18.03.2019 - 14:00 Uhr
BrandOberpfalz

Sprechen über den Papst, über die Kirche und Gott und die Welt

Beim ersten Filmgespräch in Brand wurde einmal mehr die große Beliebtheit von Papst Franziskus deutlich, in dessen Reformbestrebungen große Erwartungen gesetzt werden. Der Missbrauch war nur am Rande ein Thema.

Mit Pfarrer Günther Vogl aus Wunsiedel konnte ein erfahrener Moderator für das Filmgespräch über "Papst Franziskus - Mann seiner Worte" gefunden werden.
von Bertram NoldProfil

Das erste Filmgespräch in Brand, organisiert vom Pfarrgemeinderat in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) zog immerhin 50 Interessenten an. Für den Moderator, Pfarrer Günther Vogl aus Wunsiedel, eine sehr erfreuliche Tatsache, die ihn im Nachhinein von einer „großen Zuhörerzahl“ sprechen ließ.

„Papst Franziskus – Mann seines Wortes“ von Wim Wenders stand auf dem Programm. In seinem Vorwort nannte Pfarrer Vogl den Regisseur einen „ökumenischen Christen“ und ging auf einige seiner Werke ein: „Paris, Texas“ und vor allem „Himmel über Berlin“ hatte Pfarrer Vogl sehr beeindruckt. Wenders´ Filme habe in Rom vielleicht jemand gekannt und deshalb sei er eingeladen waren, einen Film über Papst Franziskus zu drehen. Laut Booklet wurde es nicht ein Film über den Papst sondern mit dem Papst, so wie es von Anfang auch die Absicht gewesen sei. Durch die Szenen in vielen Teilen der Welt und in unterschiedlichen Situationen soll der Blick geweitet werden. Es sei kein kritischer Film, erklärte der Referent, er soll einfach das Leben des Papstes zeigen. Das tut der Film auf eindrucksvolle Weise, zumindest zeigten dies die anhaltende Spannung beim Betrachten des Films und die Formulierung der gewonnenen Eindrücke, um die Pfarrer Vogl am Beginn des Gesprächs bat.

Menschlich und geerdet

Dass der Papst zu dem hält, was er sagt, gefiel einem Besucher. So habe es auch Wim Wenders gesehen und so sei auch der Titel entstanden. „Er redet nicht nur, er handelt! Ob es er immer schafft, weiß man nicht! Er kommt sehr authentisch rüber.“ Darum sei er auch so anerkannt, auch Staatsmännern, Nichtchristen und Andersgläubigen. Er traut sich und er redet. Das sei der einzige Weg. „Zuhören!“ fordert der Papst, und das fordere er von allen ein. Die Menschen hätten das verlernt, ergänzte Vogl. „Zuhören!“ sei nicht nur von Priestern gefordert. Auch das direkte Ansprechen im Film wurde positiv registriert, wenn er im Großformat den Betrachter direkt in die Augen schaut und „da können wir uns nicht einfach wegducken“, formulierte Vogl. Das Hinschauen auf die vielfältigen Probleme in der Welt fordert Franziskus. Das sei sehr wohl Wenders´ Absicht. Zu zeigen, dass es nicht unser Verdienst ist, im reichen Teil der Welt leben zu dürfen. Andererseits hätten die Armen keine Schuld daran, dass sie in den schlechten und armen Teilen der Welt leben müssen. „Jeder muss etwas aus seinem Leben machen, aber von einer anderen Ausgangslage aus,“ resümierte der Referent.

Lesen Sie hier wie Papst Franziskus zum Thema Umweltschutz und Schöpfungsgerechtigkeit steht

Erbendorf

Dann wurde von der „Wahl des Papstes als Zeitenwende“ gesprochen. Es sei unvorstellbar, dass ein anderer Papst Begriffe wie „Zärtlichkeit“ verwendet oder sich derart positiv zur Homosexualität äußert wie er es tut: „Niemand darf ausgeschlossen werden!“ Manche Theologen hätten ihn deshalb heftig kritisiert, trotzdem äußere er sich auf diese Weise. Überhaupt gefiel den Besuchern die Art von Franziskus, wie er spricht. Das schaffe Nähe zu ihm und „macht ihn so menschlich, so zugänglich und geerdet“. Zwischen dem, was der Papst tut und was davon im Volk ankommt, bestehe ein Defizit, bemerkte jemand. „Man hört von ihm zu wenig!“ Natürlich wird bekannt, wenn er im Kongress in den USA spricht oder wenn er Lampedusa besucht und dort mit eigenen Augen das Leid sehen will! „Viele wollen das auch nicht hören“, kommentierte Pfarrer Vogl.

