16.09.2020 - 13:29 Uhr
BrandOberpfalz

Nachfolger der Brander Volksmusikgruppe: "Nagler Dreigesang"

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Der unerwartete Tod von Helmut Bayer vor fast drei Jahren bedeutete im Nachhinein das Aus der Brander Volksmusikgruppe. Doch jetzt gibt es ein Nachfolgeensemble.

Nun ist das Nachfolge-Ensemble der Brander Volksmusikgruppe da, allerdings mit neuem Namen: Nagler Dreigesang mit (von links) Bernhard Roth (Gesang), Armin Philbert (Gitarre und Leiter) sowie Sigi Schindler (Gesang).
von Bertram NoldProfil

"Des war scho ganz ordentlich, des sing ma gleich nu amal! Und vielleicht blouß amal ohne Unterstimme!" Der Nagler Dreigesang probt in der Wohnung von Armin Philbert. Dass es ihn "wieder" gibt, stellt einen großen Wert für die Gemeinden Brand und Nagel und auch die Region dar. Das neue Ensemble ist die langersehnte Fortführung der ehemaligen Brander Volksmusikgruppe, die aus dem Männergesangverein "Max Reger" hervorgegangen und 1972 zum ersten Mal aufgetreten war.

Ohne Geigen und Akkordeon

Gehörten damals noch Geigen und Akkordeon dem Ensemble an, war die Besetzung in den vergangenen beiden Jahrzehnten auf zwei Zithern, Gitarre und Gesang reduziert. Die Brander Volksmusikgruppe war eine feste Größe im Kulturleben, gesellig wie gesellschaftlich, und auch der kirchliche Anteil war nicht unwesentlich. Kein Neujahrsempfang, keine Adventszeit und auch kein Monat Mai, in dem die Volksmusiker sich nicht musikalisch betätigten; und das nicht nur in Brand. Gerade in kleineren Kirchen und Sälen waren sie gerngesehene Gäste, deren Beiträge für eine heimelige Atmosphäre sorgten.

Lesen Sie den Vorbericht zum letzten Auftritt der Brander Volksmusikgruppe

Im Dezember 2017 verstarb Helmut Bayer völlig überraschend. Er spielte zusammen mit Herbert Lehnert Zither, war also eine der tragenden Säulen der Gruppe. "Es war ein Montag", erinnert sich Sänger Bernhard Roth noch ganz genau. "Es war die letzte Probe für einen Gottesdienst in der Kapelle in Fuhrmannsreuth, der für den Tag darauf auf dem Terminplan stand."

Doch zu dieser Probe kam es nicht mehr. Als die Musiker-Kollegen am Haus von Helmut Bayer in Oberölbühl eintrafen, blinkten dort die Lichter mehrerer Rettungsfahrzeuge. Die Kunde von dessen Tod war für sie ein gewaltiger Schock, der sehr lange nachwirkte. An eine Fortsetzung der Probenarbeit in den folgenden Wochen war nicht zu denken.

Schluss im April 2018

Auf die Brander Volksmusikgruppe wollte aber niemand verzichten. Laufend wurde die Frage nach einem Neubeginn in veränderter Besetzung gestellt. Im April 2018 fand ein letzter Auftritt statt. Armin Philbert, Herbert Lehnert und Bernhard Roth gestalteten eine Messe in der Kapelle in Fuhrmannsreuth mit einer von ihnen gespendeten Intention für ihren verstorbenen Musikerkollegen. Dann war endgültig Schluss.

Da sich das Trio mit großer Leidenschaft der Musik verschrieben hat, begann die Suche nach einem Neuanfang. Interesse hatte Zitherspieler Franz Kilchert bekundet. Doch er erkrankte und ist mittlerweile verstorben, so dass es zu einem ersten Zusammenspiel gar nicht kam. Schließlich war die Lösung gefunden: Siegfried Schindler, Akkordeonspieler und Leiter des Nagler Singkreises sagte zu: Am 26. Oktober 2019 wurde zum ersten Mal geprobt, und schon am 6. Dezember gab es im evangelischen Gemeindehaus in Neusorg das Debüt. Ab März 2020 mischte dann - wie überall - Corona mit.

Ich brauche oft nur den ersten Ton, dann singe ich die Lieder einfach runter!

Bernhard Roth

Aufgelöst hat sich die Gruppe deswegen nicht, in der stillen Zeit wurde nach einem Namen gesucht: Zwei Nagler, ein Brander! Zwei zu eins für Nagel! Der "Nagler Dreigesang" war geboren. Nun wird fest geprobt. Armin Philbert als Organisator und musikalischer Kopf der Gruppe gibt mächtig Gas: Übung nach Probenplan mit häuslichem Vorstudium und konsequentes Üben in der Probe nach keineswegs zu lockeren Grundsätzen. Erst einmal gibt es einen "Crash-Test", sagt Sigi Schindler; erst einmal hören, wie es klingt, ohne etwas verbessert zu haben. Dann folgt die Feinarbeit! Auf dem Tisch liegen "A wengl lusti, a wengl bsinnli" von Wolfgang Kraus. "Sehr schöne Stücke", urteilt der Leiter. Verschiedene Messen, auch eine nach Texten von Helmut Zöpfl. Selbstverständlich ist die Bauern-Messe von Annette Thoma eines der Standard-Werke.

Schönheit der Musik

Das obligatorisch Seidel zwischen den Noten gehört selbstverständlich dazu. Geistlich und weltlich soll gesungen werden, auch als experimentierfreudiges Ensemble sieht sich der Nagler Dreigesang, der sich ein erreichbares Ziel gesetzt hat: "Menschen auf die Schönheit der Musik aufmerksam machen!"

Dazu braucht es Leute wie Armin Philbert, Sigi Schindler und Bernhard Roth. Roth spielt kein Instrument, singt aber "furchtbar gerne", was er auch im MGV in Brand deutlich unter Beweis stellt. Das fehlende Instrument gleicht er mit seiner reichen Erfahrung aus, die er seit 1995 in der Volksmusik sammeln konnte: "Ich brauche oft nur den ersten Ton, dann singe ich die Lieder einfach runter!"

Schon denken die drei Musiker an eine CD, wissen jedoch, dass dies einen ungeheuren Aufwand, nicht nur musikalisch, sondern auch an rechtlichen Hürden bedeutet. Die Motivation dazu ist aber da.

Armin Philbert, Gitarrist, Leiter und musikalischer Kopf der Gruppe, sorgt für ebenso konsequente wie fruchtbare Proben.
Auf dem Tisch liegen Noten, die zum Standard-Repertoire jedes volksmusikalischen Ensembles gehören: In der nördlichen Oberpfalz auch die Stücke von Wolfgang Kraus, hier "A weng lusti, a weng b ´sinnli"
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