15.01.2021 - 16:47 Uhr
BrandOberpfalz

Max Reger bekommt in Brand nichts mehr zu hören

Den Brander Sängern fehlen die Chorproben wie einem Dürstenden das Wasser. Einziger Lichtblick: Wenn es im Probenraum wieder losgeht, dann mit einem generalüberholten Klavier.

Parallel zur coronabedingten Pause des Männerchors erlebte das Klavier eine Odyssee. Bürgermeister Bernhard Schindler fasste selbst mit an, um es an der Dorfschänke in Fuhrmannsreuth auf den Container zu laden und ins Pfarrheim zu bringen.
von Bertram NoldProfil

Es war im März 2020. Der Männergesangverein Max Reger hatte im Gasthaus „Zum Waffenschmied“ in Grünberg für eine Chorprobe Unterschlupf gefunden, nachdem sich die Männer mehrmals im Pfarrheim in Nagel getroffen hatten, das an diesem Abend aber belegt war. Die Frage nach einer weiteren Chorprobe in Grünberg wurde am Ende jenes Abends aber gar nicht mehr gestellt. Die drohende Gefahr, die das neue Virus heraufbeschworen hatte, lag wie eine dunkle Gewitterwolke über dem Abend.

Schlinge zieht sich zu

Mehrfach schon hatte man von Schließungen von Gaststätten gehört. Die Schlinge, die auch den Brander Männerchor zur Passivität verurteilte, zog sich immer mehr zu. Da fiel der Entschluss: „Wir hören auf! Zu gefährlich! Wir müssen abwarten, wie es weitergeht und bleiben in Kontakt!“ Das ist im digitalen Zeitalter kein Problem: E-Mail, SMS, WhatsApp. Und Telefon gibt es auch noch für die, die sich die neuen Medien nicht mehr antun möchten. An diesem Abend klang das seit Jahrzehnten gesungene Schlusslied anders, hatte einen keineswegs geringen Touch von Melancholie: „Wiederseh`n ist ein schönes Wort, ist es nicht hier, so ist es dort! Sei es nun, sei es dort oder hier, auf Wiedersehen scheiden wir!“ Dass es nicht sehr lange dauern sollte, wünschten sich alle 20 Sänger. Es kam anders.

Es sollte dauern. Wer es jedoch gewohnt ist, 40, 50 oder gar 60 Jahre lange jeden Freitag zu singen, der wird an diesem Wochentag zu Hause unruhig und dem fehlen diese musikalischen, gefühlvollen Abende. Im Sommer war die Lage wieder etwas entspannter, zudem hatte die Odyssee des Klaviers wieder eine Fortsetzung erfahren und war dank eines Bürgermeisters, der auch einmal dem Chor angehörte, im Pfarrheim-Saal in Brand gelandet. Der Raum eignet sich in schwierigen Zeiten gut als Probenraum: groß genug für reichlich Abstand, gut zu durchlüften. „Endlich wieder einmal gesungen! Eine schöne Chorprobe!“ urteilten die Teilnehmer, nachdem zum Abschluss im abgedunkelten Raum der „Andachtsjodler“ im zarten Pianissimo gesungen worden war. Wie lange wird`s gehen?

Fortsetzung folgt

Die Fortsetzung folgte, und nicht nur im Pfarrheim, zweimal auch am Reger-Gedenkstein beim Rathaus, auf einer Wiese beim Kiosk am Nageler See, und schließlich durften sich die Sänger des Namensgebers ganz in der Nähe seines Geburtszimmers bewusstwerden: Nach einer Singstunde am Max-Reger-Haus, auch mit einigen Zuhörern, verabschiedeten sich die Sänger in die Sommerpause. Niemand hatte je eine Äußerung gemacht, dass er diese unruhige Zeit nutzen werde, um sich zurückziehen, sich gar aus dem Chor zu verabschieden. Im Gegenteil. Immer wieder gab und gibt es Telefonate, die das Ende der Pandemie heraufbeschwören, um endlich wieder singen zu dürfen. Unterbrochen wurde die Sommerpause von einem traurigen Ereignis: Vorsitzender Franz Kilchert war nach langer Krankheit verstorben. Seine Beisetzung fiel aber in eine Zeit, als das Singen noch bedingt möglich war, so dass die Beisetzung und das Requiem musikalisch umrahmt werden konnten. Und da erklang es auch wieder, jenes „Wiederseh`n ist ein schönes Wort, ist es nicht hier, so ist es dort“. Dieses Mal in anderer Stimmung und anders interpretierbar. Für die Beerdigung eines weiteren Sängers im Januar war dann jegliche musikalische Aktivität völlig ausgeschlossen; eine schwer erträgliche Situation für manchen Sangesfreund: Beerdigung eines Chormitglieds ohne Gesang. Um jeden Preis hätte ein Adventsingen stattfinden sollen, verkürzt auf eine halbe Stunde, im Freien, am Reger-Gedenkstein. Der zweite Lockdown machte auch das zunichte.

Nur mit der Ruhe

Und nun ist Geduld gefragt. Niemand kann irgendetwas voraussagen, niemand kann abschätzen, wann es weitergeht; trotz Impfstoff. Dabei gibt es für die beiden Brander Chöre äußerst positive Vorzeichen für eine gute Zukunft: eine neue Heimat im Schlachthaus. Die Weichen sind gestellt, das Klavier hat – wieder dank Bürgermeister Bernhard Schindler – die vorerst letzte Phase der Reise angetreten und ist im „schwebenden Schlachthaus“ angekommen: Back to the roots! Dort wo die Reise Ende der 1970er Jahre begonnen hatte. „Leer“ kam es dort an, denn die Mechanik und die Tastatur hatte noch im Pfarrheim Klavierbaumeister Reinhold Pöhlmann aus Himmelkron dem bereits über 50 Jahren alten Instrument entnommen, um das wertvolle Klavier dank der finanziellen Unterstützung von Pfarrei und Gemeinde einer Auffrischung zu unterziehen, die zwischenzeitlich abgeschlossen ist. Das Instrument steht sauber gestimmt und innen und außen überarbeitet an seinem künftigen Platz und wartet darauf, von den Klavierschiebern mitten in den Saal zur ersten Probe geschoben zu werden. Stimmt dann am Ende des Abends Gerald Plannerer laut und kräftig „Schiebe nach, schiebe nach, schiebe langsam nach“ an, mit dem er das Klavier an seinen Platz begleitet, und sind die Noten im Wurstkessel verschwunden, den Bernhard Schindler zu einem Notenschrank umbauen ließ, dürfen sich die Brander Sänger freuen: Sie wären wieder beisammen und dürften singen. Endlich geht es weiter!

Noch stehen die Mauern des ehemaligen Probenraumes des Gasthauses "Goldener Hirsch", von wo aus die Odyssee des Klaviers begann. Als es Bürger,meister Bernhard Schindler mit den Gemeindearbeitern vom Pfarrheim zurück ins Schlachthaus brachte, geschah dies ohne Mechanik und ohne Tastatur. Der MGV hat die Pause genutzt, um es in der Piano-Galerie Pöhlmann in Himmelkron überarbeiten zu lassen.
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