11.07.2018 - 13:34 Uhr
Burgtreswitz bei MoosbachOberpfalz

Zündende Idee bald verpufft

Vor 170 Jahren beginnt die Produktion in der „Zündrequsitenfabrik Burgtreswitz“. Der Betrieb fällt aber Umweltrisiken und fortschreitender Mechanisierung zum Opfer.

In Ödpielmannstal wurden Mitte des 19. Jahrhunderts Zündhölzer und die Schachteln dazu hergestellt. Die Aufnahme zeigt das Anwesen in den 1950er Jahren mit den damaligen Eigentümern Petrasch.
von Peter GarreissProfil

Die ersten Zündhölzer waren Tauchhölzer. Ihre Kuppen bestanden aus einem Gemisch von Zucker oder Schwefel und Kaliumchlorat. Sie wurden durch Eintauchen in mit Schwefelsäure getränkten Asbest entzündet. An ihre Stelle traten um 1830 die sehr leicht entzündbaren und wegen ihres Phosphorgehaltes giftigen Phosphor- oder Schwefelhölzer, bei denen die Zündmasse aus einem Gemisch von Schwefel oder Antimonsulfid, weißem Phosphor und Kaliumchlorat bestand. Sie wurden 1907 verboten. Die noch heute gebräuchlichen Sicherheitszündhölzer wurden 1848 eingeführt.

Joseph Greßmann, der Vater des Landtagsabgeordneten Karl Greßmann, kann als Oberpfälzer Pionier bezeichnet werden. Er erkannte sehr schnell diese neue „Marktlücke“ und stellte am 24. August 1847 einen Antrag auf Genehmigung zum Bau eines Betriebes zur Herstellung von Zündhölzern in Ödpielmannstal oder Untertreswitzer Schleife genannt (damals Gemeinde Burgtreswitz). Heute wird diese Einöde Hungerleite oder auch Windbeutel bezeichnet. Der Tröbesbach bildete die Zollgrenze. Da die Untertreswitzer Schleife außerhalb der Zoll-Linie lag, hatte die Zündholzfabrik an diesem Standort enorme Zollvorteile. Nach Anhörung zahlreicher Stellen wie Zollamt Waidhaus, Forstamt Vohenstrauß, Pfarramt Moosbach und andere Beteiligte wurde Greßmann am 5. März 1848 durch die königliche Regierung in Regensburg die Erlaubnis zum Betrieb einer Zündholzfabrik erteilt.

Nach den sich im Staatsarchiv Amberg befindlichen Akten begann die Produktion der Zündhölzer vor 170 Jahren im April 1848. Auch die Papierschachteln zur Unterbringung der Zündhölzer wurden in Burgtreswitz gefertigt. Bald aber war die Freude über den guten Firmenstart getrübt. Denn sehr schnell erkannten die Verantwortlichen, mit welch gefährlichem Verarbeitungsmaterial sie es zu tun hatten. Immer neue Auflagen zum Feuer- und Arbeitsschutz verteuerten die Produktion. So mussten die Räume mindestens dreimal in der Stunde gelüftet werden. Die Trockenstube musste aus Sicherheitsgründen von den übrigen Gebäudlichkeiten entfernt werden. Die Zähl- und Verpackungsstube musste mit kräftigen Ventilatoren ausgestattet sein. Auch das Aufbewahren und Verzehren von Nahrungsmitteln in den Arbeitsräumen war aus gesundheitlichen Gründen strengstens untersagt. Total verboten waren auch das Reinigen der Geräte oder Tiegel, an welchen Phosphor- oder Schwefelreste hingen, mittels Anzünden.

Trotz dieser Auflagen wurden 1848 gut sechs Klafter Holz, das sind zehn Ster, zu Streichhölzern verarbeitet. Immer mehr kam es auch zu Beschwerden. So richtete am 19. Juni 1848 ein Bürger und „Umweltschützer“ aus Floß eine Anzeige an das Landgericht Vohenstrauß, in der er auf die Gefährlichkeit der „Zündrequsitenfabrik Burgtreswitz“ hinwies. Auch die Schwefel- und Phosphatreste wurden als Umweltrisiko angeprangert. Als auch noch durch die fortschreitende Mechanisierung die Zündhölzer in Massenproduktion hergestellt werden konnten, hatte man den Anschluss vollends verpasst und der Betrieb musste mangels Wirtschaftlichkeit wieder eingestellt werden.

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