Die zwei Damen, die Landtagskandidat Peter Wein in der Stadthalle als "Powerfrauen" bezeichnete, erzählten anfangs etliche Anekdoten, bevor sie sich an die politischen Themen wagten. So war etwa von der frühesten Gerechtigkeits-Erfahrung von Umweltministerin Svenja Schulze zu hören. Mit 13 oder 14, so genau weiß sie das nicht mehr, hätten sie und ihre Klassenkameradinnen beim Sport Schuluniformen anziehen müssen. Das wollte sie sich aber nicht gefallen lassen. Also schaltete sie die Schülervertretung ein, klapperte Parteien ab und landete schließlich bei den Jusos. Mit dieser Hartnäckigkeit schaffte es die studierte Politikwissenschaftlerin und Germanistin bereits mit 28 Jahren in den Landtag in Nordrhein-Westfalen und 2018 schließlich zur Umweltministerin.
Zu einer, die sich heute in modischen Fragen nicht mehr reinreden lässt. Die 49-Jährige kam zum Termin in Burglengenfeld - so ganz und gar nicht ministerial - in roten Chucks. Der Farbtupfer an den Füßen dürfte sicherlich als parteipolitisches Statement zu sehen sein. Allerdings ist Schulze nicht durch und durch eine Rote. Auf eine Nachfrage eines Mannes, der ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen stammt, gestand Schulze: "Ich bin BVB-Fan. Das ist das einzige Gelb-Schwarze, das ich richtig gut finde."
Kohnen und Schulze verrieten auch, was die Initialzündung für ihr politisches Interesse war - die Auslöser ähneln sich. Ende der 1980er Jahre schickte der Rektor eines Münchner Gymnasiums Kohnen und andere Schüler mit zwei Bussen nach Wackersdorf. Die SPD-Spitzenkandidatin erklärte: "Das war meine erste Begegnung mit der Exekutive und der Politik." Bei Schulze war es auch das Thema Atom, das ihr Engagement entbrannte. Ihr Mathelehrer diskutierte damals mit ihr über die Atomwaffen. Das sei ein Schlüsselmoment für sie gewesen.
Heute beschäftigt sich die Ministerin mit Themen wie Atom- und Kohleausstieg. "Für Nordrhein-Westfalen ist das gar nicht so einfach. Kohle hat das Land lange Zeit reich gemacht." Die Menschen dort seien geprägt von Solidarität und Stolz. "Die Kinder der Bergleute studieren heute. Eine ganze Tradition fällt weg. Dieser Strukturwandel ist für die Region sehr schmerzhaft." Dennoch forciert Schulze den Umstieg auf erneuerbare Energien. Schließlich kritisiert sie auch, dass Deutschland seine Klimaziele nicht erreicht. "Starkregenereignisse und Trockenheit sind die ersten Ereignisse, die uns hier passieren", sagte Schulze. Wie zum Beweis schüttete es in der Stadt Schwandorf und im Landkreis am Montag stundenlang wie aus Eimern.
In den eineinhalb Stunden, in denen Schulze zu Gast war, kamen viele Themen auf: Mobilität und Verkehr, Wohnraum und Insektensterben (Schulze: "Es ist fünf nach zwölf.") etwa. Am emotionalsten wurde es aber, als Nachfragen zu Horst Seehofer kamen. Kohnen kritisierte, dass er Deutschland in den letzten Wochen an den Rand einer Staatskrise geführt habe. "Was mich an dem Ganzen anwidert ist, dass sie (die CSU) nicht bereit sind, auf der Sachebene etwas zu lösen." Das mache die CSU nur, weil sie Angst habe, dass die absolute Mehrheit verloren gehe und sie Stimmen vom rechten Rand holen müssten. Deswegen - und wohl auch, weil die SPD nach einem Sinkflug in Umfragewerten in Bayern nur noch auf Platz vier hinter CSU, Grüne und AfD liegt - erklärte Kohnen: "Es reicht. Ich garantiere, dass ich Rabatz mache."
Burglengenfeld
16.07.2018 - 21:32 Uhr
Umweltpolitik in roten Chucks

SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen (rechts) lud sich zu einer Veranstaltung in der Burglengenfelder Stadthalle Umweltministerin Svenja Schulze (links) ein. Auch (ab Zweiter von links) Landtagskandidat Peter Wein, Alt-Landrat Hans Schuierer und Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder kamen zu „Kohnen Plus“.
Bild: Götz
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