20.02.2020 - 17:39 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Es braucht Vertrauen und Akzeptanz

Viele Ausländer sind von Hass betroffen - Weidens Imam und der Inhaber einer Altenstädter Shisha-Bar plädieren für Offenheit

Die Gesellschaft sollte den Hass ernst nehmen, sagt der Weidener Imam Maher Khedr.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

"Das ist eine Katastrophe", sagt Maher Khedr, zweiter Vorsitzender des Landesverbands Bayern des Zentralrats der Muslime, auf Nachfrage zu dem Attentat in Hanau. Gewalt und Hass seien Signale, die die Gesellschaft unbedingt ernst nehmen müsse. Denn viele Menschen seien davon betroffen, nicht nur Muslime, auch die jüdische Gemeinde werde regelmäßig bedroht. "Das ist inakzeptabel."

Angst habe er aber keine, betont Khedr, der auch Imam beim Deutschsprachigen Muslimkreis in Weiden ist. Er wisse, dass Polizei und Rechtsstaat alles Mögliche unternehmen, um seine Bürger zu schützen: "Die Kooperation mit der Polizei funktioniert sehr gut." Er rechne fest damit, dass sich die Polizei in den kommenden Tagen meldet, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Weidener Muslime beten beim Freitagsgebet für die Opfer in Hanau.

Weiden in der Oberpfalz

Anschlagsziel Shisha-Bar

Der Attentäter von Hanau hatte sich als Anschlagsziel eine Shisha-Bar ausgesucht, mutmaßlich mit der Absicht, dort möglichst viele Ausländer anzutreffen. In der Dubai Shisha Bar in Altenstadt/WN seien rund 30 Prozent der Gäste Ausländer, sagt der Inhaber Christian Seebauer. Angst vor Gewalt habe er nach dem Attentat in Hanau keine. Bisher habe er mit ausländerfeindlichen Gruppen "zum Glück noch nie etwas zu tun gehabt". Er habe auch nicht vor, nun Türsteher einzustellen - "das würde sich nicht lohnen". Seine Bar sei videoüberwacht. Zudem achte das Personal darauf, wer reinkommt. Dabei gehe es aber vor allem um Betrunkene.

Mit Vorurteilen gegenüber Ausländern habe auch er sich schon auseinandersetzen müssen, als er vor rund sechs Jahren seine erste Bar in Vohenstrauß eröffnete. Die hätten sich dann aber bald gelegt, als die Leute merkten, dass es keine Probleme gibt. Die Atmosphäre in den Bars sei ruhig und friedlich.

Das Hauptproblem liege darin, dass die Menschen viel zu wenig voneinander wüssten, sagt Imam Khedr. Deshalb sähen sie nicht den kulturellen Reichtum, den Fremde mit all ihren Erfahrungen mit sich brächten und die Gesellschaft dadurch bereicherten. Stattdessen gebe es Vorurteile, die nicht stimmten, die das Fremde in ein negatives Bild rückten und den Nährboden für Gewalt böten. Viele Menschen wollten Vielfalt nicht akzeptieren. Insbesondere Türken und Syrer hätten mit Vorurteilen zu kämpfen - zu Unrecht, sagt der Imam: "Die allermeisten von Ihnen sind gute Menschen wie du und ich."

Es braucht Akzeptanz

Akzeptanz sei wichtig. Die Leute müssten sich daran gewöhnen, dass sie Menschen mit anderer Hautfarbe oder mit Kopftuch in der Stadt oder neben sich im Restaurant sehen. "Es ist doch viel schöner, durch eine Stadt zu gehen, in der es neben einer katholischen und einer evangelischen Kirche auch eine Moschee und eine Synagoge gibt."

Wenn man Vorurteile abbauen wolle, sei es wichtig, die Gesellschaft regelmäßig und ausführlich über fremde Kulturen aufzuklären. Nur so könne man Akzeptanz schaffen. "Es braucht Akzeptanz, dass es andere Religionen und Weltanschauungen gibt".

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