18.11.2020 - 14:22 Uhr
BrandOberpfalz

Wasserzweckverband "Oberes Fichtelnaabtal": Jeder Tropfen zählt

Beim Wasserzweckverband "Oberes Fichtelnaabtal" ist die Versorgung mit sauberem und bakteriologisch unbelastetem Trinkwasser eine Herzensangelegenheit. Leider ist weltweit der der Kampf um Ressourcen in vollem Gange.

"Jeder TRopfen zählt". Dahinter stehen auch die Beschäftigen und haben sich den Grundsatz nicht nur auf die Fahnen, sondern auch auf Fahrzeuge und Wand in der Werkstatt geschrieben.
von Bertram NoldProfil

"Was wollte die Erde mit all ihren Jahren, wenn nimmer ein Regen mehr wär, ja, wenn nimmer ein Regen mehr wär." Als Wilhelm Sommer, Schulleiter der ehemaligen Volksschule Brand, mit den Dritt- und Viertklässlern dieses Lied einübte, verstanden die Kinder sehr gut, was hinter diesen Zeilen steckte. Es war der Sommer 1962 und es hatte lange nicht geregnet, die Felder waren ausgetrocknet, die Ernte war karg. Nicht nur die Landwirte aber hatten ihre Probleme mit dem ausgebliebenen Regen. Überall machte sich die Wasserknappheit breit. Tankwagen brachten Wasser in die Straßen, Fahrzeuge aus Immenreuth füllten die Behälter auf und der Milchhof Kemnath half mit einem 3000-Liter-Tank aus, damit die Brander Krüge und Kannen für die nächsten Tage füllen konnten.

Bei Nachbarn auffüllen

Bei Verwandten in Nachbargemeinden wurden Gefäße aufgefüllt, weil es dort vielleicht minimal besser war. Dabei war die zentrale Wasserversorgung der Gemeinde Brand gerademal zehn Jahre alt. Alle Bemühungen der Kommune um eine eigene Wasserversorgung waren in den Jahren vor dem Krieg bis Anfang der 1950-er Jahre gescheitert, zumeist am Geld. Schließlich tat sich mit dem Anschluss an die Mehlmeiseler Wasserversorgung eine Möglichkeit auf und 1952 floss zum ersten Mal Wasser aus der von Mehlmeisel nach Brand gebauten Leitung.

Einen Wasserhahn aufzudrehen, um festzustellen, dass kein Tropfen mehr im Speicher ist! Eine Vorstellung, die verwöhnten Menschen den Angstschweiß ins Gesicht treibt. Gott sei Dank ist dies Geschichte! Ob es so bleibt, ist aber mehr als fraglich. Der Club of Rome hat bereits 1972 vor derartigen Szenarien bezüglich Klimaveränderung und Trinkwasser gewarnt; für den damaligen Leser eher Science-Fiction als real vorstellbar. 2008 fassten die Wissenschaftler nach und sprachen die Befürchtung aus, dass ab 2052 die südlichen Länder Europas, Italien, Griechenland und Spanien, Probleme mit der Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser haben werden.

Nun hat auch die deutsche Politik die Notwendigkeit entdeckt, sich mit der Problematik der Trinkwasserversorgung zu befassen. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber warnte erst vor wenigen Tagen vor einem "Grundwassernotstand". Der Boden sei "trocken wie Knäckebrot", sagte er. Er will mit einem Milliarden-Programm die Wasserversorgung im Land sichern. "Die Landschaft trocknet aus", hieß es in einer Regierungserklärung und der Umweltminister warb eindringlich dafür, die "Wasserzukunft" des Freistaats zu sichern. "Wir sind auf dem Weg zum Grundwassernotstand, das muss jedem klar sein," erklärte er. Nötig sei daher eine "bayrische Wassermilliarde".

Form von Radikalität

Der Kampf um die Ressourcen der Erde ist offenbar in vollem Gange. Auch vom Wettlauf um die Arktis ist immer häufiger die Rede; jüngst eindrucksvoll von den Wissenschaftlern auf der "Polarstern" nach deren Rückkehr geschildert. Die Prognose, dass die bestehenden Kämpfe um Trinkwasser sich radikalisieren werden, wenn der Wassermangel weiter steigt, liege demnach nahe, war in den letzten Wochen in Berichten aus dem Bundestag zu lesen und zu hören, der gerüstet sein will. Man will bereit sein, wenn der Kampf ums Trinkwasser beginnt. Genannt wurde das Jahr 2050; offenbar hatten sich die Politiker an dem Bericht des Club of Rome orientiert.

