23.04.2020 - 15:29 Uhr
BrandOberpfalz

Weiterhin gähnende Leere auf dem Parkplatz des Bekleidungshauses Lindner

Wiedereröffnung des Bekleidungshauses muss warten, Fläche zu groß, Beschränkung auf einige Abteilungen verhindert der bayerische Sonderweg

Kein Durchkommen! signalisiert hier der Inhaber des Bekleidungshauses Lindner. Das Abschließen einzelner Abteilungen verhindert der bayerische Sonderweg.
von Bertram NoldProfil

Ein Bericht über den Wiedereinstieg ins Geschäftsleben nach viereinhalb Wochen Schließung sollte es werden, aufgezeigt am Beispiel „Modehaus Lindner“ in Brand. Doch daraus wurde nichts. Die Wut steht Inhaber Harald Lindner ins Gesicht geschrieben, als er – Mund Nase geschützt – die Tür am Lieferanten-Eingang öffnet: Das weit über die Grenzen von Brand hinaus bekannte und gut frequentierte Bekleidungshaus am Ortsausgang Richtung Kemnath darf am Montag nicht öffnen, der meist gut belegte Parkplatz bleibt leer. Die maximale Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern ist bei der Firma Lindner bei weitem überschritten. In manch anderen Bundesländern gibt es in solchen Fällen Abhilfe: Man nimmt ein Trassierband und sperrt einen Teil des Geschäftes ab. Damit wäre der Fall erledigt! Die Bestimmungen wären eingehalten. Den Kunden müssten man wissen lassen, dass für gewisse Abteilungen keinen Zutritt gibt. Über die digitalen Medien wäre die Informationen schnell an den Mann und die Frau gebracht! Nicht in Bayern! Der bayerische Sonderweg lässt sowas nicht zu und das macht Harald Lindner richtig sauer, weil er dahinter keine Logik sieht. Für ihn wäre diese Lösung kein Problem: Er sperrt den oberen Stock mit den bereits bereitliegenden Baustahlgittern ab. Harald Lindner fehlt die plausible Erklärung, und dass er kein Verständnis hat für die Bestimmung des bayerischen Kabinetts und seines Ministerpräsidenten, ist verständlich. Warum ist das in manchen anderen Bundesländern nicht möglich? Warum ein bayerischer Sonderweg? Eben hat er mit MdL Tobias Reiß telefoniert, der die Bestimmung selbst auch nicht ganz nachvollziehen kann. Der Abgeordnete versprach Harald Lindner, sich zu kümmern und sich intensiv um eine gerechtere Lösung zu bemühen.

Als die Schließung kam, hat das die Firma Lindner samt Beschäftigten mit Fassung getragen. Alle mussten ihren Beitrag leisten und die gesamte Wirtschaft kam zum Erliegen. Es gab eben keinen anderen Weg. Gesundheit geht vor und für viele ging es um Leben und Tod. Dass Discounter wie ALDI und Lidl weiter Kleidung verkaufen durften, empfand Harald Lindner zwar nicht gerecht, doch was sollte er machen? Soforthilfen hat er im März beantragt; noch ist nichts eingetroffen. Bei der Masse an Anträgen dauert das wahrscheinlich. Das Personal ist zu Hause und er selbst ist ein paar Stunden täglich im Büro, erledigt Firmenaufträge und sonstige noch ausstehende nicht abgewickelte Kundenaufträge. Natürlich sind auch Rechnungen, etwa für die mediale Werbung, zu bezahlen. All das bleibt und hat seinen Preis. Nun sah der Geschäftsinhaber einen Silberstreif am Horizont, der seinen Glanz aber ganz schnell verlor. Dass das Absperren von Abteilungen, was durchaus die Vorschriften erfüllen würde, nicht möglich ist, ärgert ihn. Die Baumärkte hätten auf unbegrenzter Fläche wieder offen, erklärt er und das werde mit angeblich geringerer Kundendichte begründet. Bei ihm im Bekleidungshaus sei diese mit Sicherheit niedriger. Es wäre an der Zeit, diese Ungerechtigkeit zu beseitigen. Die Monate März bis Juni seien die umsatzstärksten. Seit der Schließung im März sei nun schon massiv Umsatz weggefallen. Schon vor längerer Zeit bestellte Ware werde geliefert, Bekleidung für den Herbst sei auch schon bestellt. Auf die Dauer sei dies nicht durchzuhalten. Viele Geschäfte in der Bekleidungsbranche seien bereits insolvent und eine größere Anzahl werde wohl noch folgen, zumal auch die Soforthilfen auf sich warten lassen. Geplant war der Wiedereinstieg bereits: Selbstverständlich Mundschutzpflicht nach einem deutlichen Hinweis am Eingang. Dann hätten erst einmal die Familienmitglieder wieder zu arbeiten begonnen. Wenn es dann angelaufen wäre, hätte Harald Lindner Zug um Zug Personal stundenweise zurückgeholt. Daraus wird vorerst nichts! Er muss die weitere Entwicklung abwarten und kann bis dahin nur anfallende Büroarbeiten erledigen.

Ein Trassierband oder ein Bauzaunfeld würde den oberen Stock des Bekleidungshauses Lindner absperren und so wären die maximalen 800 Quadratmeter nicht überschritten. In manchen Bundesländern erlaubt, in Bayern nicht.
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