönes Leben", blickt König mit bescheidenem Stolz zurück. Kindergarten, Schule, medizinische Versorgung, Einkaufen, gesellige Veranstaltungen- insgesamt 47 Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, wurden in einem Zeitraum von gut zwei Jahren von einem großherzigen Helferkreis bestens betreut.

Idyllisch und modern

Ludwig König ist stolz auf "sein" Brand, das er auf der Homepage der Gemeinde als "staatlich anerkannten Erholungsort im Naturpark Steinwald und als wunderschönes Naherholungsgebiet für Wanderer, Radfahrer und im Winter für Skisportler" anpreist. Brand liegt übrigens nicht hinter dem Mond, wie manche meinen, sondern im südlichen Fichtelgebirge und ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Neusorg, zu der auch Ebnath und Pullenreuth gehören. Brand hat sich zu einer modernen liebenswerten Gemeinde mit einer erstaunlichen kulturellen Vielfalt entwickelt, an der sicherlich auch der leutselige Max Reger ganz entspannt seine Freude gehabt hätte.

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