In einem Antrag der Fraktionen von CDU/CSU und SPD heißt es: "Ohne Wasser kein Leben. Ohne Sanitärversorgung keine Würde. In der am 25. September 2015 verabschiedeten "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" haben die Vereinten Nationen mit dem sechsten globalen Ziel für nachhaltige Entwicklung erstmals ein eigenständiges und umfassendes Wasserziel formuliert. Bis 2030 soll die Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleistet werden."

Bewusstsein vorhanden?

Die Lage ist ganz offenbar sehr ernst. Da darf man sich auch fragen, wie sicher eigentlich unser Trinkwasser ist? Ist im Bereich des Versorgungsgebiets des Wasserzweckverbandes "Oberes Fichtelnaabtal" (WZV) Bewusstsein für den Schutz des wichtigsten aller Lebensmittel zu spüren oder ist mit dem Luxus, einfach den Hahn aufdrehen zu können und sofort und überall sauberes Trinkwasser zu haben, auch das Bewusstsein geschwunden, dass Wasser eines lebensnotwendiges Gut ist?

"Welch ein Glück, auf dem Land zu wohnen!" lautet die Zusammenfassung nach einem Gespräch mit zwei engagierten und fachlich äußerst kompetenten Vertretern des Wasserzweckverbandes "Oberes Fichtelnaabtal" ((WZV). Der Vorsitzendes des WZV, der Neusorger Bürgermeister Peter König, und Geschäftsführer Thomas Prechtl sehen derzeit keinen Grund zur Sorge. Das Wasser im Versorgungsgebiet kommt aus drei Tiefbrunnen. Nachdem bereits zweien - 24 Meter und 63 Meter tief - Wasser entnommen werden konnte, wurde ein dritter gesucht. Dabei orientierte man sich an vorliegenden hydrogeologischen Untersuchungen. Lange war die Bohrung erfolglos, führte dann aber doch - nach Drängen eines Verantwortlichen - in 150 Metern Tiefe zum Ziel. Drei Brunnen könnten dem Verbraucher nun 50 Liter Wasser pro Sekunde spenden, nur die Hälfte aber wird gebraucht. Diese komfortable Lage genießen die Verbraucher im Versorgungsgebiet des WZV seit Mitte der 1980-er Jahre. Die Berge und die hügelige Landschaft sind offenbar die großen Nutzbringer, die den Menschen sauberes, bakteriologisch unbelastetes Trinkwasser bescheren. Waldgebiete sind dabei noch einmal günstiger als freie Flächen. Selbstverständlich wird auf die Gebiete um die Tiefbrunnen ein besonderes Augenmerk gelegt.

Ganz strenge Vorgaben

Drei Schutzzonen sorgen dafür, dass keinerlei Verunreinigung entsteht. Es wäre undenkbar, in einer solchen Schutzzone eine Biogas-Anlage zu betreiben und schon das Düngen unterliegt strengen Vorgaben. "Unser Wasser muss aus hygienischen Gründen nicht aufbereitet werden", erklärt Peter König. Technische Aufbereitung ist aber nötig zum Schutz der Rohrleitungen. Hoher Kohlensäure-Gehalt verursacht "Lochfraß". Einen gewissen Anteil braucht Trinkwasser, doch der überschüssige Teil wird durch Verwirbelung und andere technische Maßnahmen reduziert. Chemie ist beim WZV ein Fremdwort.

