29.03.2019 - 15:19 Uhr
BrandOberpfalz

Konzert mit einem Hiesigen

Mit Philipp Riedel gab ein ehemaliger Neusorger ein Konzert in Brand. Komponist, Pianist und Sänger: Philipp Riedel macht alles selbst.

Philipp Riedel macht alles selber: Er komponiert, spielt Klavier und singt. Bei seinem Konzert in Brand zog er viele in seinen Bann.
von Bertram NoldProfil

Es ist vieles anders an diesem Abend im Mehrzwecksaal in Brand, was bereits bei der Vorbereitung des Konzerts deutlich wurde: Kein dreispaltiges Programm schreiben mit Titel, Komponist und Bearbeiter. Eine einzige Spalte genügte, denn Philipp Riedel deckt alles selbst ab. Es wird Klavier gespielt bei diesem Konzert und es wird gesungen, wobei über weite Strecken des Abends auf dem Notenbrett des Flügels nicht mehr liegt als eben dieses aufgeschlagene Programm, das nicht mehr als die Titel auflistet und einen Hinweis auf die Textquelle enthält. Kometenhaft ist Philipp Riedel vor einigen Jahren aufgetaucht, hinterlässt seitdem da, wo er seine Strahlkraft entfalten kann, einen lang anhaltenden, hörbaren und spürbaren Silberstreifen. Dabei ist Philipp Riedel „einer von uns“, ein Neusorger, wie er selbst am Beginn seines Konzertes sagt, ein Oberpfälzer, der auch im Dialekt moderieren könnte: „Des ganget aa!“ „Von Shakespeare bis Kästner“ lautet sein Programm. Näherer Hinweis: „Ein Streifzug durch alle Programme“. Deren gibt es schon viele! Sechs sind im Programm aufgelistet, wobei er nicht alle als Solo-Programm gespielt hat. Die Besucher waren so vielschichtig und jeder hatte andere Erwartungen, sicher nicht bei seinem Anhängern aus dem Raum Wunsiedel, die in großer Zahl gekommen waren. Bei ihnen wird sich die Spannung auf den Abend auf Grund der Vorerfahrungen wohl in Grenzen gehalten haben. Umso größer durfte bei den „Erstbesucher“ von Riedel-Konzerten die Vorfreude gewesen sein, um schließlich zu erleben, was Bürgermeister Ludwig König damit meinte, als er von einem gekonnten In-die-Tasten-greifen und exzellenten liedhaften Lyrikvertonungen sprach. Auch der Künstler selbst freute sich drauf, nämlich über den „echten Flügel“, der ihm nur selten zur Verfügung steht. Ein E-Piano kann da kaum ein zufriedenstellender Ersatz sein. Groß ist inzwischen sein musikalisches Werk geworden, über 180 Lieder, und als Indiz für dessen breite Fächerung durfte die Anwesenheit von Wolfgang Weser gewertet werden, der als Leiter des Hofer Kammerchores in den Tagen zuvor ein Werk von ihm aufgeführt hatte. Der Chansonier Philipp Riedel liebt Kästner, dessen lyrische Art beeindruckt und animiert ihn zu stilistisch unterschiedlichen Vertonungen. Sein Vortrag ist Spiegelbild – „Herzspiegel“ heißt eines seiner Programme – Einheit von Text und Ton, von Musik und Gesang. Er liebt auch diesen Jan Weinert, den einzigen noch lebenden Dichter seiner ausgewählten Texte, widmet sich entsprechend dem Titel des Abends den Shakespeare-Sonetten, von denen er auch einige rezidiert und spricht in diesem Zusammenhang immer wieder von einer Solistin, Corinna Simons, mit der er Konzerte bestritten und auch eine CD aufgenommen hat, wo Jazz und Klassik verschmelzen, getragen von Corinnas erfrischendem, lebendigen Gesang. Riedel spielt Kästner – und nicht nur das! Eichendorff- und Heinrich Heine-Texte sind Teil seines Schaffens und Goethe und Schiller werden gestreift.

Sein Spiel am Flügel ist der jeweiligen Botschaft nuanciert angepasst, wechselnde Stimmungen werden in Dur-und Moll-Phasen umgesetzt, rhythmisch wohlüberlegt und äußerst differenziert in Tempi und Lautstärken. Kein Schema, jedes Stück hat seine eigene Identität! Da gefiel ihm, dass in den Medien eines seiner Werke als „expressionistischer Blues“ bezeichnet wurde. Er freut sich, dass „mein Kind“ da ist und die Zuhörer würden es ihm nicht verzeihen, wenn er seiner Tochter nicht auch einen Liedvortrag widmen würde. „Für mein Kind“ nach einem Text von Jan Weinert drückt Hoffnung aus, es wünscht der Tochter in der ersten Reihe „Glück“ und „Liebe, denn selbst die Wüste grünt, wenn man ihr Wasser gibt.“ Immer wieder streut Philipp Riedel kurze Denkpausen ein, die der eben gesungenen Botschaft die Tür in die menschliche Seele öffnen. Es herrscht Stille im Saal und alles konzentriert sich auf das Geschehen vor der Bühne, wo der Künstler im grellen, hellen Spot am Flügel sitzt. Das macht jene gute Stimmung für die oft melancholischen Texte aus, macht bereit für die Konzentration auf Musik und Gesang.

Zwei Stunden – eine Pause inklusive – lauschen die Zuhörer seinem Gesang und seinem kunstvollen Klavierspiel und erklatschen am Ende Zugaben.

Bürgermeister Ludwig König dankte herzlichen für einen wunderbaren Konzert-Abend.

Das Konzert wurde von Stefan Frank und Peter Hohenecker aufgezeichnet und Teile davon werden in nächster Zeit unter www.youtube zu sehen sein.

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