17.07.2020 - 10:43 Uhr
BurglengenfeldOberpfalz

Karikaturen von Rockstars: Therapie für Burglengenfelder Gastronomie

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Freddie Mercury zeigt sich mit Hasenzähnen und Lederhose. Tom Axinger hat dabei etwas "nachgeholfen". Kostproben seiner Kunst gibt es jetzt im Rock-Stüberl in Burglengenfeld. Ein Auftrag vom Bürgermeister ist schon notiert.

Thomas Axinger hat sich mit seinem elektronischen Bleistift Rockstars vorgenommen. Was dabei herausgekommen ist zeigt das Rock-Stüberl in Burglengenfeld in einer Ausstellung, deren Erlös der Gastronomie zugute kommt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Für seine Karikaturen-Ausstellung hatte der Teublitzer Tom Axinger Anfragen aus München, Nürnberg oder Regensburg. Aber er hat sich für Burglengenfeld entschieden. Dort, im Rock-Stüberl, will er dazu beitragen, das kulturelle Leben in seiner Heimat nach Corona wieder in Schwung zu bringen. Dazu hat er markige Gesichter um sich versammelt, bärtige Gesellen mit wulstigen Lippen in coolen Posen. Sie alle haben eines gemeinsam: eine Karriere als Rockstar. Der 51-jährige Künstler, der sie mit mal mehr, mal weniger heftigen Modifaktionen in Szene gesetzt hat, will bei dieser Art der Vermarktung kein Geld verdienen, sondern anderen helfen.

"Das Zeichnen ist für mich Therapie und Hobby zugleich": Das sagt einer, der wegen einer schweren Muskelerkrankung seit mehr als sieben Jahren im Rollstuhl sitzt. Seit 2013 ist er in Rente und hat in der Kunst eine neue Lebensaufgabe gefunden. Nicht ganz neu: "Ich zeichne eigentlich schon seit 30 Jahren", sagt Axinger, der es sich zum Ziel gesetzt hat, anderen Menschen zu helfen, denen es noch schlechter geht, und zwar durch den Verkauf seiner Werke. Menschen mit Behinderungen, mit psychischen Problemen, Obdachlose oder das BRK Burglengenfeld: Sie alle haben von seinen Bildern profitiert, die er gegen eine Spende in alle Welt verschickt.

Nun ist es das Burglengenfelder Rock-Stüberl, das nach wenigen Monaten unter der Regie von Arthur Theisinger bedingt durch Corona geschlossen war und nun mit der Ausstellung als Lockmittel neu durchstartet. Wer die Tour durch die dunkel gehaltenen Räume unternimmt, kann sie nach und nach alle identifizieren, die Bands und Größen des Rock-Business, überwiegend Porträts in dezenten Farben mit umso augenfälligeren Übertreibungen wie sie typisch sind für eine Karikatur. Carlos Santana ist dabei, Alice Cooper, Joe Cocker, Angus Young und Jimi Hendrix. Bob Marley, Mick Jagger und Iggy Pop sind hier in humoristischer Überzeichnung zu haben - oder gleich kompette Bands wie Motörhead oder Metallica. Letztere sind etwas teurer, aber ebenfalls samt Rahmen und Passepartout für einen zweistelligen Euro-Betrag zu beziehen. "Wenn Bruce Springsteen dabei ist, mache ich eine Startinvestition", zeigte sich bei der Ausstellungseröffnung der Burglengenfelder Bürgermeister Thomas Gesche begeistert und outete sich damit als Fan von "The Boss".

Gesche wertete die Ausstellung als Zeichen für die ganze Gastronomie- und Event-Szene. "Wir kommen aus dieser Zeit wieder raus, die Frage ist nur wann", zeigte er sich zuversichtlich und forderte: "Beide Daumen hoch für die Kunst und den karitativen Zweck". Als wahren Image-Gewinn für Burglengenfeld würdigte Benedikt Göhr, Vorsitzendes Wirtschaftsforums, die Ausstellung und machte deutlich, dass es für die Stadt jetzt nicht an der Zeit sei zu sparen, sondern sich herauszuputzen. Dass diese "Kreativ-Lokomotive" bald noch mehr Waggons hinter sich herzieht, darauf hoffte City-Manager Wolfgang Dantl, während der Teublitzer Bürgermeister Thomas Beer den Blick auf die Arbeitsumstände des Künstlers lenkte, mit dem er seit Jahren befreundet ist. "Danke, dass du trotz vieler Krankheitsschübe nicht aufgehört hast zu zeichnen und als Künstler immer besser wirst", wandte er sich an Axinger.

Der "elektronische Bleistift" macht es möglich, dass der Künstler trotz seiner Muskelerkrankung oft bis zu 16 Stunden am Tag beim Zeichnen durchhält, wenn er ohnehin nicht schlafen kann. Auch krankheitsbedingt hat er sich aufs digitale Zeichnen verlegt, seine Bilder entstehen an einem 27-Zoll-Bildschirm. Meist arbeitet Axinger parallel an zwei Bildern und filmt die Fortschritte von einer Skizze bis hin zu Figur und Hintergrund mit. Digital kann er an die Vorlage ranzoomen und einfach korrigieren. "Wenn man bei Karikaturen etwas verkehrt macht, fällt es auch keinem auf", meint Axinger mit einem Schmunzeln. Und was den Nachschub betrifft, ist das dank digitaler Technik auch kein Problem. "Fünf Bilder sind schon allein nach Hamburg verschickt worden", berichtet Theisinger. Der Burglengenfelder Bürgermeister allerdings muss sich noch etwas gedulden: Den "Boss" gibt es noch nicht als Karikatur von Tom Axinger. "Ist bestellt, wird nachgeliefert", verspricht der Künstler.

Das Zeichnen ist für mich Therapie und Hobby zugleich.

Tom Axinger

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Weiden in der Oberpfalz
Freddie Mercury in der Lederhose: Thomas Axinger schafft es, auch dafür die perfekte Pose zu finden.
City-Manager Wolfgang Dantl, der Vorsitzende des Wirtschaftsforums, Benedikt Göhr, Gastronom Arthur Theisinger sowie die Bürgermeister Thomas Beer und Thomas Gesche (von links) präsentieren bei der Ausstellungseröffnung die Werke von Tom Axinger (im Vordergrund).
Erst im Herbst hat Arthur Theisinger (links) das Rock-Stüberl umgebaut, Corona erforderte nun erneute Modifikationen.Die dort ausgestellten Karikaturen von Tom Axinger (Mitte) sollen nun Schwung ins Kulturleben von Burglengenfeld bringen.
Info:

Extrem oder schön

Ein großer Kopf, ein kleiner Körper: So einfach kann eine Karikatur sein. Tom Axinger braucht für sein Karikaturen nicht unbedingt eine große Nase oder üppige Lippen. Nur mit den Frauen sei das "schwierig". "Die haben immer ein Problem mit dem Aussehen, wünschen ein Änderung und sind selten zufrieden", seufzt der Künstler, dessen Arbeitsweise über Videos auf Facebook, Instagram oder über www. at-bilder.com verfolgt werden kann. Sein Engagement gepaart mit Talent hat ihm inzwischen über 10 000 Abonnenten in den Medien eingebracht.

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