05.03.2021 - 11:01 Uhr
BrandOberpfalz

Aus Musik und Sketchen wird Theater

Die erfolgreiche Entwicklung der Theatergruppe Brand kam mit dem Bau des Mehrzwecksaales. Der Aufstieg begann vor 30 Jahren mit dem Stück "Der Brandner Kaspar".

von Bertram NoldProfil

„Wir hatten schon daran gedacht, zum 30. Geburtstag des Mehrzwecksaals den ,Brandner Kaspar' zu spielen“, erklärte der Vorsitzende der Theatergruppe Brand (TGB), Jochen Erhardt, kürzlich. Doch dann sei Corona gekommen und habe alles durcheinandergebracht. Den Aufwand hätte man sehr gerne auf sich genommen, jedoch wäre dieser vermutlich geringer gewesen als vor 30 Jahren, denn es sei noch vieles da, und „wir haben ja auch dazugelernt“. Da geht es der TGB nicht anders als vielen anderen Vereinen und Gruppen, die sich viel vorgenommen und sich darauf gefreut hatten.

Wer die TGB kennt, der weiß, dass das Jubiläum ausgiebig gefeiert worden wäre – und keineswegs im üblichen Rahmen. Die Mischung aus ganz jungen Mitgliedern und vielen Jugendlichen mit nun schon etwas älter gewordenen Laienschauspielern birgt doch ein gewaltiges Potenzial an Ideen - und genug Energie zur Umsetzung ist auch vorhanden.

Initiator Pfarrer Bauer

Dabei markiert die Zahl 30 nur den Beginn des Laienschauspiels im neuen Mehrzwecksaal. Bunte Abende mit Sketchen gab es schon länger. Als Richard Bauer 1981 als neuer Pfarrer nach Brand kam, galt sein ganzes Augenmerk der Jugend - und das nicht nur im kirchlichen Bereich. Er scharte eine große Gruppe Jugendlicher um sich und kümmerte sich darum, dass in der Pfarrei laufend Aktivitäten stattfanden, in die die jungen Leute eingebunden waren. Die damalige Jugend war froh um solche Angebote.

„Bauts an g`scheitn Saal, dann spiel'n wir den ,Brandner Kaspar'.“

Der heutige Landtagsabgeordnete Tobias Reiß vor 30 Jahren

In Holger Kruschina, heute Regionaldekan in Roding, fand der Geistliche einen tatkräftigen Mitstreiter, der sich mit musikalischen Jugendlichen auch auf volksmusikalischem Gebiet einbrachte. So formierte sich eine Gruppe von Jugendlichen um Richard Bauer, die sich auch gerne schauspielerisch betätigen wollte, um bei kleinen bunten Abenden Sketche zu präsentieren und diese Abende auch mit Musik aufzupeppen. Die Bevölkerung nahm diese Angebote gerne an, und so kann das Jahr 1986 als Geburtsjahr der Brander Theatergruppe genannt werden.

Der Saal im Pfarrheim, der bei solchen Abenden stets aus den Nähten platzte, war dafür aber nicht gut geeignet. Eine Bühne war nicht vorhanden. Sie musste aus Paletten und Balken zurechtgezimmert werden und nahm im fertigen Zustand viel Platz weg.

1986 gab es auch den ersten Impuls für den Umbau der Schule mit einem großen Saal. An einem solchen bunten Abend im Pfarrheim kam Tobias Reiß, heute Landtagsabgeordneter, mit dem „Brandner“ Bürgermeister Karl Söllner ins Gespräch. Der hatte keinen größeren Wunsch als die Aufführung des „Brandner Kaspar“ in seiner Gemeinde. Im Pfarrheim wohl kaum möglich, antwortete ihm Tobias Reiß: „Bauts an g`scheitn Saal, dann spiel'n wir den ,Brandner Kaspar'.“

1991 war es dann soweit: Im Mai wurde der Saal eingeweiht, und ab Herbst waren elfmal alle Plätze besetzt. Ein grandioses Schauspiel und ein ebensolcher Einstieg der TGB in eine erfolgreiche Zukunft.

Tobias Reiß hatte den Vorsitz der neu gegründeten Theatergruppe übernommen, führte beim „Brandner Kaspar“ Regie und spielte selbst den Portner. Mit der Aufführung hat er die Messlatte sehr hoch gelegt. Sie war ein markanter Beginn des Laienschauspiels in der Gemeinde.

Rückwand noch heute im Einsatz

Der Brander Künstler Willi Rubenbauer hat damals die Rückwand der Bühne an mehreren Abenden gemalt – und bis heute hat diese niemand entfernt. Auch die Bühnenwandelemente, die die Mitglieder damals in Eigenleistung gebaut haben, sind heute noch im Einsatz.

Der Saal und seine Technik verpflichtete die Brander Laienschauspieler geradezu, hier weiter aktiv zu sein und die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Optimale Beleuchtung ist vorhanden, genügend Raum zum Umziehen im Untergeschoss ebenso. In der weiten Umgebung findet sich wohl kein derart großer Saal mit einer Tribüne, die bei den Theateraufführungen stets aufgebaut wird und selbst den Zuschauern in den letzten sechs Reihen durch die Erhöhung einen optimalen Blick auf die Bühne gestattet.

Seit 30 Jahren gibt es den Mehrzwecksaal in Brand

Brand

35 Jahre Theatergruppe Brand, davon 30 Jahre in ihrem neuen Wohnzimmer Mehrzwecksaal, bedeuten 21 abendfüllende Stücke im Saal, stets mehrmals aufgeführt und immer ausverkauft. Dazu kommen noch andere Angebote wie „Ein reger Abend“ im Max-Reger-Jahr 2016 und andere kulturelle Ereignisse. Sixpack und Wolfgang Krebs gastierten in Brand und auch die Augsburger Puppenkiste war schon auf Einladung der TGB im Gast im Mehrzwecksaal.

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