Die Kirche macht auch Fehler

„Dass die Christen nun einen Papst haben, der zugänglich ist, sei wunderbar, doch stehe er auch schon wieder in der Kritik“, stellt ein Besucher fest. Die Kirche habe es schwer und mache auch Fehler. „Und der Papst kommt langsam an seine Grenzen“, ergänzte Vogl. Aber es sei nun etwas angestoßen und man könne nicht mehr zurück. So sei es mit der Tiara gewesen. Anfangs schwierig, nun will sie keiner mehr haben. Die Botschaft, die davon ausgeht, heißt wohl: „Weg mit dem Prunk!“ Der Papst setzt viele kleine Zeichen, ob es die Klos für die Obdachlosen sind oder die Fußwaschung, bei der er keine Scheu hat, Muslime und Strafgefangene einzubeziehen, auch wenn er kritisiert wird. Und aus eigener Erfahrung berichtete Vogl, dass es oft die Hardliner sind, die kritisieren und andererseits schreien, dass sich was ändern muss. Die Menschen bei der Fußwaschung müssen einen Querschnitt aus der Gemeinde darstellen. Von Verordnungen hält Papst Franziskus offenbar nichts, wurde festgestellt. Er lebt das vor und hofft auf Nachahmer. „Das Beispiel ist mehr wert!“ Die Feststellung, dass der Papst auf die Leute zugeht und sich anfassen lässt, nützte der Moderator, um über seine Erfahrungen bei einer Grippewelle zu berichten. Oft werde er aufgefordert, wegen Ansteckungsgefahr auf den Friedensgruß zu verzichten. „Der Papst überlegt nicht!“ „Wenn e niat moch, lou i´s holt bleibm!“

Richtiger Mann

„Vor Gott sind wir alle gleich!“ war für jemanden ein Botschaft des Films und ein anderer bezweifelte, ob Franziskus gegen die „ungeheure Macht im Vatikan“ aufkommt, so wie sie Andreas Englisch in seinem Buch „Der Kämpfer im Vatikan“ beschreibt. Schon jetzt stelle der Papst durch Kardinalsernennungen die Weichen für die Zeit nach ihm, erklärte Pfarrer Vogl. Schließlich kamen am Ende auch noch die Missbrauchsfälle zur Sprache. Franziskus sei gewählt worden, als der Missbrauch schon bekannt war. Offenbar hätten die Kardinäle ganz genau gewusst, dass er der Mann für diese schwere Zeit ist. Damit hätten sie ihm aber auch eine ungeheure Last aufgebürdet. Austrittsfälle! Ein großes Problem der Kirche. Durch die Art des Papstes könnte der Austritt etwas abgemildert werden. Jetzt gelte es, zu ihm zu halten und ihn zu unterstützen. Jeder solle eine Botschaft, eine kleine Szene, ein Wort des Papstes mit nach Hause nehmen, forderte Pfarrer Vogl abschließend auf. „Vielleicht kann das bei manchem etwas verändern und sei es nur ein kleines Stück!“

"Kommt authentisch rüber":

Dass der Papst zu dem hält, was er sagt, gefiel einem Besucher. So habe es auch Wim Wenders gesehen und so sei auch der Titel entstanden. „Er redet nicht nur, er handelt. Ob er es immer schafft, weiß man nicht. Er kommt sehr authentisch rüber.“ Darum sei er so anerkannt, auch bei Staatsmännern, Nichtchristen und Andersgläubigen. Er traut sich und er redet. Das sei der einzige Weg. „Zuhören“ fordert der Papst, und das fordere er von allen ein. Die Menschen hätten das verlernt, ergänzte Vogl. „Zuhören“ sei nicht nur von Priestern gefordert.

Auch die direkte Ansprache im Film werteten die Zuschauer positiv, wenn der Papst im Großformat dem Betrachter direkt in die Augen sieht. „Da können wir uns nicht einfach wegducken“, formulierte Vogl. Franziskus fordert, auf die vielfältigen Probleme in der Welt hinzuschauen. Das sei sehr wohl Wenders’ Absicht: Zu zeigen, dass es nicht unser Verdienst ist, im reichen Teil der Welt leben zu dürfen. Andererseits hätten die Armen keine Schuld daran, dass sie in den schlechten und armen Teilen der Welt leben müssen. „Jeder muss etwas aus seinem Leben machen, aber von einer anderen Ausgangslage aus,“ resümierte Vogl.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.