29.08.2018 - 11:52 Uhr
Oberpfalz

Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter: Von Kleinsterz aus auf Deutschlandtour

Wann hat es das schon mal gegeben? Vom beschaulichen Kleinsterz aus startet die Deutschland-Tour des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). Das Motto der Fahrt durch alle Bundesländer: "Für einen Milchmarkt mit Aussicht“.

Der bundesweite Auftakt der Deutschland-Tour des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) ist in Kleinsterz: Mit dabei sind BDM-Vorstandssprecher Hans Foldenauer (Vierter von rechts) und Milchbauern aus der Region. Mit dem Tourbus „Für einen Milchmarkt mit Aussicht“ geht es bis zum 10. September durch die ganze Bundesrepublik.
von Josef RosnerProfil

(jr) In den nächsten zwei Wochen sind BDM-Vorstandssprecher Hans Foldenauer und sein Team mit einem eigens gestalteten Tourbus unterwegs. Christina Kunz durfte das Fahrzeug am Montagabend mit einer Flasche Sekt taufen.

Foldenauer ist selber aktiver Landwirt mit 95 Milchkühen, zu Hause ist er in Irsee (Allgäu). Matthias Zahn, Kreisvorsitzender des BDM Tirschenreuth, freute sich im Gemeinschaftshaus über das Kommen von Milchbauern aus der Region und dem benachbarten Franken. Er erklärte, dass aktuell ein Milchpreis von 32 Cent pro Liter bezahlt wird, um aber kostendeckend zu arbeiten, seien mindestens 45 Cent nötig. "Das geht an unsere Substanz", wetterte Zahn.

Nicht nur kurzfristig denken

Hauptthema der Tour ist die nächste Generation. "Was muss passieren, dass nicht nur wir, sondern auch unsere Nachfolger eine Perspektive haben?", fragte Zahn. Foldenauer nannte einige Gründe für die Tour. Er machte deutlich, dass sein Verband mit der Gestaltung des Milchpreises nicht einverstanden sei. Die Politik denke viel zu kurzfristig. Denn viele Hilfspakete und Programme könnten nicht langfristig helfen. Daher müssten die Strategien mindestens auf 10 oder 15 Jahre angelegt sein.

"Wir brauchen Aussichten, wie es künftig weitergeht und nicht kurzfristige Hilfen." Ziel müsse es sein, den Betriebsnachfolgern eine Zukunft mit Erfolg anzubieten, damit sich diese weiterentwickeln können. Bei der Tour soll auf die Probleme der Landwirtschaft aufmerksam gemacht werden. "Wir wollen den Blick für strukturelle Herausforderungen weiten, um die Land- und insbesondere die Milchwirtschaft zukunftsfähig zu machen."

Auf ihrer Fahrt durch Deutschland wollen die Verantwortlichen mit den Milchbauern diskutieren und dabei die Politik und Gesellschaft mit einbeziehen. Die Tour dauert bis zum 10. September und endet an der Bergstation "Alpspitze" in Garmisch-Partenkirchen. Foldenauer machte deutlich, dass die Milchbauern Veränderung brauchen. Es könne nicht sein, dass die "Milchbauern zu Billiglieferanten abqualifiziert werden".

Der Vorstandssprecher forderte die Politik und Wirtschaft auf, dem Lebensmittel mehr Respekt entgegen zu bringen: "Wir brauchen eine andere Agrarmarktpolitik." Er verwies auf die Verdienste der Landwirte, was Tierwohl, Arbeit an der Natur, Klima- und Gewässerschutz betreffe. Foldenauer kritisierte die Politik, die ausschließlich von wirtschaftlichen Interessen und von Konzernen gesteuert sei. Er machte deutlich: "Wenn Bauern zusammenhalten, ist vieles möglich. Wir hoffen schon, dass wir mit dieser Tour etwas bewegen können und die Verbraucher und vor allem die Politik auf unsere Problematik aufmerksam machen."

Reserven bilden

Foldenauer forderte grundsätzliche Überlegungen, die Agrarpolitik neu auszurichten. Ziel müsse sein, den Milchmarkt und die Milchviehhalter krisenfester zu machen, um nicht so sehr den Marktschwankungen zu unterliegen. Es müssten wirtschaftliche Reserven gebildet werden.

Zahn erklärte, dass er auch mal gerne vom Bayerischen Bauernverband zu einer Veranstaltung eingeladen werden würde, um dort auf die Herausforderungen der Milchbauern aufmerksam zu machen. Dies sei bislang aber noch nicht geschehen. In Kleinsterz jedenfalls wurde eifrig weiterdiskutiert.

Christina Kunz taufte den Tourbus mit einer Flasche Sekt. Bis zum 10. September macht er in allen 16 Bundesländern Station.

Stellten sich der Diskussion: BDM-Vorstandssprecher Hans Foldenauer (rechts) und Kreisvorsitzender Matthias Zahn.

Milchbauern aus der Region unterstützten die Vorstandsspitze des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter.

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