Das ist auch der Vorteil von Tiefbrunnen gegenüber Quellen, auf die man nur wenige Meter unter der Erdoberfläche trifft, die durch Verunreinigungen schneller verschmutzt werden, so dass oftmals gechlort werden muss. Die Filterwege in die Tiefbrunnen sind sehr weit und bescheren dem Verbraucher dieses wertvolle, wohlschmeckende, überlebensnotwendige Lebensmittel. Man spricht von "weichem Wasser" und meint damit Wasser mit einem niedrigen ph-Wert und einem geringen Gehalt an Kalk. Für Sicherheit in der Versorgung ist gesorgt. Würde der Grundwasserspiegel zu weit sinken, würde der Trockenlaufschutz der Pumpen reagieren und das wäre dann das Warnzeichen. "Davon sind wir Lichtjahre entfernt", erklären Vorsitzender und Geschäftsführer, und beide lassen erkennen, dass für sie "Wasserversorgung eine Herzensangelegenheit" ist, wie sie es ausdrücken, denn "Wasser ist mehr als H2O", ergänzt Peter König. Man müsse den Begriff "Versorger" verinnerlichen. Für das kostbare Lebensmittel zu sorgen, sei die Aufgabe, das für einen sehr geringen Preis: 1000 Liter kosten nur 2,08 Euro netto. Zum Vergleich! Ein Kasten Mineralwasser mit zwölf Flaschen kostet runde fünf Euro. Die Kunden sollten honorieren, welcher Aufwand betrieben wird, um dieses Versorgungssystem - es enthält inclusive Hausanschlüsse immerhin 150 Kilometer Rohrleitungen - optimal zu betreiben.

Engagierte Mitarbeiter

"Jeder Tropfen zählt", steht in der Werkstatt und an den Fahrzeugen. Das sind jene Bereiche, für die es engagierte Mitarbeiter braucht, die das Lebensmittel stets "gut verpackt" in sauberen Rohrleitungen in die Häuser bringen. Das beinhaltet auch die selbstverständliche Bereitschaft zu außerplanmäßigen Einsätzen. "Wenn am Heiligabend um 21 Uhr ein Rohrbruch repariert werden muss, gibt es keine Diskussion." Was ist zu tun, um die Versorgung in der Zukunft zu sichern? Ein weiterer Brunnen wird nicht gesucht, aber ein Verbundpartner. "Ein solcher wäre ein Traum", sagt Peter König. Der WZV ist eine "Insel", das heißt, es gibt keinen Anschluss an einen anderen Versorger, was im Havarie-Fall dringend nötig wäre, wenn ein etwa durch einen Ölunfall verschmutzter Bereich abgesperrt werden müsste, um Trinkwasser vom Nachbarn beziehen zu können. Aber benachbarte Versorger seien alle gut aufgestellt und die technische Umsetzung sei auch ein Problem. Es müssten kilometerlange Verbindungen gelegt werden. Das System müsste auch gepflegt und das Wasser in Bewegung gehalten werden.

Bewusstsein schaffen

Weiterhin sei es nötig, Bewusstsein für den Wert des Wassers zu schaffen. Wasserfontänen, mit denen man das letzte Flugzeug in Tegel verabschiedet, passen nicht mehr in die Zeit und für den Schutz vor Legionellen, der es erforderlich macht, das eher weniger benutzte Wasserleitungssystem eines öffentlichen Gebäudes mehrmals am Tag zu aktivieren, um so große Mengen an Trinkwasser der Kanalisation zuzuführen, ist auf Dauer keine Lösung.

All diese Aufgaben erfordern großes Fachwissen und hohe Kompetenz. Der Beruf "Versorger" scheint da sehr zukunftsweisend zu sein. Auch dafür hat der WZV gesorgt: Mit Tobias Nickl ist ein junger Mann in Ausbildung, der Wassermeister Gerhard Daubner im kommenden Jahr als Wassermeister ablösen wird.

Hintergrund:

Luxusgut Trinkwasser

1965 wurde der Wasserzweckverband „Oberes Fichtelnaabtal“ gegründet. Mit drei Tiefbrunnen ist die Wasserversorgung in den beteiligten Gemeinden sichergestellt.

Zum WZV gehören die Gemeinden Mehlmeisel, Brand, Fichtelberg, Ebnath, Neusorg und Waldershof. Derzeit haben 10,2 Prozent der Weltbevölkerung (785 Millionen Menschen) keine Trinkwasserbasisversorgung, mindestens 30 Prozent (2,2 Milliarden Menschen) haben kein sauberes Trinkwasser.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung (4,2 Milliarden Menschen) hat keinen Zugang zu einer sicheren Sanitärversorgung. (ld)

Großer Aufwand für sauberes Trinkwasser! Staunende Besucher bei der Einweihung des Maschinenhauses vor einigen Jahren. Peter König: "Wer das einmal gesehen hat, denkt anders über unser Trinkwasser!"
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