28.02.2021 - 10:08 Uhr
BurglengenfeldOberpfalz

Kein Defiliermarsch mehr: Kulturschaffende fordern Hilfe

Corona bringt die Kulturschaffenden an ihre Grenzen. Bei einer Kundgebung in Burglengenfeld machen sie ihrem Ärger und ihrer Enttäuschung kreativ Luft.

Berufsmusiker Thorsten Loher ist sauer auf die Politiker: "Sie haben uns hängen lassen und mit Füßen getreten".
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Der Regensburger Thorsten Loher tritt als Solist und Bandmusiker auf und gibt seit 20 Jahren Gitarrenunterricht. Bis zum Lockdown konnte er von den Einnahmen gut leben. Seit einem Jahr ist aus seinem Spiel mit Banjo, Mandoline und E-Gitarre aber eine „brotlose Kunst“ geworden. Ihm sind die Einnahmen weggebrochen.

Bei einer Kundgebung der Initiative „Rettet die Kultur und die Gastronomie“ am Samstag im Rockstüberl in Burglengenfeld schwankte Thorsten Loher zwischen Wut und Resignation und brachte seine Stimmungslage musikalisch zum Ausdruck. „Wir sitzen alle in einem Boot“, rief er den Kulturschaffenden und Gastronomen im Hinterhof der Kneipe zu. Der Kahn leide aber unter „voller Schlagseite“. Gleichzeitig steuerten andere „in einer Luxusjacht durch die Krise“. Der Musiker rief symbolisch zum Widerstand auf mit den Worten: „Wir brauchen ein Schlachtschiff mit dicken Kanonen."

Keine Konzerte mehr

Das Live-Geschäft sei komplett weggebrochen, gibt Thorsten Loher zu verstehen. Und CDs ließen sich kaum noch verkaufen, „weil die neuen Autos nicht einmal mehr einen CD-Player haben“. Die Perspektive der Berufsmusiker tendiere „gegen null“. Loher lässt kein gutes Haar an den Politikern, wenn er sagt: „Sie haben uns einfach hängen lassen und mit Füßen getreten“. Er appellierte an die Blaskapellen, bei künftigen Parteifesten nicht mehr den Bayerischen Defiliermarsch, sondern die Internationale zu spielen.

Der Burglengenfelder Stadtrat Hans Deml dankte den Organisatoren Arthur Theisinger und Wolfgang Dantl und machte deutlich: „Diese Veranstaltung hat es einfach gebraucht“. Er selbst sitze privilegiert im Homeoffice und habe finanziell keine Nachteile, leide als Hobby-Musiker aber ebenfalls unter dem Lockdown. Der Kommunalpolitiker ist stolz auf die Kultur- und Gastro-Szene seiner Heimatstadt, die „längst zum Mekka der Kulturschaffenden in der Oberpfalz“ geworden sei. Hans Deml ist traurig, „dass wir nach einem Jahr hier stehen und demonstrieren müssen“.

Für kontrollierte Events

Die Gesellschaft werde mit dem gefährlichen Virus zurechtkommen müssen, so die Meinung des SPD-Stadtrates. Deml fordert allerdings „Einschränkungen, die angemessen und gerecht sind“. Während einige bevorzugt würden, müssten andere darunter leiden. Auch die Überbrückungshilfen sieht Hans Deml ungerecht verteilt und stellt fest: „Die großen Betriebe erhalten riesige Summen, die kleinen gehen leer aus“. Die Gelder müssten endlich bei jenen ankommen, „die sie dringend brauchen“. Der Stadtrat plädiert für eine Öffnung der Gastronomie. Kontrollierte Events in den Kneipen hält er für ungefährlicher als private Partys zu Hause.

Burglengenfelds City-Manager Wolfgang Dantl befürchtet ein „Riesenloch am Kulturstandort Burglengenfeld“, wenn demnächst das Veranstaltungszentrum im Pfarrheim wegfalle. Sein Appell an die Verantwortlichen: „Wir müssen uns klar machen, was hier auf dem Spiel steht." Das Duo „Cheese & Walter“ kürte den Begriff „systemrelevant“ zum Unwort des Jahres. Künstler und Musiker seien genauso systemrelevant und auf Einkünfte angewiesen, „weil sie ihre Familien ernähren müssen". Viele von ihnen seien inzwischen in Hartz IV abgerutscht und „stellen sich in der Tafel an“. Die Veranstalter, Power Concerts & Rockstüberl, organisierten die Veranstaltung unter den geforderten Hygienebedingungen und beschränkten die Teilnehmerzahl auf 30.

„Die großen Betriebe erhalten riesige Summen, die kleinen gehen leer aus“.

Hans Deml, SPD-Stadtrat in Burglengenfeld.

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