13.11.2019 - 14:58 Uhr
BurglengenfeldOberpfalz

Einspruch als Rohrkrepierer

Die Verkehrsüberwacherin ist bei ihren Gängen durch Burglengenfeld einiges gewohnt. Doch was die Frau vor einem Schnellimbiss hört, geht entschieden zu weit: Das Wort „Hure“ ertönt, als sie zur gebührenpflichtigen Verwarnung schreitet.

Das Gericht korrigiert eine Geldstrafe deutlich nach oben.
von Autor HOUProfil

Die Kunden kommen in seinen Laden, holen Essen und gehen meist sehr rasch wieder. Doch vor dem Schnellimbiss in Burglengenfeld gibt es offenbar keine Parkmöglichkeiten. "Ich habe das schon mehrfach bei der Stadt angesprochen", berichtete jetzt der Lokalbetreiber dem Amtsrichter Hans-Christopher Theißen. Erfolglos allerdings, wie er bedauerte.

Heuer an einem Nachmittag im Mai fuhr eine 38-Jährige mit ihrem Auto vor. "Quer über den Gehsteig geparkt", stellte die des Weges kommende, städtische Verkehrsüberwacherin fest. Die auf die Zubereitung ihres Essens wartende Kundin kam daraufhin aus dem Laden, wurde zum raschen Wegfahren aufgefordert und tat es nicht. Ihr Argument: "Meine Bestellung war noch nicht fertig." Also verschwand sie wieder im Schnellimbiss und bekam ein Knöllchen hinter die Windschutzscheibe.

Gleich danach erschien der Lokalbetreiber auf der Straße. "Ich habe sicherlich geschimpft", erfuhr der Richter von dem 48-Jährigen. Aber "Hure" habe er die Verkehrsüberwacherin niemals genannt. "Doch, das hat er gesagt", erinnerte sich die 57-Jährige und bedauerte, dass es anschließend nicht zur Entschuldigung gekommen sei. Im Gerichtssaal hörte sie nun vom Angeklagten, dass es keinen Grund zu einer solchen Geste gebe. Lautstark brauste er auf: "Ich habe diesen Ausdruck nicht gebraucht."

Staatsanwältin Jasmin Hertel hielt, auch schon wegen zahlreicher Vorstrafen des Imbissbetreibers, eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 30 Euro (2100 Euro) für angebracht.

Doch Richter Theißen entschied ganz anders. Er verhängte 70 Tagessätze zu je 80 Euro (5600 Euro) und machte sein überraschendes Urteil an den Schilderungen des Angeklagten fest. "Sie haben ja selbst gesagt, dass Ihr Imbiss gut läuft. Da verdient man nicht nur 30 Euro am Tag."

Damit stand fest: Der Einspruch gegen einen Strafbefehl war für den 48-Jährigen zum absoluten Rohrkrepierer geworden. Er muss nun mehr als das Doppelte an Geldstrafe zahlen. "Weil so etwas", wie Richter Theißen dem vor Gericht stehenden, erzürnten Mann ins Stammbuch schrieb, "auch wegen möglicherweise nicht vorhandener Stellplätze vor ihrem Imbiss schlichtweg unmöglich ist."

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